Bsirske gegen Großmann
Verdi greift RWE-Chef an

Kaum hat RWE-Chef Jürgen Großmann die Umbaupläne für den Energieriesen verkündet, erklären die Arbeitnehmer ihren Widerstand. Verdi-Chef Bsirske will sich im Aufsichtsrat persönlich querstellen. Die Gewerkschafter stören sich daran, dass sie bei den Umstrukturierungen kaum Mitspracherecht haben.

DÜSSELDORF. RWE-Chef Jürgen Großmann stößt mit seinen Plänen für den Umbau des Energiekonzerns auf heftigen Widerstand der Belegschaft. Der Chef der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, will auf der nächsten Sitzung des Aufsichtsrates am kommenden Mittwoch eine Änderung der Geschäftsordnung durchsetzen, um dem Gremium mehr Mitsprachemöglichkeiten bei der anstehenden Umstrukturierung zu sichern. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Unternehmens. Großmann würde die Arbeit dann deutlich erschwert. RWE wollte sich dazu auf Anfrage aber nicht äußern.

Großmann sorgt seit Wochen mit seinen Plänen für Unruhe in der Belegschaft. Der neue RWE-Chef, der Anfang Oktober seinen Dienst angetreten hat, will die Organisation straffen und überprüft dabei insbesondere die Zwischenholdings nach überflüssigen Positionen. Diese dürften zahlreiche Funktionen an die Zentrale verlieren. Ende Januar kündigte Großmann in einer E-Mail an die Belegschaft an, dass bis Herbst ein Projektteam die Strukturen durchleuchten soll. Bereits betroffen ist die Tochter Systems, die für interne Dienstleistungen zuständig ist – sie muss die Zuständigkeiten für Revision, IT und Beratung an den Konzernvorstand abgeben. Aber auch in anderen Töchtern wie der für den Vertrieb zuständigen Energy wird mit tiefen Einschnitten gerechnet.

Die Gewerkschaft stört sich daran, dass nach der bisherigen Geschäftsordnung der Konzern-Aufsichtsrat kaum Mitsprache bei der Umstrukturierung hat, wenn „verbundene Unternehmen betroffen“ sind. Dies will Verdi-Chef Bsirske, Vize-Vorsitzender des Aufsichtsrats, mit seinem Antrag am 20. Februar ändern. Der Vorstoß hat gute Chancen auf Erfolg, weil die Gewerkschaft auf Unterstützung der kommunalen Aktionäre Dortmund und Essen hoffen kann, wo wichtige Standorte angesiedelt sind.

Ein Beispiel: Selbst bei der Gründung der neuen Tochter RWE Innogy, in der Großmann die bislang auf mehrere Gesellschaften verteilten Aktivitäten im Bereich erneuerbare Energien zusammengefasst hat, wurde der Aufsichtsrat nur informiert, konnte aber nicht abstimmen. Großmann hatte schließlich keine neue Tochter gegründet, sondern sich des bereits bestehenden Firmenmantels „Innogy“ bedient – so hieß früher die britische Tochter des Konzerns.

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