Britische Behörde
Nein zu Multiple Sklerose-Pille von Novartis

In vielen Ländern ist die Novartis-MS-Pille bereits zugelassen. Die britische Behörde NICE sieht allerdings nicht genügend Nachweise für eine sichere Verwendung. Novartis will jetzt mit der Behörde zusammenarbeiten.
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LondonDer Schweizer Pharmakonzern Novartis hat mit seinem Medikament Gilenya gegen Multiple Sklerose in Großbritannien einen Rückschlag erlitten. Die britische Behörde NICE sprach sich am Freitag gegen die Verwendung der ersten Tablette zur Behandlung der unheilbaren Nervenkrankheit im staatlichen Gesundheitssystem des Landes aus. Nach Angaben des Instituts, das die Kosteneffizienz von Medikamenten abwägt, reichen die bisherigen Nachweise nicht für eine Verschreibungsempfehlung aus. Die Behörde bemängelte, dass der Basler Konzern nur Vergleichsdaten mit Placebo und nicht auch mit anderen verfügbaren MS-Therapien eingereicht hat.

Novartis kündigte an, mit NICE zusammenarbeiten, um britischen MS-Patienten den Zugang zu Gilenya zu ermöglich. Die Organisation MS Trust Charity zeigte sich enttäuscht von der NICE-Entscheidung: Sie schließe bis 5500 Patienten vom Zugang zu einer wertvollen Behandlungsalternative aus. Gilenya wurde im März in Europa zugelassen und bedeutet für MS-Patienten eine Erleichterung, weil bisher verfügbare Medikamente wie Tysabri des
US-Biotechnologiekonzerns Biogen mittels Spritze verabreicht werden müssen. Novartis hatte sich mit dem deutschen Merck-Konzern lange ein Rennen um die erste MS-Pille geliefert. Dessen Mittel Cladribin schaffte es schlussendlich aber nicht auf den Markt.

In den USA, dem wichtigsten Pharmamarkt der Welt, ist Gilenya bereits seit vergangenem Jahr erhältlich. Novartis erhofft sich von dem Medikament Milliardenumsätze. Es soll helfen, den in den nächsten Jahren drohenden Umsatzausfall aufzufangen. Wie bei vielen großen Pharmakonzernen verlieren auch bei dem Basler Konzern in absehbarer Zeit wichtige Medikamente den Patentschutz, womit sie der Konkurrenz durch billigere Generika ausgesetzt sein werden. Analysten trauen dem Medikament im Jahr 2015 einen Umsatz von 2,2 Milliarden Dollar zu. Im zweiten Quartal waren es 79 Millionen Dollar. Die Novartis-Aktien fielen in einem schwachen Börsenumfeld um 2,9 Prozent auf 43,20 Franken - im gleich Ausmaß wie die europäischen Gesundheitswerte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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