Breite Streuung angestrebt
ÖIAG gibt Voestalpine über die Börse ab

Die Voestalpine AG soll nach dem Willen der Österreichischen Industrieholding AG (ÖIAG) über die Börse privatisiert werden. Eine breite Streuung im In- und Ausland bei institutionellen und privaten Investoren werde angestrebt, sagte ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch.

Reuters WIEN. Mehr Details dazu - wie z.B. der Zeitpunkt und die Frage, ob die ÖIAG ihre 34,7 % in einem Schritt oder in mehreren Tranchen verkaufen will - waren Wieltsch am Dienstag nicht zu entlocken. „Möglichst rasch, wie es der Markt erlaubt“ hieß es zum Zeitplan.

Fix ist, dass die Investmentbank JP Morgan und die Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG „bookrunner“ der Transaktion sein werden und dass UBS als Berater für die Voestalpine agieren wird. Die beiden Personalvertreter im Privatisierungsausschuss der ÖIAG haben gegen die Privatisierung gestimmt. Der Aufsichtsrat der ÖIAG am 5. September werde vermutlich nur mit den Stimmen der Kapitalvertreter das vorgelegte Konzept absegnen. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass ein breiter Börsegang das beste Vehikel für die Privatisierung ist“, sagte Wieltsch.

Voestalpine lagen an der Wiener Börse am Dienstagnachmittag bei 34,39 (35,20). Seit Jänner hat die Aktie 48,55 % zugelegt. Auf den Kurs drücke im Moment, sagten Händler, dass es nun einen „overhang“ von Aktien gebe, die auf den Markt kämen. Die 34,7 % entsprechen knapp 14 Mill. Stück Aktien.

Derzeit sind von Voestalpine rund 35,6 % tatsächlich in Streubesitz. Ein Börsegang würde diesen in etwa verdoppeln.

Wieltsch sagte, dass der Börsegang die Variante sei, die nun auch von der Europäischen Union (EU) goutiert werde. Diese hatte nämlich festgestellt, dass ein Verkauf, bei dem strategische Investoren von vornherein ausgeschlossen seien, nicht zulässig sei. Der Börsegang entspreche den EU-Regeln, sagte Wieltsch. Und es könnten sich auch institutionelle Investoren beteiligen.

Im Vorfeld hatte es eine heftige politische Diskussion, genährt auch durch die oberösterreichische Landtagswahl, darüber gegeben, ob die Voestalpine einen strategischen Partner bekommen sollte. Die Magna International Inc. war als Interessent - vor allem an der Automobilsparte - genannt worden.

Die Diskussion mündete in einer Präzisierung des Auftrages der Regierung, die einen strategischen Investor ausschloss. Der Eigentümervertreter der Republik in der ÖIAG, Finanzminister Karl-Heinz Grasser, hatte zuletzt Magna wieder ausgeschlossen.

Mit dem Börsegang erhofft sich Wieltsch höhere Liquidität in der Aktie und damit eine Stärkung des Finanzplatzes. Eine Prämie, wie sie ein Stratege zu bezahlen bereit sein würde, dürfte allerdings mit dem Börsegang nicht zu lukrieren sein, meinte eine Analystin.

Der Börsegang entspricht auch dem Wunsch des Unternehmens. Der Ende des Jahres abtretende Voestalpine-Chef Franz Struzl hatte Mitte Juli gesagt, man wünsche sich den raschen Rückzug der ÖIAG und eine möglichst breite Streuung bei Investoren. Einen „passenden Strategen“ gebe es für Voestalpine - neben Stahl zunehmend in der Verarbeitung tätig - nicht, hatte Struzl gesagt. Der designierte Nachfolger Wolfgang Eder hatte sich gleichzeitig für die Bewahrung der Einheit des Unternehmens ausgesprochen. Der Erfolg der Voestalpine bestehe in der tiefen Integration der Geschäftsfelder Stahl, Eisenbahnsysteme, Profile und Autozulieferung.

Voestalpine-Sprecher Wilhelm Nitterl quittierte am Dienstag die ÖIAG-Aussagen zur Privatisierung knapp mit: „Ja, das passt uns“. Wieltsch sagte, im Zuge dieses Börseganges würde sich wohl eine neue Aktionärsstruktur ergeben, sagte dazu aber nicht mehr. Bislang gibt es neben der ÖIAG Großaktionäre. Die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (RLB OÖ) und die Oberbank halten 6,5 %, die BAWAG knapp unter fünf Prozent und die Stiftung der Mitarbeiter 6,7 %. Die Allianz Invest hält knapp unter fünf Prozent.

Von den beiden Regionalbanken und der Mitarbeiterstiftung ist bekannt, dass sie großes Interesse daran haben, die Voestalpine so zu erhalten wie sie ist. Syndiziert sind die Aktionäre nicht.

Öffentlich bekannt ist auch, dass Ludwig Scharinger, Chef der RLB OÖ, eine Gruppe von Investoren versammelt hat, die Aktien kaufen und einen stabilen Aktionärskern bilden will. Wieviel die Gruppe will, wollte Scharinger am Montag nicht sagen, fix sei aber, dass man kaufen wolle.

Früheren Angaben zufolge will sich diese Gruppe mit mindestens 25 % einkaufen, aber nicht mehr als 30 % halten, weil dies ein öffentliches Pflichtangebot an den Streubesitz nach ziehen würde.

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