Bürgschaften
Bayern steht Schaeffler bei

Die Chancen der angeschlagenen Schaeffler-Gruppe auf die dringend benötigten Staatshilfen sind gestiegen. "Wir haben den Eindruck, dass sich die Dinge in die richtige Richtung bewegen", sagte Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) dem Handelsblatt. Das Rettungskonzept der Schaeffler-Führung sei in seinem aktuellen Entwurf durchaus überzeugend, es müsse aber noch "wesentlich verfeinert" werden.

MÜNCHEN. Die bayerische Staatsregierung will allerdings keinen eigenen finanziellen Beitrag zur Schaeffler-Rettung in Aussicht stellen. Schließlich zahlten die Länder ja beim Bundesschirm mit, sagte Zeil. Er sehe daher keinen Ansatzpunkt, einzelne Länder mit in die Pflicht zu nehmen.

Damit liegt der Ball nun in Berlin. Das Sanierungskonzept, das Voraussetzung für Staatshilfen ist, werde von Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg geprüft, sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (beide CSU).

Am Montagabend hatte die Schaeffler-Führung der bayerischen Staatsregierung ihre Sanierungspläne vorgestellt. Über die Inhalte wurde Stillschweigen vereinbart. "Wir haben die Überlegungen der Firma Schaeffler positiv aufgenommen", sagte Seehofer lediglich. Auch Schaeffler wollte sich nicht zu Details des Konzepts äußern. Dieses müsse erst mit allen Beteiligten abgestimmt werden. Vor allem die Gläubigerbanken haben bei dem hochverschuldeten Konzern ein gewichtiges Wort mitzureden.

Das Sanierungskonzept war ursprünglich bis Ostern erwartet worden. Die Abstimmung mit den Gläubigerbanken und den Wirtschaftsprüfern war aber ausgesprochen schwierig. Daher hatte sich die Vorlage immer wieder verzögert. Auch jetzt gibt es nach Handelsblatt-Informationen noch kein fertiges Gesamtkonzept, sondern einen ersten Grobentwurf. Wirtschaftsminister Zeil sagte aber: "Konzeptionell ist jetzt einiges klarer."

Die Schaeffler-Gruppe hatte sich mit der Übernahme des dreimal größeren Konkurrenten Conti übernommen. Mitinhaber Georg Schaeffler bezifferte den Kapitalbedarf auf bis zu sechs Mrd. Euro. In den vergangenen Wochen bemühte sich die Unternehmensführung, den Bedarf zu verringern, um die Chancen auf Staatshilfe zu erhöhen. In der Politik hatte sich massiver Widerstand gegen Staatshilfen von mehreren Milliarden Euro gebildet.

Unterstützung sei nur in Form von Bürgschaften oder Darlehen vorstellbar - und nicht als Staatsbeteiligung, sagte Seehofer nun. Er betonte, dass auch die Familie Schaeffler als Eigentümer ihren Beitrag zur Rettung leisten wolle. "Das Eigenengagement der Familie ist gewaltig, deshalb verdient es unsere Unterstützung." Wirtschaftsminister Zeil betonte allerdings, Schaeffler sei ein nationales Unternehmen, daher müsse eine Lösung auf Bundesebene gefunden werden. "Wir können keine bayerische Lösung machen."

Einen größeren Stellenabbau wird es bei Schaeffler in jedem Fall geben. Am Dienstag informierte die Konzernführung den Wirtschaftsausschuss des Unternehmens über die Pläne. Weltweit sollen laut Branchenkreisen bis zu 8 000 Stellen wegfallen, davon rund 5 000 in Deutschland. Im Gespräch mit dem Handelsblatt hatte Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger betont, dass die Pläne nichts mit dem Zukunftskonzept zu tun haben. Vielmehr müsse die Gruppe wie die Konkurrenz auch auf die gesunkene Nachfrage reagieren. Zuletzt hatte Schaeffler noch 66 000 Beschäftigte.

Am Mittwoch sollen die Beschäftigten auf Betriebsversammlungen über den geplanten Stellenabbau informiert werden. Laut Arbeitnehmerkreisen plant die IG Metall eine Reihe von Protestaktionen. Ziel der Gewerkschaft ist es, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern. "Wir haben eine bestehende Vereinbarung zur Beschäftigung, und kürzlich hat der Gesamtbetriebsrat gemeinsam mit der IG Metall weitergehende Vorschläge eingebracht, wie Entlassungen zu verhindern sind", sagte der Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende Norbert Lenhard.

Laut Branchenkreisen will Schaeffler Entlassungen wenn möglich vermeiden, aber nicht von vorneherein ausschließen. Dass der Konzern derzeit Überkapazitäten hat, ist unter den Beteiligten unumstritten. Laut IG Metall ist die Personalplanung auf einen Umsatz von zehn Mrd. Euro ausgelegt - in diesem Jahr sei aber nur mit acht Mrd. Euro zu rechnen. Es sei zu befürchten, dass die Auslastung erst im Jahr 2012 wieder das Niveau von 2007 erreiche.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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