Brillenkonzern Luxottica und Hausgerätehersteller Merloni holen externe Manager an die Spitze
Italienische Top-Unternehmen brechen mit Familientradition

Zwei große italienische Industrieunternehmen haben gestern ihre Führungsspitze ausgetauscht und dabei unterstrichen, dass sie nicht länger auf eine eine familiäre Führung, sondern auf erfahrene externe Manager setzen.

MAILAND. Beim weltgrößten Brillenhersteller Luxottica (Ray-Ban) sitzt künftig Andrea Guerra auf dem Chefposten, der bisher den Hausgeräte-Hersteller Merloni leitete. Bei Merloni wird im Gegenzug Marco Milani die Führung übernehmen.

Analysten sehen hinter der Verpflichtung Guerras eine logische Folge der Entwicklung Luxotticas zu einem managergetriebenen Unternehmen. Denn für den Konzern bedeutet die Verpflichtung des 38- Jährigen das Ende der Familientradition an der Spitze. Der 69-jährige Mehrheitsaktionär Leonardo Del Vecchio – nach Silvio Berlusconi der zweitreichste Italiener – unterstreicht dies: „Mir erlaubt die Benennung, mich auf das Präsidentenamt zurückzuziehen und die operative Verantwortung auf den neuen Exekutivchef zu übertragen.“

Beobachter bewerten die Verpflichtung von Guerra positiv. „Er hat bei Merloni einen optimalen Job gemacht, und dasselbe könnte er bei Luxottica wiederholen“, sagt Nicolò Pessina von der Banca Leonardo. Paola Carboni vom Wertpapierhandelshaus Euromobiliare sieht in Guerra schlicht „den richtigen Mann am richtigen Ort“.

Der Hausgerätehersteller Merloni, bekannt durch die Marken Ariston und Indesit, stärkt durch die Berufung des 50-jährigen Marco Milani das von der Gründerfamilie unabhängige Management. Milani gehörte bereits dem engsten Führungsteam von Guerra an und hat in den vergangenen Jahren die Integration des russischen Kühlschrankherstellers Stinol und der britischen GDA- Gruppe vorangetrieben. Die Analysten der Citigroup bezeichnen Milani als einen „starken Nachfolger“ und glauben, dass er die von Guerra eingeschlagene Strategie fortsetzen werde.

Gründer und Mehrheitsaktionär Vittorio Merloni hat damit der Versuchung widerstanden, der Familie wieder ein stärkeres Gewicht bei der Leitung des Unternehmens einzuräumen. Er hat vier Kinder, von denen keines im Unternehmen tätig ist. Ein Prinzip, das auf den Beifall der Investoren stößt.

Denn seit Merloni sein Unternehmen außenstehenden Managern anvertraut hat, ist es steil bergauf gegangen. Innerhalb weniger Jahre konnte der einst völlig auf Italien konzentrierte Hersteller von Waschmaschinen und Herden seinen europäischen Marktanteil von unter zehn Prozent auf rund 15 Prozent ausbauen. Die noch Ende der 90er Jahre unerreichbar erscheinenden Marktführer Electrolux aus Schweden und Bosch-Siemens liegen nach den zahlreichen, von Guerra betriebenen Akquisitionen nur noch knapp vorn. Der Umsatz ist seit Ende 1998 im Schnitt um mehr als 25 Prozent gestiegen.

Ein ähnliches stürmisches Wachstum liegt hinter Luxottica. Das Unternehmen hat sich seit dem Kauf von Bausch & Lomb (Marke: Ray- Ban), der amerikanischen Optikerketten Sunglass Hut und Lens Crafters und zuletzt durch die Übernahme des australischen Brillen-Einzelhändlers OPSM und der US- Kette Cole National zum weltweit führenden Unternehmen der Branche entwickelt. Unter Ex-Merloni Mann Guerra könnte dieses Wachstum noch beschleunigt werden.

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