Budgetkürzungen Grund für Todesopfer
BP-Chef Browne im Visier der US-Behörden

Der Vorstandsvorsitzende von BP, Lord John Browne, gerät stark in Bedrängnis. Obwohl der drittgrößte Ölkonzern der Welt in der vergangenen Woche eine zivilrechtliche Klage wegen der Explosion der Texas City Raffinerie abwenden konnte, ermitteln das US-Justizministerium und die Umweltbehörde weiter.

DÜSSELDORF. Bei dem BP-Unglück am 23. März 2005 kamen 15 Menschen ums Leben, 170 wurden verletzt. Die US-Untersuchungsbehörde Chemical Safety Board gibt an, dass der Grund für die Katastrophe unter anderem die drastischen Kosteneinsparungen von BP waren. Der Chefermittler Don Holmstrom sagte dem Handelsblatt: „Die Kürzung wurde vom Senior Executive Management in London angeordnet.“

BP bestreitet diese Darstellung. Die konzerneigene Untersuchung habe ergeben, dass kein Zusammenhang zwischen dem Budget in Texas City und der Explosion bestehe, sagte ein Sprecher. John Manzoni, der zuständige BP-Vorstand für das Raffineriegeschäft, sagte, dem Management sei der kritische Zustand der Raffinerie in Texas erst am Tag der Explosion kenntlich geworden. Zahlreiche Mitarbeiter behaupten jedoch das Gegenteil. In einer internen BP-Untersuchung geben 70 Prozent der Befragten an, es bestehe ein signifikanter Nachholbedarf bei Wartungsarbeiten. 50 Prozent sagen, es werde manchmal Druck auf sie ausgeübt, um Sicherheitsvorschriften zu umgehen Die Befragung wurde im November 2004 durchgeführt. Vier Monate später flog die Raffinerie in die Luft. Es war das schwerste Arbeitsplatzunglück der USA in den vergangenen 15 Jahren.

Die US-Untersuchungsbehörde fand bei ihrer Untersuchung eine Vielzahl von Warnzeichen. Der Chefermittler Holmstrom nennt acht Zwischenfälle von 1994 bis 2004, die alle in einer Katastrophe hätten enden können. Alle traten an der Anlage auf, die später explodierte. Noch am Tag zuvor brach in der Raffinerie ein Feuer aus, das aber schnell gelöscht wurde. Sechs Monate später gab es ein Großfeuer, das 30 Millionen Dollar Schaden verursachte. Nach Angaben der Behörde hätte das Feuer vermieden werden können, wenn BP die Sicherheitsvorschriften eingehalten hätte. Nach Erhebungen der US-Umweltbehörde EPA war die BP-Raffinerie 2004 der größte Umweltverschmutzer des Landes. Die Anlage pumpte drei Mal so viel schädliche Stoffe in die Luft wie die zweitgiftigste Raffinerie.

BP ist bereits seit Monaten auch wegen seiner Sicherheitsmängel in Alaska unter Beschuss. Im März 2006 kam es in Prudhoe Bay, dem größten Ölfeld der USA zum schwersten Leitungsunglück in der Geschichte Alaskas. Mehr als 800 000 Liter flossen aus. Grund waren verrostete Rohre. Der Konzern hatte sie trotz mehrfacher Aufforderung durch die Behörden nicht ausreichend auf Korrosion untersucht.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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