Bündelung des Satellitengeschäfts
EADS will Astrium verkaufen

Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern EADS plant offenbar den Verkauf seiner Satelliten-Tochter Astrium an den französischen Rüstungselektronik-Konzern Thales. EADS und Alcatel fordern im Gegenzug eine Kapitalbeteiligung.

PARIS | FRANKFURT. Das berichtet die französische Partnerzeitung des Handelsblatts „La Tribune“ unter Berufung auf Verhandlungskreise. Demnach zeichnet sich ein großer Konsolidierungsschritt in der Satellitenindustrie ab, weil auch der französische Telekom-Ausrüster Alcatel sein Satellitengeschäft abgeben und bei Thales bündeln wolle. Im Gegenzug sollen sowohl EADS als auch Alcatel am gestärkten Thales-Konzern kapitalmäßig beteiligt werden, schreibt „La Tribune“.

Vor einiger Zeit stand Thales (Umsatz: zehn Mrd. Euro) noch vor einer Zerlegung, inzwischen geht es offenbar um eine Stärkung insbesondere des Satellitengeschäftes. „Es ist wahr, wir neigen zur Zeit eher dazu, neue Aktiva zu übernehmen, um die Bereiche unserer Gruppe zu verstärken“, hieß es bei Thales: „Wir diskutieren mit aller Welt: EADS, Alcatel und Finmeccanica, wir befinden uns im Zentrum des Spiels.“

Alcatel hält bisher bereits 9,6 Prozent der Anteile an Thales. Als Gegenleistung für die Abgabe der Alcatel-Bereiche Satelliten, Transport und Sicherheit werde eine Anteilserhöhung bei Thales auf 25 bis 30 Prozent diskutiert, hieß es. Dabei war nach Veröffentlichung des geplanten Zusammenschlusses zwischen Alcatel und dem US-Telekomausrüster Lucent zunächst über einen Ausstieg Alcatels bei Thales spekuliert worden. Bei der Neuordnung des Thales-Konzerns redet die französische Regierung entscheidend mit: Sie hält 31,3 Prozent an Thales und ist zudem mit 15 Prozent an EADS beteiligt.

Auch Noël Forgeard, französischer Co-Vorstandschef von EADS, interessiert sich für Thales. Bereits mehrfach hat er im Vorjahr eine Übernahme ins Spiel gebracht, um das EADS-Verteidigungsgeschäft zu stärken und damit näher an den US-Erzrivalen Boeing zu rücken. Der Plan stieß aber auf Widerstand von deutscher Seite, die ein französisches Übergewicht innerhalb des EADS-Konzerns vermeiden will. Der deutsche EADS-Co-Chef Tom Enders betonte in einem Interview mit der „International Herald Tribune“ kürzlich dennoch, die Verhandlungen mit Thales liefen weiter: „Wir sind nicht akquisitionsscheu, haben aber unsere Lehren aus dem Übernahme-Boom der 90er-Jahre gezogen“, sagte Enders. In Branchenkreisen hieß es, Forgeard habe seine Thales-Ambitionen zurückgeschraubt: Statt einer Übernahme werde sich EADS zunächst auf kleinere Operationen beschränken.

EADS Astrium ist eine 100-prozentige Tochter der EADS Space, die alle Raumfahrtaktivitäten des Konzerns bündelt. Die Firma beschäftigt sich mit der Entwicklung und dem Bau von Satelliten – ein Bereich, der EADS durch den Wegfall vieler Satellitenstarts seit der Jahrtausendwende große Sorgen bereitete und hart saniert werden musste. Die drei EADS-Sparten Raketen und bemannte Raumfahrt (Space Transportation), Satelliten (Astrium) sowie Services erzielten zuletzt rund 2,6 Mrd. Euro Umsatz und schafften dabei nur knapp den Sprung in die Gewinnzone.

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