Brief an Belegschaft
VW-Chef Müller schlägt Alarm

Im Streit um den Zukunftspakt bei VW haben Betriebsrat und Management ihre Verhandlungen ohne Ergebnis vertagt. Jetzt mischt sich auch Konzernchef Müller ein – und kritisiert das öffentliche Bild, das VW derzeit abgibt.
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WolfsburgIm Streit über den Umbau der schwächelnden Marke Volkswagen sind die Fronten zwischen Betriebsrat und Management offenkundig verhärtet. Ein erstes Gespräch über die Umsetzung des „Zukunftspakts“ sei am Morgen ergebnislos vertagt worden, erklärte ein Sprecher des Betriebsrats am Montag. „Im Rahmen des anderthalbstündigen Treffens haben die Betriebsräte deutlich gemacht, dass sie sich klar zu Inhalten und Grundwerten des Zukunftspaktes bekennen. Das erwarten die Betriebsräte auch vom Vorstand“, sagte ein Sprecher des Konzernbetriebsrates.

Die Arbeitnehmervertretung dringt nun darauf, dass sich Konzernchef Matthias Müller stärker in die Verhandlungen einschaltet. „Wir würden es begrüßen, wenn der Konzern die Umsetzung des Zukunftspaktes und die Einhaltung der Vereinbarungen stärker an sich zieht“, sagte ein Sprecher. Am kommendem Montag soll nun erneut verhandelt werden.

Ein VW-Sprecher erklärte, die Gespräche seien vertagt worden, wollte aber zu Details nicht Stellung nehmen. Konzernchef Müller kritisierte in einem Brief an die Mitarbeiter scharf, dass interne Konflikte öffentlich über die Medien ausgetragen würden. So entstehe der „fatale und falsche Eindruck, dass es bei VW nur noch gegeneinander und nicht miteinander geht“, schrieb Müller in dem Brief, der dem Handelsblatt vorlag. „Das Volkswagen, das uns in diesen Tagen in den Medien begegnet, ist nicht das Unternehmen, das ich kenne und das mir am Herzen liegt.“ Müller versprach, der Konzernvorstand und er persönlich wollten alles für eine konstruktive Lösung tun.

Der Betriebsrat hatte VW-Markenchef Herbert Diess vergangene Woche vorgeworfen, den im November beschlossenen Pakt nicht einzuhalten. Mit dem nach monatelangem Ringen vereinbarten Plan soll bis 2020 das Personal an den deutschen Standorten um ein Fünftel oder rund 23.000 Stellen abgebaut werden. Das soll über Altersteilzeit und Rente der Beschäftigten, aber ohne betriebsbedingte Kündigungen erreicht werden. Die Kosten sollen dadurch um 3,7 Milliarden Euro sinken, die zuletzt niedrige operative Rendite auf vier Prozent verdoppelt werden.

Der Streit dreht sich jetzt vor allem darum, wie viele Leiharbeitnehmer bald nicht mehr weiterbeschäftigt werden. Diess wolle möglichst schnell möglichst viele befristete Beschäftigte aus dem Unternehmen drängen, um schon im ersten Quartal Erfolge beim Stellenabbau vorweisen zu können, kritisierte der Betriebsrat. Auch gebe es einen Einstellungsstopp. Diess verteidigte vergangene Woche seinen Sparkurs. Die wirtschaftliche Lage lasse wenig Spielraum. „Die Übernahme von Leiharbeitern in größerem Umfang würde nochmals den Abbau-Druck auf die Stammbelegschaft erhöhen“, warnte er. Nach Handelsblatt-Informationen sollen dennoch etwa 2000 Leiharbeitnehmer eingestellt werden.

Bei der Krisensitzung am Montag sollte ein Kompromiss geschlossen werden. Der frühere BMW-Manager Diess hat den Ruf eines harten Kostendrückers und war schon oft mit Betriebsratschef Bernd Osterloh aneinander geraten. Müller musste bereits im vergangenen Jahr eingreifen, um die Betriebsparteien auf einen Nenner zu bringen.

Der Krach erschüttert Volkswagen mitten in der milliardenteuren Aufarbeitung des Dieselskandals. Auch nach Abschluss der Vergleichsverhandlungen mit US-Behörden und Schadensersatzklägern kommt Europas größter Autokonzern nicht aus den Schlagzeilen. So schied die eigens zur Aufklärung des Skandals angeheuerte Juristin Christine Hohmann-Dennhardt nach nur einem Jahr wieder aus dem Vorstand aus.

Der frühere Firmenpatriarch Ferdinand Piëch soll in Zeugenaussagen erklärt haben, Aufsichtsratsmitglieder wie Osterloh und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil seien schon ein halbes Jahr vor dem Auffliegen der Abgasmanipulation von ihm über die Angelegenheit unterrichtet worden. Die Aufsichtsräte wiesen das zurück, VW prüft rechtliche Schritte gegen Ex-Aufsichtsratschef Piëch.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • .....wo ist die Leidenschaft.....die aufopfernde Ansprache......an alle die es nötig haben......oben in der Führung?.......das Zerreißen für die Marke....und fürs Produkt.....doch endlich Schluß zu machen......mit Anklagen....Verdächtigungen.....Verurteilungen......doch jetzt wieder an die Arbeit zu gehen.....das bisher Aufgebaute nicht zu gefährden......sich an den Marken zu erfeuen.....und weiter machen......es ist doch alles zu verzeihen......auch wenn´s viel Geld kostet.....das Leben geht weiter.....die Menschen....die Werker am Produkt wollen sich doch weiter einbringen und Arbeiten am und fürs Produkt......zum Wohle des Ganzen....und so muß doch bald ein Ende her......es kann doch nicht alles aufs Spiel gesetzt werden.....nur weil die Verwundungen nicht behandelt werden......das darf es nicht......und so sind die Sanitäter aufgerufen die Verwundungen bei den Verantwortlichen zu behandeln.....damit es weiter geht......bei VW.....

  • .....wo ist die Leidenschaft.....die aufopfernde Ansprache......an alle die es nötig haben......oben in der Führung?.......das Zerreißen für die Marke....und fürs Produkt.....doch endlich Schluß zu machen......mit Anklagen....Verdächtigungen.....Verurteilungen......doch jetzt wieder an die Arbeit zu gehen.....das bisher Aufgebaute nicht zu gefährden......sich an den Marken zu erfeuen.....und weiter machen......es ist doch alles zu verzeihen......auch wenn´s viel Geld kostet.....das Leben geht weiter.....die Menschen....die Werker am Produkt wollen sich doch weiter einbringen und Arbeiten am und fürs Produkt......zum Wohle des Ganzen....und so muß doch bald ein Ende her......es kann doch nicht alles aufs Spiel gesetzt werden.....nur weil die Verwundungen nicht behandelt werden......das darf es nicht......und so sind die Sanitäter aufgerufen die Verwundungen bei den Verantwortlichen zu behandeln.....damit es weiter geht......bei VW.....

  • Firmen die Verträge für Führungskräfte machen und nach einem Jahr diese mit 13 Mio. abfinden und dann mit dreckigen Abgasskandalen behaftet sind, sollte man als Verbraucher meiden.

    Man sieht es allerdings bei den Bayern. Funktioniert leider nicht.

    Vielleicht schaft es ja irgendwann mal ein Trump.

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