Bruch zwischen Porsche-Eigentümerfamilien
Piech lässt Porsche durchfallen

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech hat es auf der Sitzung des Kontrollgremiums am Freitag zum offenen Bruch mit den Vertretern von Porsche kommen lassen. Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen machte der Porsche-Eigentümer mit einer überraschenden Stimmenthaltung den Weg frei für die Annahme des Antrags der Arbeitnehmer, Kooperationen zwischen Audi und Porsche künftig im VW-Aufsichtsrat genehmigen zu lassen.

FRANKFURT. Piech, der bei der Sitzung selbst nicht anwesend war, hatte durch eine so genannte Stimmbotschaft überraschend seine Stimmenthaltung übermittelt und damit den Weg frei gemacht, dass der Antrag gegen die Stimmen der Porsche-Vertreter Wolfgang Porsche, Wendelin Wiedeking und Holger Härter sowie aller übrigen Kapitalvertreter angenommen wurde. Damit ist es zwischen den Porsche-Eigentümerfamilien zum Eklat gekommen. "Ich bin entsetzt über das Abstimmungsverhalten des VW-Aufsichtsratsvorsitzenden", sagte Wolfgang Porsche nach der Sitzung des Gremiums in Wolfsburg.

Der Bruch zwischen den Porsche-Eigentümerfamilien liegt damit nun offen zu Tage. Bereits in den vergangenen Wochen hatte Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche mit wachsender Verärgerung verfolgt, wie aus Wolfsburg das Sperrfeuer gegen die Stuttgarter zugenommen hatte. "Piech treibt die Konfrontation nun auf die Spitze", hieß es nach der Sitzung in Stuttgart. Schon vor wenigen Wochen sah sich Porsche genötigt, sich schützend vor Wiedeking zu stellen. "Die Familien Porsche und Piech stehen voll und ganz hinter Dr. Wiedeking", ließ der 65-Jährige wissen, nachdem jüngst kolportiert wurde, Piech betreibe die Ablösung des Porsche-Chefs. Doch der Treueschwur entsprach offensichtlich vor allem Wunschdenken. Piech distanzierte sich von den Berichten auch in den folgenden Tagen nicht - und dieses Schweigen war durchaus beredt.

Doch jetzt ist der Österreicher aus Deckung gekommen. Mit dem Schulterschluss mit den Arbeitnehmern sucht Piech im Aufsichtsrat offensichtlich offen die Konfrontation mit seinem Cousin Wolfgang Porsche und dem Management des Sportwagenbauers. "Wir diskutieren hinter verschlossenem Vorhang vieles, aber letztlich sind wir uns einig, wenn es um wichtige Dinge geht", hatte Piech noch im April dem Magazin Stern in einem gemeinsamen Interview mit Wolfgang Porsche über den vermeintlichen Zwist gesagt. Und sein Cousin hatte ergänzt: "Nur wenn man an einem Strang zieht, und zwar am gleichen Ende, ist man stark." Doch diese Einigkeit ist seit Freitag endgültig zerbrochen.

Piech wird nachgesagt, er wolle Wiedeking ablösen lassen, weil der ihm zu mächtig geworden sei. In Wolfsburger Unternehmenskreisen heißt es, aus Sicht von Piech, der früher Vorstandschef von Volkswagen war, habe Wiedeking seit dem Einstieg Porsches bei VW durch sein Auftreten im Mitbestimmungsstreit mit dem Betriebsrat aus befreundeten Unternehmen fast schon Feinde gemacht. Wiedeking hatte von "heiligen Kühen" gesprochen, die bei VW abgeschafft gehörten, und damit die seit Monaten andauernden Querelen ausgelöst. In Wolfsburg herrsche seitdem großes Misstrauen gegen Porsche, heißt es aus Unternehmenskreisen.

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