Brilliance Jin-Bei BS 6
Chinesen schicken Limousine vor

Chinesische Produkte überfluten in vielen Bereichen den europäischen Markt: von Textilien bis hin zur Unterhaltungselektronik. Nur bei Autos konnten die Hersteller aus der Volksrepublik noch keinen Fuß fassen. Als erster chinesischer Anbieter drängt nun Brilliance Jin-Bei in größerem Stil nach Europa. Erste Anlaufstation ist Deutschland. Auch das Modell steht schon fest.

HB BONN. Bei der Europapremiere stellte Brilliance Jin-Bei am Dienstag in Bonn das Mittelklassemodell BS 6 vor. Spätestens Anfang Januar soll der Wagen zunächst in Deutschland, den Benelux-Staaten, Österreich, der Schweiz und Polen in die Autohäuser kommen. Bis Ende 2007 will der Neuling aus Fernost etwa 18 000 Käufer finden, wie Verkaufsvorstand Yang Bo ankündigte. Bis 2011 sollen nach Ausweitung des Vertriebs auf andere Länder insgesamt 158 000 BS 6 über Europas Straßen rollen.

Der BS 6 ist eine im Stil europäisch wirkende viertürige Limousine. Geliefert werden nach Angaben von Hans-Ulrich Sachs, dem Geschäftsführer des Generalimporteurs HSO Motors, zunächst zwei Modellvarianten mit Vierzylindermotoren von Mitsubishi mit 2 beziehungsweise 2,4 Liter Hubraum. Die Preise sollen zwischen 19 000 und 23 000 Euro liegen. Ein Dieselmotor, ein Coupé sowie ein Geländewagen sind bereits angekündigt.

Hauptkonkurrenten für den Brilliance BS 6 sind nach den Worten von Sachs vor allem asiatische Hersteller. Der Generalimporteur nannte Hyundai, Kia, Nissan und Mazda, aber auch Chevrolet (ehemals Daewoo).

Ein Problem hat der BS 6 allerdings noch: Beim Euro-Crash-Test erreichte er nur zwei der möglichen fünf Sterne. Die Ingenieure in Shenyang seien bereits an der Arbeit, um bald mindestens drei Sterne zu erreichen, sagte Sachs

Brilliance Jin-Bei baut den Angaben zufolge in drei chinesischen Werken derzeit jährlich rund 200 000 Autos, Minibusse und Kleinlaster. Dazu gehört in einem Joint Venture die Fertigung von BMW 3er und 5er-Fahrzeugen für den chinesischen Markt.

Nicht unterschätzen

Die chinesischen Autobauer werden sich nach Ansicht des Branchenexperten Falk Frey von der Ratingagentur Moody's in Europa anfangs schwer tun. Man sollte die Chinesen aber nicht unterschätzen. „Auch andere haben klein angefangen“, erklärte er und wies auf das Beispiel Hyundai hin. Die Südkoreaner hätten bei ihrem Marktauftritt in Europa vor ein paar Jahren zunächst vor allem den japanischen Konkurrenten zu schaffen gemacht. So werde es auch bei den Neulingen aus China kommen. Da Hyundai inzwischen im Preissegment etwas aufgerückt sei, „wird da unten wieder Platz frei“, sagte der Analyst. „Das sind Billigautos, auch in der Mittelklasse und bei den sportlichen Geländewagen“, sagteFrey.

Dass man die Chinesen nicht unterschätzen sollte, zeigt auch die Statistik der Autoproduktion. Im ersten Halbjahr liefen in Chine 3,6 Mill. Autos vom Band. In Deutschland waren es „nur“ 3 Millionen. Damit hat das Reich der Mitte der Bundesrepublik den dritten Platz in der Automobilproduktion abgelaufen. Auf Platz eins liegen laut des Welt-Branchenverbandes OICA die USA mit 6,1 Millionen produzierten Fahrzeugen, gefolgt von Japan mit 5,7 Millionen.

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