Britische BOC wartet auf förmliches Angebot: Hedge-Fonds setzen auf Linde-Erfolg

Britische BOC wartet auf förmliches Angebot
Hedge-Fonds setzen auf Linde-Erfolg

Im Übernahmekampf um den britischen Industriegasehersteller BOC muss Linde Farbe bekennen. BOC-Chef Tony Isaac gab gestern im Gespräch mit dem Handelsblatt zu verstehen, dass er ein formelles Angebot der Deutschen abwarten will. Zugleich hielt er sich alle Optionen offen.

Auf die Frage, ob eine Fusion unter Gleichen eine Alternative sein könne, sagte Isaac: „Wir schließen nichts aus.“ Linde wollte sich nicht zum weiteren Vorgehen äußern. Indessen kaufen sich offenbar in größerem Umfang Hedge-Fonds bei BOC ein.

Isaac sagte in dem Interview, dass BOC in den vergangenen Jahren kräftig an der Konsolidierung der Industriegas-Branche teilgenommen habe. „Wir waren aktiver als jedes andere Unternehmen in der Branche“, sagte er und verwies auf die Fusion des japanischen Geschäfts mit dem Weltmarktführer Air Liquide, Zukäufe in Kanada und Polen sowie Gemeinschaftsunternehmen mit Linde. Isaac hatte bereits auf der Hauptversammlung am Freitag betont, dass der Vorstand alle Vorschläge prüfen werde, die für Aktionäre wertsteigernd seien.

Für die kommenden Jahre habe das Unternehmen „sehr gute Wachstumschancen bei deutlich verbesserten Marktbedingungen.“ All dies habe Linde in seinem Übernahmeangebot nicht genügend gewürdigt. „Wir haben den Vorschlag zurückgewiesen, weil er BOC absolut unterbewertet.“ Außerdem sei er „sehr unglücklich über die finanziellen und kartellrechtlichen Risiken“.

Bei der BOC-Hauptversammlung habe sich gezeigt, dass die Kleinaktionäre hinter dem Management stünden. In der Tat hatten die meisten am Freitag gegen eine Übernahme durch Linde argumentiert. „Insgesamt haben wir von unseren Anlegern das Feedback erhalten, dass sie mit der Haltung des Vorstands einverstanden sind“, sagte Isaac.

Der Aktionärskreis von BOC hat sich in den vergangenen Tagen deutlich verändert. Finanzkreisen zufolge besteht er inzwischen zu mehr als einem Viertel aus Hedge-Fonds. „Wir sehen im Moment viel Bewegung unter den Aktionären“, sagte Isaac. Analysten sehen darin ein Anzeichen, dass Anleger ein höheres Angebot von Linde erwarten. „Die Fonds sammeln Aktien ein“, kommentierte Richard Schramm von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Dies erleichtere die Verhandlungsposition von Linde, da diese Fonds bei einem höheren Preis auch wieder abgabebereit seien.

Inzwischen gilt der Threadneedle-Fonds mit einem Anteil von über sechs Prozent nach Bloomberg-Daten als größter Aktionär von BOC. Threadneedle wollte dies nicht bestätigen. Danach folgen die Banken Morgan Stanley und Barclays mit jeweils über fünf Prozent. Nach Angaben aus Finanzkreisen haben sich zahlreiche Fonds zu niedrigen Kursen bei BOC eingekauft und spekulieren über Terminkontrakte auf hohe Gewinne beim Wiederverkauf. Auch Linde hat einen neuen Großaktionär: Der US-Fonds Fidelity hat sich mit fünf Prozent beteiligt, bestätigte ein Linde-Sprecher.

Analyst Schramm von HSBC erwartet keinen langen Übernahmekampf. „Linde muss nicht viel drauflegen, um BOC zu bekommen“, sagte er. Er erwartet, dass es bei einer Barofferte bleiben wird, da ein Aktientausch weniger attraktiv für die Aktionäre sei. Finanzkreise meinen, Linde schnüre ein Paket, um mit BOC ins Gespräch zu kommen.

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