Britischer Luftfahrt- und Rüstungskonzern verhandelt bereits mit amerikanischen Firmen
BAE Systems will mit einem US-Partner an die Weltspitze

Der größte europäische Rüstungskonzern, die britische BAE Systems plc, peilt eine Mega-Fusion mit einem der US-Giganten an. Nachdem die Probleme am heimischen Markt ausgeräumt seien und sich das US-Geschäft von BAE Systems in den vergangenen Monaten erneut sehr stark entwickelt habe, sei der Konzern nun fit genug für die weltweite Spitze, sagte der Vorstandsvorsitzende Mike Turner gestern bei der Vorlage der Halbjahresbilanz.

LONDON. „Das ist es, was wir erreichen wollen.“ Der Manager bestätigte, dass bereits entsprechende Verhandlungen mit US-Rivalen laufen. In Frage kommen die beiden Marktführer Lockheed Martin und Boeing, aber auch kleinere Firmen wie Raytheon oder General Dynamics. Die Briten sind bereits gut aufgestellt in Nordamerika: Seit einem Jahr hat das US-Geschäft den britischen Absatz überflügelt. In den kommenden Jahren will der Konzern in den USA jeweils um 10 % wachsen. „Egal, ob organisch oder durch Übernahmen“, sagte Turner.

Der 1999 aus dem Zusammenschluss von British Aerospace und Marconi Electronic Systems entstandene Rüstungs- und Luftfahrtriese hat als einziger europäischer Hersteller nennenswerte Anteile auf dem US-Markt. In Deutschland gehört die norddeutsche Atlas Elektronik GmbH mit rund 1 500 Beschäftigten zu dem Konzern, der auch mit 20 % an dem zivilen Flugzeugbau-Konsortium Airbus beteiligt ist.

BAE Systems komme bei seinem Expansionsdrang die politische Entfremdung zwischen Europa und Amerika zugute, meint ein Analyst in London. Anders als Frankreich oder Deutschland würde sich Großbritannien von dem Gedanken der nationalen Verteidigungssysteme verabschieden. Die Briten haben dabei den klaren Shareholder-Blick: Die BAE-Anteile seien ohnehin zunehmend in ausländischer Hand, so Turner. Bei einer transatlantischen Ehe blieben die britischen Interessen darum gewahrt, wenn dies im Sinne der Aktionäre und der heimischen Arbeitsplätze geschehe. BAE Systems hat 93 000 Mitarbeiter weltweit, davon sind gut die Hälfte in Großbritannien beschäftigt.

Nach den Worten von Turner hat der Irak-Krieg das Geschäft im ersten Halbjahr beflügelt: „Dort wurde sehr umfangreich BAE-Equipment eingesetzt.“ Vergangene Woche konnte BAE Systems zudem einen der größten Exportaufträge verkünden: Die indische Luftwaffe will 66 Hawk-Kampfflugzeuge im Wert von 2,4 Mrd. Euro kaufen. Auch die britische Regierung plant in den kommenden Monaten eine Bestellung von mindestens 20 dieser Flugzeuge.

Dies hatte die Aktie von BAE Systems bereits beflügelt. Die Deutsche Bank erhöhte ihr Kursziel in zwei Wochen gleich zweimal auf nun 200 Pence. Gestern gab der Wert jedoch leicht auf 173 Pence nach.

Grund sei, dass das Ergebnis der ersten sechs Monate im Rahmen der Erwartungen gelegen habe, so Analysten. Zudem sorgten Berichte über eine angebliche Untersuchung einer Schmiergeldaffäre im Zusammenhang mit saudischen Rüstungsaufträgen für Unruhe. BAE-Chef Turner wies Fragen dazu rigoros ab: „Alles was wir machen, ist legal.“

Im 1. Halbjahr erreichten die Verkäufe mit 5,7 Mrd. £ (gut 8 Mrd. Euro) das Niveau des Vorjahres, der Vorsteuergewinn stieg von 41 auf 56 Mill. £. Der Konzern habe sich sehr solide entwickelt, so Turner, vor allem Airbus habe die Luftfahrtkrise gut gemeistert. Das Ziel von 300 Auslieferungen bei Airbus werde erreicht. Auch der neue Airbus A 300 M habe mit nun 180 Bestellungen „weltweites Marktpotenzial“.

Neue Aufträge mit dem Londoner Verteidigungsministerium seien künftig risikofreier gestaltet, sagte Turner. Im Jahr 2001 war der Konzern bei heimischen Großaufträgen in Schwierigkeiten geraten, da die Verträge Fixpreise vorsahen, die Kosten später aber explodierten. Im Januar hatte London BAE Systems als führenden Hersteller für zwei neue Flugzeugträger ausgewählt. Die dafür geschlossene industrielle Allianz mit der französischen Thales-Gruppe mache Fortschritte, hieß es gestern.

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