Brennstoffzellentechnik: Audi sticht Volkswagen aus

Brennstoffzellentechnik
Audi sticht Volkswagen aus

Verteilungskämpfe im Volkswagen-Konzern: Die Tochter Audi übernimmt die Entwicklung der Brennstoffzellentechnik. Auch bei Elektroautos sind die Ingolstädter in der Pole Position. Das gefällt nicht jedem in Wolfsburg.

MünchenAm Montag tagte der Volkswagen-Aufsichtsrat. Ein Thema: Der mögliche Stellenabbau bei Europas größtem Autobauer. Der Dieselskandal zwingt zum Sparen und das Ringen um die notwendigen Einschnitte in Wolfsburg wird jeden Tag schärfer.

Da sickert eine Nachricht durch, die das Klima bei VW nicht freundlicher macht: Nicht die Muttermarke Volkswagen, sondern die Premiumtochter Audi wird die Entwicklung der Brennstoffzelle für alle VW-Töchter übernehmen, hat der Konzernvorstand in Wolfsburg beschlossen. Das bestätigten dem Handelsblatt Konzernkreise. Die Entwicklung soll im Audi-Standort Neckarsulm angesiedelt werden, wo bereits mehr als 1700 Ingenieure an der Technik arbeiten.

Neben Elektrobatterien gelten Brennstoffzellen als der Schlüssel für die Antriebe der Zukunft. Weltmarktführer Toyota gibt dieser Technologie den Vorrang vor reinen Batteriefahrzeugen. VW hat in dieser Disziplin wie die restliche deutsche Autoindustrie erheblichen Nachholbedarf. Mit dem Abgasskandal hat bei Volkswagen ein Umdenken eingesetzt. Konzernchef Matthias Müller will Milliarden in den Ausbau der alternativen Antriebe stecken.

Bei der Marke Volkswagen löst die Entscheidung für Audi insbesondere in Kreisen der Arbeitnehmer Besorgnis aus. Die IG Metall in Niedersachsen kämpft um den Erhalt der Entwicklungskapazitäten, die Brennstoffzelle wäre wichtig für das Bundesland. Es geht aber auch um die Komponentenwerke, die vor allem bei dem Übergang zu Elektroantrieben zur Disposition stehen. Die Eigenfertigung von Elektromotoren wäre eine Möglichkeit, Beschäftigung zu sichern.

Doch auch hier hat Audi andere Pläne. Die Ingolstädter haben als erste im VW-Konzern einen serienreifen Geländewagen mit Elektroantrieb vorgestellt, der als Q6-etron 2018 auf den Markt kommen soll. Die Technik könnte auch von Porsche und Volkswagen übernommen werden. Das Konzept der Ingolstädter sieht aber vor, sowohl Elektromotoren als auch Batteriezellen von Zulieferern fertigen zu lassen. Keine Arbeitsteilung, die dem beschäftigungsintensivem System in Wolfsburg entgegenkommt.

Je stärker die Dieselaffäre den Autobauer belastet, desto schärfer werden die Verteilungskämpfe im Volkswagen-Konzern. Audi hat neben Volkswagen den höchsten Etat für Investitionen in Forschung und Entwicklung im Konzern. Während VW sein Investitionsbudget um eine Milliarde Euro kürzt, will Audi seine Ausgaben weitgehend stabil halten.

Die Marschrichtung hat Audi-Chef Stadler jüngst im Handelsblatt-Interview vorgegeben. Natürlich werde Audi auch sparen, um die Folgen der Dieselaffäre abzufedern. Aber: „An das Produkt und die Technologie und damit an die zukünftigen Umsätze und Ergebnisse geht mir aber keiner ran“, sagte Stadler.

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