Brustimplantate
TÜV Rheinland wehrt sich gegen Vorwürfe

Industrie- statt medizinischem Silikon: Der französische Brustimplantate-Hersteller PIP hat zugegeben, den Produkt-Prüfer TÜV Rheinland getäuscht zu haben. Dieser wehrt sich gegen Vorwürfe, nicht seriös geprüft zu haben.
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KölnIm Skandal um möglicherweise gesundheitsgefährdende Brustimplantate aus Frankreich sieht sich der TÜV Rheinland vom Hersteller getäuscht. Ein Sprecher des Technischen Überwachungs-Vereins erklärte am Donnerstag, der Hersteller PIP habe bei Prüfungen das zulässige Silikon und korrekte Dokumente vorgelegt, dieses jedoch nicht in der Produktion verwendet.

Die Prüfer hätten dadurch den Eindruck gewinnen müssen, dass die Produktion korrekt gelaufen sei, hieß es weiter. Der frühere Geschäftsführer von PIP habe die Täuschung bereits eingeräumt. Laut französischen Medienberichten droht ein Anwalt in Frankreich mit einer Klage gegen den TÜV, weil dieser lange mit der Produktprüfung beauftragt war. Laut eines Medienberichtes wirft er dem Überwachungsdienst vor, nicht seriös geprüft zu haben.

PIP soll bei Implantaten Industriesilikon statt teurerem medizinischen Silikon verwendet haben. Im November war eine Frau gestorben, die die fraglichen Implantate trug und an einer seltenen Form von Krebs erkrankt war.

Im März 2010 waren Unregelmäßigkeiten bei den Silikon-Implantaten aufgefallen, weswegen der TÜV das Zertifikat entzogen und später Strafantrag gestellt hatte. Bereits im Februar 2011 hatte der TÜV Rheinland eine Pressemitteilung veröffentlicht. Darin wirft er der Firma Poly Implant Prothèse vor, Veränderungen an den silikongefüllten Brustimplantaten vorgenommen zu haben, „sodass die von den französischen Aufsichtsbehörden 2010 beanstandete Silikonart von TÜV Rheinland für diese Anwendung nicht freigegeben war“.

TÜV Rheinland hatte demnach für PIP ein Konformitätsbewertungsverfahren nach der europäischen Richtlinie für Medizinprodukte zur CE-Kennzeichnung von silikongefüllten Brustimplantaten durchgeführt.

 

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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