Broad-Air-Chef: Zhang Yue, der Öko-König von Changsha

Broad-Air-Chef
Zhang Yue, der Öko-König von Changsha

Zhang Yue ist nicht nur einer der schillerndsten Unternehmer aus der Volksrepublik. Der aus Changsha stammende Manager verkörpert mit seinem Lebensstil auch ein neues Gesicht Chinas: das der Querdenker, Unabhängigen und Selbstständigen.

and CHANGSHA. Für Zhang Yue führen täglich viele Wege zur Arbeit. An diesem Morgen hat er seine Lieblingsroute genommen – den Luftweg. Knatternd schwebt der Gründer und Chef von Broad Air im Hubschrauber B-7748 auf das Firmengelände. Natürlich sitzt der Chef selbst am Steuerknüppel. Schließlich war er der erste Manager Chinas mit Pilotenschein.

Der 46-Jährige liebt ungewöhnliche Auftritte. An der Einfahrt zum Broad-Air-Campus im südchinesischen Changsha überrascht eine 38 Meter hohe Pyramide. Kurz darauf taucht auf einer sanften Anhöhe das Schloss von Versailles auf. Über dem verspielten Barock-Nachbau flattert schon mal die rote Fahne Chinas. Kleiner Gruß des Exzentrikers.

Noch sind in der Volksrepublik Privatunternehmen wie Broad Air die Ausnahme. Doch immer mehr Chinesen gründen eigene Firmen. Längst sind sie für Chinas Wirtschaft zur wichtigen Stütze geworden.

Das war 1988 noch nicht so. Damals startete Zhang Yue mit seinem jüngeren Bruder Jian die Firma Broad Air (chinesische Name: „Yuanda“). Sie produzierten zunächst Heizkessel, die besser waren als die Boiler aus den Staatsfabriken. Das Geschäft lief gut, die Brüder konnten bald ihre Patente verkaufen. Mit dem Geld stieg Broad Air 1992 in den Klimaanlagenmarkt ein.

Inzwischen gehört Zhang Yue zu den reichsten Chinesen. Das Magazin „Forbes“ taxierte sein Vermögen Anfang 2007 auf 304 Mill. Dollar. Außer dem Helikopter hat der Broad-Air-Chef noch zwei Firmenjets, vor seinem Bürogebäude parkt ein schnittiger Ferrari. Über seine flotten Hobbies will der schmächtige Manager jedoch nicht sprechen. Er beantwortet Fragen ohnehin nicht gern. Er diktiert lieber. Dabei marschiert er im Eiltempo durch die Produktionshallen, gefolgt von einem Schwarm Mitarbeitern. Wie ein König mit seinem Hofstaat.

Im Laufschritt gibt er Interviews, verteilt gleichzeitig an seine Mitarbeiter Ratschläge, Befehle und Kritik. Da kann es passieren, dass er mitten im Satz eine Beschäftigte anrüffelt: „Was ist denn bloß mit dem Teppich hier los?“ Und weiter geht es. Ein rastloses Energiebündel. Zhang kommt aus einer Künstlerfamilie, seine Mutter malt vor allem Landschaften in Aquarell. Er selbst hat an der Uni in Chenzou Kunst studiert, dort später unterrichtet. „Mein Interesse liegt in den Sozialwissenschaften und in der Literatur“, bekennt der Klimaanlagen-Bauer mit Vorliebe für französische Dichter.

Am liebsten philosophiert er aber über seine Visionen. „Was wir hier machen, ist gut für die Menschheit“, sagt Zhang in seinem mit Rokoko-Möbeln eingerichteten Büro. Mit der Technologie von Broad Air könne der Energieverbrauch bis 2015 weltweit um 15 Prozent gesenkt werden. Und schon eilt Chinas Öko-Prediger hinaus zu seinem Helikopter. Ein kurzer Wink – und Zhang Yue hebt ab.

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