Britische Bestellung in Milliardenhöhe gilt als Schlüssel für den Weltmarkt - Vorentscheidung noch in diesem Jahr
EADS kämpft um Tankflugzeug-Auftrag

Großbritannien will noch in diesem Jahr eine Vorentscheidung treffen, wie die veraltete Flotte von Tankflugzeugen der Royal Air Force ersetzt werden soll. Es geht um rund 18 Mrd. Euro – und um die Frage, ob Airbus sich den lukrativen Markt für militärische Tankflugzeuge erschließen kann oder ob dieser für die nächsten Jahrzehnte fest in der Hand des Konkurrenten Boeing bleibt.

DÜSSELDORF. „Für uns ist der Auftrag von großer Bedeutung“, sagte Rainer Hertrich, Co-Chef der Airbus-Mutter EADS, dem Handelsblatt. Der Luft- und Raumfahrtkonzern will seinen Umsatz im Verteidigungsgeschäft von 20 % auf 30 % erhöhen.

Großbritannien gilt dabei als Schlüsselmarkt. Bis zu 20 Maschinen wollen die Briten einsetzen, der Auftrag hat eine Laufzeit von mehr als 25 Jahren. Die beiden Bewerberkonsortien Air Tanker (EADS, Rolls- Royce, Thales) und Tanker & Transportation Service Company (Boeing, BAE Systems) haben ihre Angebote bereits abgegeben.

„Jetzt beginnen die entscheidenden Gespräche hinter verschlossenen Türen“, sagt Rab Rattray, Analyst bei Frost & Sullivan. Ein Zuschlag für EADS gilt keineswegs als sicher: Das Angebot sei teurer als das von Boeing, heißt es in informierten Kreisen. Während die Amerikaner gebrauchte Jets von Typ 767 an den Mann bringen wollen, besteht das Angebot von EADS mit dem Airbus A 330-200 zum Teil aus brandneuen Maschinen.

Schon einmal hatte EADS bei Tankflugzeugen den Kürzeren ziehen müssen. Im Mai hatte das US- Verteidigungsministerium nach einer umstrittenen Entscheidung einen Auftrag über 16 Mrd. Euro an Boeing vergeben. Die geschlagenen Europäer mussten es als Erfolg werten, dem Pentagon überhaupt ein Angebot abgeben zu dürfen.

In Großbritannien beschreiten die Rüstungskonzerne neue Wege: Die Royal Airforce kauft nicht die Flugzeuge, sondern beauftragt eine Betreibergesellschaft des Gewinner-Konsortiums, die die Flieger zur Verfügung stellt. Abgerechnet wird nach den geleisteten Flugstunden. Die Jets operieren zwar mit Airforce-Personal, für die gesamte Wartung ist aber die Betreibergesellschaft zuständig. Eine Mindestanzahl von Flugstunden im Jahr wird garantiert.

„Wenn wir gewinnen, haben wir das letzte Boeing-Monopol gebrochen“, sagt Air Tanker Chef Robin Southwell. EADS-Chef Hertrich hofft dann auf weitere Märkte: „Zunächst steht da vor allem die Nato.“ Auf dem Prager Gipfel des Bündnisses habe man festgestellt, dass dringend Tank-Kapazitäten in der Luft aufgebaut werden müssten.

Die EADS-Manager haben zudem Frankreich und Australien als potenzielle Abnehmer ausgemacht. Air-Tanker-Chef Southwell sieht weltweit einen Bedarf von rund 500 Flugzeugen und rechnet sich in den USA Chancen aus. „Wer jetzt zum Zuge kommt, kann sich auch Hoffnungen auf weitere Aufträge aus den USA machen“, bestätigt Analyst Ratray. Die US-Aufträge seien gut 100 Mrd. Euro wert.

Im Auftrags-Poker kommt es auch auf die politischen Karten an. Boeing und BAE setzen auf die enge Bindung zwischen den Regierungen in London und Washington und auf die von Premierminister Tony Blair unterstützte enge Kooperation beider Unternehmen. Air Tanker zielt dagegen auf einen anderen empfindlichen Nerv: Europa soll auch europäisch kaufen. In Branchenkreisen wird bereits darüber spekuliert, auch andere Länder wie Deutschland und Frankreich in das Angebot einzubeziehen und damit die Kosten zu senken.

Doch das deutsche Verteidigungsministerium will davon nichts wissen. Zurzeit werden vier Airbus A 310 mit Falttanks ausgerüstet. Während eine Flugstunde im A 310 rund 11 000 Euro koste, müsse man bei der britischen Variante mit gut 40 000 Euro rechen, heißt es im Verteidigungsministerium.

„Uns würde es trotzdem sehr wundern, wenn Airbus nicht zum Zuge kommt“, sagt Analyst Rattray. Der Regierung Blair geht es ums Image, und das lässt sich mit dem Erhalt von Jobs aufpolieren. Geht der Auftrag an Airbus/EADS sind gut 6 000 Arbeitsplätze gesichert. Dass Blair zurzeit weniger auf Kosten und dafür mehr auf Standortpolitik achtet, hat er erst kürzlich mit der Beschaffung von Hawk-Training- Jets aus dem Hause BAE bewiesen.

Mitarbeit: A. Rinke, M. Buchenau

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