Buchhaltung nach Osteuropa
Daimler spart im Rechnungswesen

Der deutsch-amerikanische Autobauer Daimler-Chrysler prüft eine Verlegung von Teilen des Rechnungswesens nach Tschechien oder Polen. Eine Sprecherin des Konzerns wollte das nicht bestätigen, räumte aber ein, dass „mehrere Optionen“ geprüft werden. Eine Entscheidung gebe es noch nicht.

HB STUTTGART. Über den künftigen Standort des deutsch-amerikanischen Autobauers Daimler-Chrysler soll im kommenden Jahr mit dem Betriebsrat verhandelt werden. Die Stuttgarter Zeitung hatte berichtet, dass die tschechische Hauptstadt Prag zur Diskussion stehen. Dabei geht es um weniger als 100 Stellen. Laut Unternehmensangaben steht aber nicht zur Diskussion, Tätigkeiten aus dem Konzern auszulagern. Hintergrund der Überlegungen ist die angestrebte Verschlankung in der weltweiten Verwaltung, in deren Zuge bis 2008 rund 6 000 Stellen wegfallen sollen. Geplant ist dabei unter anderem, bestimmte Tätigkeiten wie Controlling und Buchhaltung zu zentralisieren.

Für bestimmte Tätigkeiten des Rechnungswesens, die derzeit noch in über 15 Standorten in Deutschland angesiedelt sind, will Daimler-Chrysler nun drei Dienstleistungszentren schaffen. Eines für die Mercedes Car Group (MCG) in Stuttgart mit rund 400 Mitarbeitern und ein zweites für die LKW-Sparte im Werk Wörth, das etwas über 100 Beschäftigte haben soll. Ein drittes Zentrum mit rund 90 Mitarbeitern, das unter anderem für die Zentrale und den Deutschland-Vertrieb zuständig wäre, soll an einem noch nicht bestimmten Standort angesiedelt werden.

Nach Medienangaben gilt Prag derzeit als Favorit für eine Neuansiedlung. Zur Auswahl stehe außerdem Kölleda, wo sich ein Motorenwerk für den Kleinwagen Smart befindet. Eine weitere Option ist Berlin. Dort ist ebenfalls ein Motorenwerk und der Deutschland-Vertrieb angesiedelt. Der vereinbarte Interessenausgleich schließt Änderungskündigungen bei einer solchen Verlagerung bis zum 31. Dezember 2007 aus.

In der Produktion wird Mercedes dagegen 2007 sogar zusätzlich befristete Mitarbeiter einstellen, um den Produktionsanlauf der neuen C-Klasse im Werk Sindelfingen zu bewältigen. „Es ist denkbar, dass wir einen kurzfristig entstehenden Bedarf an Arbeitskräften für den C-Klasse-Anlauf durch befristete Einstellungen decken“, sagte dazu ein Unternehmenssprecherin. Allerdings würden zuerst interne Möglichkeiten geprüft, um durch den flexiblen Einsatz von Mitarbeitern kurzfristige Produktionsspitzen auszugleichen. Weil der Vorstand damit rechne, dass sich die günstige Absatzentwicklung von Mercedes-Fahrzeugen fortsetze, werde ein zunächst steigender Personalbedarf erwartet, der allerdings zeitlich begrenzt sei, hieß es.

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