Britisch-russischer Konzern
TNK-BP sucht nach neuer Struktur

Der britisch-russische Ölkonzern TNK-BP stellt die Weichen für eine große Personalrochade: Mit dem Rückzug des langjährigen CEO Robert Dudley übernimmt die russische Seite des Konzerns de facto die Kontrolle. Im kommenden Februar wird der neue CEO seinen Job antreten - größte Chancen auf den Posten hat der ehemalige Norilsk Nickel-Chef Denis Morosow.

MOSKAU. Heute wird der langjährige CEO Robert Dudley offiziell seinen Posten räumen und vorübergehend an den COO Timothy Summers übergeben. Voraussichtlich am 11. Dezember wird dann das oberste Aufsichtsgremium des Konzerns, an dem das russische Konsortium AAR und der britische Ölmulti BP jeweils die Hälfte halten, über die Neubesetzung des Top-Postens beraten. Favorit ist nach Angaben aus Unternehmenskreisen der ehemalige Chef des russischen Bergbaukonzerns Norilsk Nickel, Denis Morosow.

TNK-BP war über Monate Gegenstand eines erbitterten Streits um Strategie und Machtverhältnisse zwischen BP und den russischen Aktionären, den Oligarchen Michail Fridman, German Chan, Wiktor Wekselberg und Leonid Blawatnik. Im September einigten sich die Parteien schließlich auf einen Kompromiss, der unter anderem eine Neuverteilung der Kontrolle beim drittgrößten Ölförderer des Landes vorsieht. Teil des Pakets ist auch der Rücktritt Dudleys, den AAR vorher gefordert hatte. Der CEO hatte bereits im Juli Russland nach erheblichem Druck auf seine Person verlassen und lebt derzeit an einem unbekannten Ort.

Die Auseinandersetzung, bei der TNK-BP wiederholt im Fokus der Ermittlungen russischer Behörden stand, hatte zu einer erheblichen Verunsicherung unter ausländischen Investoren gesorgt. Neben Dudley und 148 internationalen technischen Spezialisten haben inzwischen viele der 25 ausländischen Topmanager den Konzern verlassen. Derzeit halten noch zehn von ihnen ihre Stellung.

"De facto hat die russische Seite die Kontrolle übernommen", heißt es in Konzernkreisen. Nach wie vor sitzen Wekselberg und Chan in einflussreichen Vorstands-Positionen. Vor allem Chan, der bereits vor dem Zusammenschluss mit BP die Führung bei TNK inne hatte, habe als Executive Director frei gewordene Positionen mit russischen Getreuen besetzt, heißt es, und zudem strukturelle Veränderungen vorgenommen. Ein Sprecher des Konzerns lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Wenn der neue CEO, den BP vorschlagen darf, dann voraussichtlich im kommenden Februar seinen Job antritt und das Vorstandskollegium neu besetzt, hätten die russischen Anteilseigner im Prinzip schon Fakten geschaffen. Das fünfköpfige Gremium wird zwar um einen Posten erweitert, über den BP ebenfalls verfügen kann, so dass die russische wie die britische Seite jeweils drei Vorstände stellen. Doch: "Die Position des unabhängigen CEO wird nur Staffage", so die Befürchtung im Konzern.

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