Brustimplantate: Deutsche belieferten Frankreichs Silikonpanscher

Brustimplantate
Deutsche belieferten Frankreichs Silikonpanscher

Der Skandal um defekte Brustimplantate erreicht die deutsche Chemiebranche: Der Chemikalienhändler Brenntag hat Industriesilikon an den französischen Hersteller verkauft. Der Stoff dient als Dichtungsmasse beim Bau.
  • 1

Der deutsche Chemikalienhändler Brenntag hat Industrie-Silikon an den französischen Hersteller von Brustimplantaten PIP geliefert. „Wir haben das Produkt an PIP geliefert und sind mit den französischen Gesundheitsbehörden in Kontakt“, sagte ein Brenntag-Sprecher am Montag. Es habe sich um ein unter dem Namen „Baysilone“ bekanntes Material gehandelt, das etwa als Dichtungsmasse in der Baubranche eingesetzt werde. Hersteller des Silikonprodukts Baysilone ist nach Angaben auf der Website von Brenntag das US-Unternehmen Momentive Performance Materials. Dieses Unternehmen ist aus GE Bayer Silicones hervorgegangen, einem 1998 gegründeten Gemeinschaftsunternehmen des deutschen Chemiekonzerns Bayer mit dem US-Industriekonzern GE. 2006 hatte Bayer seine Anteile daran an GE verkauft.

Das französische Unternehmen PIP hatte Brust-Implantate mit Industrie-Silikon gefüllt statt mit einem medizinischen Kunststoff. Bei zahlreichen Kissen sind inzwischen Risse aufgetreten – das Silikon soll sich in den Körpern der betroffenen Frauen verteilt haben. Kritiker zufolge könnte der Stoff Krebs erregen.

Frankreich hat rund 30.000 Patientinnen aufgefordert, sich die Implantate wieder herausoperieren zu lassen. Deutschland, Großbritannien und Brasilien haben betroffene Frauen aufgefordert, einen Arzt aufzusuchen.

Zuvor hatte ein französischer Radiosender berichtet, dass Billig-Brustimplantate der französischen Firma PIP, die für Entzündungen und teils sogar für Krebsfälle verantwortlich gemacht werden, auch Industriechemikalien enthalten. In den Silikonkissen seien der Schmierstoff Baysilone, ein Erdölprodukt, sowie die Stoffe Silopren und Rhodorsil gefunden worden, die in der Kautschuk-Industrie zum Einsatz kämen, berichtete der französische Radiosender RTL am Montag.

Die französische Arzneimittelaufsicht Afssaps habe gewusst, dass es sich um ein „gepanschtes Gel“ handele, das eher in der Nahrungsmittel- und Computerindustrie eingesetzt werde, sagte der medizinische Berater einer Vereinigung von Frauen mit PIP-Implantaten, Dominique-Michel Courtois, der Nachrichtenagentur AFP. Er hob aber hervor: „Man konnte nicht ahnen, dass das Gel Schmierstoffe enthält.“ Die Prothesen, die den Frauen entnommen würden, müssten deshalb direkt untersucht werden.

Seite 1:

Deutsche belieferten Frankreichs Silikonpanscher

Seite 2:

Fahndung wegen Trunkenheitsfahrt

Kommentare zu " Brustimplantate: Deutsche belieferten Frankreichs Silikonpanscher"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Scghlimm - wenn ein Produkteinsatz ein ganz bestimmtes Qualtätsprodukt erfordert ... und einfach ein billiges preiswerteres Etwas zum Einsatz kommt ... . Wenn es so bei Olivenöl (mindere Pressung) oder bei Lebensmitteln (anstelle BIO billiger aus dem konvent. Anbau aber mit BIO Zertifikat und Aufkleber) passiert, ist es auch ärgerlich ... aber es schädigt nicht wirklich den Organismus. Aber im Körperinnern billigste Silikone mit Krebsrisiken einzubauen anstelle med. Silikone - ist eine skandalöse menschverachtende Vorstellung. "Schönheit" wurde gebucht und Krankheitsbeschleuniger "eingebaut".

    Hier ist es keine Kostenbagatelle, sondern Körperverletzung mit Totschlagsrestrisiko und müßte so in jedem Einzelfall geahndet werden. ... aber wahrscheinlich wird ein Urteil "milde" ausfallen; die Beteiligten werden sich "dämlich" stellen und strafmildernd kundtun, eigentlich doch unwissend gehandelt zu haben - nun tut es leid, wegen dem nachvollzogenen Hintergrundwissen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%