Brisantes Vorhaben
Großmann baut RWE um

Jürgen Großmann verfolgt einen kühnen Plan: Um den Einfluss seiner kommunalen Aktionäre zu schmälern, will der RWE-Chef den Traditionskonzern umbauen: in eine europäische Gesellschaft, eine Societas Europaea (SE), die dann als Holding fungiert - und eine darunter hängende "Deutschland AG", in der die Geschäftsaktivitäten im Heimatmarkt gebündelt sind. Deren künftiger Chef ist schon gefunden.
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DÜSSELDORF. Städte wie Dortmund, Essen oder Mülheim halten rund ein Viertel der Anteile an RWE und blockieren immer wieder wichtige Entscheidungen. Für ausländische Investoren ist das Unternehmen deshalb wenig attraktiv. All das will Jürgen Großmann durch die Restrukturierung ändern. Sein Plan sieht vor, dass die Kommunen irgendwann nur noch an der deutschen Tochtergesellschaft beteiligt sein werden. Das Vorhaben ist brisant, die Kommunen sträuben sich noch.

Doch davon lässt sich Großmann nicht abhalten. Den ersten Schritt will er nach Informationen des Handelsblatts bereits in drei Wochen machen. Die Aufsichtsräte sollen auf einer zweitägigen Sitzung am 22. und 23. September in Budapest eine Verschlankung der Holding und die Bündelung der deutschen Vertriebs- und Netzaktivitäten in der "Deutschland AG" beschließen, heißt es in Konzernkreisen.

Das soll zunächst die Kosten senken. Später aber, so Großmanns Idee, sollen die kommunalen Aktionäre ihren über die Jahre durch Verkäufe auf 25 Prozent abgeschmolzenen Anteil an der Holding in eine fast 50-prozentige Beteiligung an der Deutschland AG tauschen.

Beide Parteien hätten Vorteile. Die Kommunen dürften das Geschäft auf dem Heimatmarkt faktisch als Mehrheitsaktionär kontrollieren. Die RWE-Spitze wiederum wäre freier, könnte beispielsweise Kapitalerhöhungen leichter durchsetzen. "Das wird aber frühestens 2011 etwas ", sagt ein Aufsichtsrat.

Die Pläne für die Deutschland AG liegen unterdessen vor. Als Hülle dient die RWE Rheinland Westfalen Netz AG. Diese ist derzeit für die regionalen Strom-, Gas- und Wassernetze des Konzerns zuständig, zudem hält sie die Beteiligungen von RWE an Stadtwerken und Regionalversorgern in Deutschland.

Diesem Unternehmen soll jetzt auch die Tochter RWE Vertrieb angegliedert werden, die das Geschäft in den Stammmärkten an Rhein und Ruhr verantwortet, sowie die RWE Effizienz GmbH, die sich um Energiedienstleistungen und Zukunftsthemen wie Elektromobilität kümmert. Für den einflussreichen Posten des Deutschland-Chefs ist der bisherige Chef der RWE Rheinland Westfalen Netz AG, Arndt Neuhaus, vorgesehen. Die neue Deutschland AG soll zahlreiche Beschäftigte aus der Essener Konzernzentrale übernehmen. Großmann will deren Belegschaft von gut 800 Mitarbeitern etwa halbieren. Die Holding-Zentrale soll sich auf strategische Fragen konzentrieren. Ein Konzernsprecher wollte die Informationen nicht bestätigen.

Großmann reagiert mit dem Umbau auf den härter werdenden Wettbewerb und schwieriger werdende politische Rahmenbedingungen. Auf den Energiekonzern kommen milliardenschwere Belastungen durch die von der Bundesregierung geplante Brennelementesteuer sowie den Emissionshandel zu.

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  • Nach den verlogenen Merkwürdigkeiten nun auch aus Kanzleramt und Regierung ist es Großmanns Pflicht gegenüber dem Unternehmen, dessen Überleben und Profitabilität langfristig sichzustellen. Was dazu erforderlich ist, liegt auf der Hand. Wenn dann eines nicht fernen Tages Unternehmen, Mitarbeiter und Ressourcen ausgelagert sein werden, kann ihnen die deutsche Politik am Allerwertesten vorbeigehen. bei diesen Überlegungen sind die Energieunternehmen ist bester Gesellschaft. in Deutschland laufen die Strategien fast überall in diese Richtung - Gottseidank.

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