Brisantes Öl-Joint-Venture
Oligarchen zwingen BP in die Knie

Unter dem massiven Druck seiner russischen Geschäftspartner hat der Ölkonzern BP die operative Kontrolle über den drittgrößten Ölförderer Russlands abgegeben. Beim politisch brisanten Öl-Joint-Venture TNK-BP muss der britische Chef gehen und die russischen Aktionäre bekommen mehr Einfluss. Immerhin: BP darf seine Anteile behalten.

LONDON/MOSKAU. Der von BP entsandte Vorstandschef Robert Dudley wird spätestens zum Jahresende sein Amt beim Joint Venture TNK-BP niederlegen. Außerdem werden die vier Oligarchen, die zusammen 50 Prozent der Anteile des Unternehmens halten, mehr Einfluss auf die Firmenstrategie bekommen. Mit diesem Zugeständnis nach einem monatelangen, erbitterten Konflikt haben die Briten immerhin erreicht, dass sie ihren Anteil von 50 Prozent an dem Unternehmen behalten können, das 2007 mit 65 000 Beschäftigten 39 Mrd. Dollar Umsatz und fünf Mrd. Dollar Gewinn erwirtschaftet hat.

Damit ist BP nun zumindest vorerst dem Schicksal anderer westlicher Ölkonzerne entgangen, die in ihren russischen Gemeinschaftsunternehmen in Minderheitspositionen abgedrängt wurden. Konkurrent Shell etwa musste sich in dem lukrativen Gasprojekt auf der Halbinsel Sachalin nach Interventionen von Regierungsbehörden mit einer Juniorrolle abfinden.

Die russischen Anteilseigner, die Milliardäre Michail Fridman, German Chan, Wiktor Wekselberg und Len Blawatnik, hatten in den vergangenen Monaten alles darangesetzt, den westlichen Partner zu entmachten.

Der Fall TNK-BP war vor allem bei westlichen Investoren misstrauisch verfolgt worden, um daraus Rückschlüsse über die Sicherheit von Investitionen in Russland zu ziehen. Inzwischen ist klar, dass sich die russische Regierung zwar weitgehend aus dem Fall heraushielt, aber verschiedene Behörden doch kräftig dabei mitwirkten, BP die Führung des Unternehmens so schwer wie möglich zu machen.

Die Oligarchen forderten vor allem zwei Dinge: den Rücktritt Dudleys und mehr Einfluss auf die Strategie des Unternehmens. Beides werden sie durch die gestrige Vereinbarung erreichen. Sie sieht vor, dass Dudley, der im Juli aus Angst um seine Sicherheit aus Russland floh, vor Jahresende abtritt. Ob sich BP im Gegenzug mit der Forderung durchsetzen kann, dass sich Wekselberg und Chan aus dem Tagesgeschäft zurückziehen, ist dagegen noch unklar. Aus Verhandlungskreisen erfuhr das Handelsblatt, zumindest Wekselberg spiele immerhin mit dem Gedanken, seine Funktion im Management niederzulegen.

Zwar darf BP auch den neuen CEO mitvorschlagen, doch der muss Russisch sprechen, lange Erfahrung im russischen Business und die Zustimmung der Partner haben. In Industriekreisen geht man davon aus, dass der neue Chef "ein Russe mit dem Segen des Kremls" sein wird. Er werde dann den radikal verkleinerten Vorstand neu besetzen. Ob er das im Sinne von BP machen werde, sei fraglich. Drei neue, unabhängige Direktoren werden künftig im Verwaltungsrat einen Puffer zwischen je vier Vertretern von BP und den Oligarchen bilden.

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