Brückenfinanzierung
Magna muss vorerst nicht zahlen

Der neue Opel-Investor Magna muss überraschend doch nicht für den Überbrückungskredit an Opel in finanzielle Vorlage treten. Der Staat übernimmt nun die Brückenfinanzierung des Rüsselsheimer Autobauers komplett. Für den Fall, dass es nicht zu einem erfolgreichen Vertragsabschluss zwischen GM und Magna kommt, stehen Fiat und BIAC nach wie vor bereit.

FRANKFURT/BERLIN. Opel hat am Dienstag, anders als ursprünglich geplant, auch die erste Tranche über 300 Mio. Euro aus dem staatlichen Überbrückungskredit erhalten. Damit entlastet der Staat den austro-kanadischen Autozulieferer und übernimmt das finanzielle Risiko der Überbrückungsfinanzierung komplett. Die Regierung vollzieht damit einen abrupten Kurswechsel: Vor wenigen Tagen hatte sie einen Beitrag des Investors zur Bedingung für einen Zuschlag gemacht.

Das Magna-Management wird am Mittwoch erstmals der Belegschaft seinen Zukunftsplan für das Unternehmen offenlegen. Magna-Co-Chef Siegfried Wolf werde zusammen mit dem Europachef des Opel-Mutterkonzerns Carl-Peter Forster sowie Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz über die aktuelle Lage, die nächsten Schritte sowie die Perspektiven des neuen Unternehmens berichten, hieß es in Unternehmenskreisen. Opel-Betriebsratschef Franz stimmte die Belegschaft vor dem Magna-Antrittsbesuch bereits auf einen "harten Sanierungsweg, der Arbeitsplätze kosten" werde, ein. Das österreichisch-kanadische Unternehmen sei zwar der Wunschkandidat der Arbeitnehmer gewesen. Dennoch werde Opel mit Magna "kein Land, in dem Milch und Honig fließt".

Magna selbst hält einen Rückzug von der Mitwirkung an der Opel-Rettung noch immer für möglich, wie der Konzern mitteilte. Der neue Opel-Treuhand-Geschäftsführer Alfred Hagebusch betonte, die Gespräche mit Magna würden am Mittwoch fortgesetzt. Der Investorenprozess könnte sich aber noch bis zu sechs Monate hinziehen.

Die Bundesregierung sorgt bereits für den Fall vor, dass es nicht zu einem erfolgreichen Vertragsabschluss zwischen GM und Magna kommt. Am Dienstag trafen sich Vertreter des chinesischen Interessenten BAIC mit Regierungsvertretern. Auch habe die Fiat-Führung der Bundesregierung signalisiert, dass sie weiter Interesse an einem Einstieg bei Opel habe, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen.

Der Schwenk von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bei der Liquiditätshilfe stieß auch im Wirtschaftsministerium auf Verwunderung. "Wenn man bedenkt, dass Magna mit dieser Zusage den Zuschlag erkauft hat, ist das schon verwunderlich", hieß es dort. In Unternehmenskreisen von Magna hieß es, das Unternehmen stehe zur Finanzierung bereit; die Entscheidung, die erste Tranche zu übernehmen, sei in Berlin gefallen.

An den fehlenden 300 Mio. war vergangene Woche zunächst der erste Opel-Rettungsgipfel gescheitert. Zum Ärger der Bundesregierung hatte der Opel-Mutterkonzern General Motors diese Forderung erstmals bei dem eigentlich als Abschlussverhandlung zu Opel gedachten Treffen auf den Tisch gelegt. Der zweite Rettungsgipfel am Freitag fand erst statt, nachdem sich Magna, GM und die US-Regierung unter anderem auf die Finanzierung dieses Betrages verständigt hatten.

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