Büromöbel
Samas verlässt Deutschland

Europas größter Büromöbelhersteller Samas verkauft sein Deutschlandgeschäft an einen Berliner Finanzinvestor. Der radikale Schritt ist Ausdruck eines grundlegenden Strategieproblems. Eine Analyse.

DÜSSELDORF. Europas größter Büromöbelhersteller, die niederländische Samas Groep, stößt ihr Deutschlandgeschäft ab. Das Segment, das zuletzt 179 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftete, geht an den Finanzinvestor Innovation Change. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des in Houten bei Utrecht beheimateten Unternehmens. Der Finanzinvestor gehört zur Berliner Christ Capital AG. Damit setzen die Samas-Anteilseigner ihren Zerschlagungskurs fort.

Die Niederländer, die traditionsreiche deutsche Büromöbel-Marken wie Martin Stoll, Schärf, Fortschritt und Drabert besitzen, erzielten im vergangenen Geschäftsjahr, das zum 31. März endete, einen Umsatz von 253 Mio. Euro und erwirtschafteten dabei einen Verlust von 78 Mio. Euro. Schon im Vorjahr stand unterm Strich ein Minus von 38,5 Mio. Euro.

Dabei ist Samas ein innovatives Unternehmen. Zuletzt hatten die Niederländer in der Konzernzentrale in Houten die Vision einer Arbeitswelt der Zukunft entwickelt. Im "Village Office", das 2006 eröffnet wurde, passt sich das Büro mit seiner Ausstattung den Bedürfnissen des mobilen Arbeitnehmers in puncto Raum-, Licht- und Möbelbedarf an. Als begehbares Büro diente die Samas-Zentrale Entscheidungsträgern aus anderen internationalen Konzernen wie Philips oder Daimler als Vorbild.

Dagegen schaffte es die niederländische Zentrale nie, die verschiedenen europäischen Aktivitäten im Büromöbelbereich unter einer gemeinsamen Strategie zusammenzuführen. Der letzte Versuch, die inkompatiblen Systeme, unterschiedlichen Markenauftritte und unkoordinierten Beschaffungspraktiken der in den 90er Jahren zusammengekauften Einzelfirmen unter dem Projektnamen "Harmony" zu vereinheitlich, endete im Desaster. 100 Mio. Euro soll die verfehlte "Harmony"-Strategie in den vergangenen zwei Jahren gekostet haben. Aus Harmonie wurde Disharmonie.

Nach dem rasanten Wertverlust der an der Euronext in Amsterdam notierten Aktie - Samas fielen innerhalb von drei Jahren von 9 Euro auf 9 Cent - entschieden sich die Anteilseigner, in der Mehrzahl institutionelle Anleger, den Konzern zu zerschlagen.

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