Büchele und Denoke gehen
Reitzle räumt im Linde-Vorstand auf

Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle baut den Vorstand um: Finanzvorstand Georg Denoke muss gehen – er galt als Gegner der Fusion mit Praxair. Und auch Vorstandschef Wolfgang Büchele verlässt den Dax-Konzern.
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MünchenPaukenschlag bei Linde nach der geplatzten Fusion mit Praxair: Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle baut den Vorstand um. Der umstrittene Finanzvorstand Georg Denoke, der als Gegner der Fusion galt, geht mit sofortiger Wirkung. Seinen Posten übernimmt bis zur Berufung eines Nachfolgers der Leiter der Finanzabteilung bei Linde, Sven Schneider.

Der Vertrag von Vorstandschef Wolfgang Büchele wird nicht verlängert. Er verlässt den Dax-Konzern im April 2017. Büchele stehe nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung, teilte Linde mit.

Das Scheitern der Verhandlungen mit Praxair wird intern auch auf den Führungsstreit zwischen Büchele und Denoke zurückgeführt, der den Konzern seit Monaten lähmt. Es sei ein „Webfehler“ gewesen, die Führungskrise nicht vor den Verhandlungen mit Praxair zu lösen. Nach Informationen des Handelsblatts hatten sich Büchele und Denoke wegen der Gewinnwarnung Ende 2015 auf den Gängen angeschrien. Viele im Unternehmen werfen Denoke Illoyalität vor.

Der Linde-Aufsichtsrat kam am Dienstag in der Zentrale in der Münchener Innenstadt zu einer Krisensitzung zusammen. Die Rolle von Denoke sahen viele Kontrolleure nach Informationen des Handelsblatts skeptisch. Daher galt sein Abgang als unumgänglich.

Am Montag war die angebahnte Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair geplatzt. Der Vorstand hatte die Verhandlung auf Drängen von Linde-Chef Wolfgang Büchele und den Kapitalvertretern im Aufsichtsrat beendet. Die Linde-Aktie stürzte im Dax daraufhin um gut acht Prozent ab.

Insidern zufolge konnten sich beide Seiten nicht über zentrale Fragen wie den Unternehmenssitz, die Standorte von Entwicklungsabteilungen und die Managementbesetzung einigen. „Der Linde-Standort München hätte nur noch eine marginale Rolle gespielt“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. „Das konnte Büchele nicht vertreten.“ Auch die bayerische Staatsregierung hatte darauf gedrängt, dass der Standort mit starker Stellung erhalten bleibt.

Die beiden Konzerne hatten über mehrere Wochen hinter den Kulissen über eine Mega-Fusion verhandelt. Mitte August wurden die Verhandlungen öffentlich. Linde wollte durch den Zusammenschluss wieder zurück an die Weltspitze im Markt für Industriegase. Die Bayern rutschten kürzlich auf Platz zwei ab, nachdem die französische Air Liquide den US-Konkurrenten Airgas gekauft hatte.

Praxair ist mit einem Umsatz von umgerechnet 9,6 Milliarden Euro nur etwa halb so groß wie Linde, mit einem Gewinn von umgerechnet 1,5 Milliarden Euro aber wesentlich profitabler. Zudem ist der Konzern aus Connecticut an der Börse höher bewertet als der deutsche Rivale. Die Deutschen erwirtschaften bei einem Umsatz von 18 Milliarden Euro nur 1,15 Milliarden Euro.

Die Gasebranche ist weltweit stark konsolidiert. Wäre die Fusion gelungen, wären nur noch drei große Industriegase-Anbieter übrig geblieben. Ein Knackpunkt wäre bei einer Fusion deshalb die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden gewesen. Schon beim Kauf des britischen Rivalen BOC 2006 erhielt Linde strenge Auflagen und musste in mehreren Ländern Geschäft an die Konkurrenz abgeben.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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