Brian Tempest kapert für Ranbaxy Märkte im Westen
Teil 6: Ein Brite führt Indiens größten Pharmakonzern

Brian Tempest verblüfft Besucher mit demonstrativer Bescheidenheit. Hinter der Bodenständigkeit, die Tempest so fröhlich zur Schau stellt, lauert die hemdsärmlige Aggressivität eines Underdogs ohne Ehrfurcht vor etablierten Rivalen.

NEU DELHI. Brian Tempest verblüfft Besucher mit demonstrativer Bescheidenheit. Der Chef von Indiens größtem Pharmaunternehmen trägt einen weißen Laborkittel, auf dem schlicht „Brian“ steht, und quetscht sich hinter einen Resopaltisch. In der Ecke seines kaum zehn Quadratmeter großen Büros flimmert ein altmodischer Computermonitor, überall stapeln sich Papiere.

Vom Atrium des Ranbaxy-Forschungszentrums aus hat jeder freien Blick auf den Chef: Eine bis zum Boden durchgezogene Glasscheibe gewährt Einblick in jeden Winkel seines Büros. „Die Leute sehen eben gern, dass der Chef so viel Zeit im Labor verbringt“, sagt Tempest. „Die Glaswand fördert die Produktivität der Entwicklungsabteilung.“ Die Forscher arbeiten nicht weniger als ihr Boss. Auch an einem Samstagnachmittag sind die Labors am Rand einer aus der Steppe gestampften Satellitenvorstadt Neu-Delhis voller Forscher. Hier entwickeln 1 100 Wissenschaftler neben Generika auch ganz neue Wirkstoffe. Demnächst wird ein Neubau für hunderte zusätzlicher Chemiker bezugsfertig.

Hinter der Bodenständigkeit, die Tempest so fröhlich zur Schau stellt, lauert die hemdsärmlige Aggressivität eines Underdogs ohne Ehrfurcht vor etablierten Rivalen. Sein rauer Charme und seine bissige, zupackende Art passen zu Ranbaxys ehrgeizigen Plänen: schnell einer der fünf größten Generika-Anbieter werden und dann mit Innovation statt mit Kopien gegen Konzerne wie Pfizer, Merck und Novartis bestehen.

Für beide Stoßrichtungen vertraut Tempest auf Indiens größten Standortvorteil: hoch qualifizierte aber gering bezahlte Forscher, welche die Innovationskosten niedrig halten. „Inder lieben Naturwissenschaften“, schwärmt der Brite. „Es gibt hier ein Überangebot an Chemikern.“ Jährlich gingen 116 000 von den Hochschulen ab – was ihn als Chef von Ranbaxy freut, bereitet ihm als Europäer Sorgen: „Wenn es uns nicht gelingt, Studenten stärker für Naturwissenschaften zu motivieren, werden wir diesen Bereich Indien überlassen.“ Als Menetekel sieht der 58-Jährige die Lancaster University, wo er seinen Doktortitel in Chemie erwarb: Mangels Studenten wurde seine ehemalige Fakultät gerade geschlossen.

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