Bulgarien
Pramod geht, die Probleme bleiben

Bulgariens tradionsreiches Stahlwerk Kremikowzi steht vor dem Aus. Im Jahr 2005 hatte Lakshmi Mittals Bruder Promod 70 Prozent des Unternehmens übernommen - Jährliche Millionenverluste im dreistelligen Bereich und fast eine Milliarde Euro Gesamtschulden lautet die Bilanz des Inders. Bulgariens Regierung steht ein heißer Protest-Sommer bevor.

SOFIA. Die Innenstadt von Sofia kommt nicht zur Ruhe. Schon wieder demonstrieren Hunderte von Entlassung bedrohte Stahlarbeiter an der Newski-Kathedrale, der bekanntesten Sehenswürdigkeit im Zentrum der bulgarischen Hauptstadt. "Stoppt die Katastrophe von Kremikowzi", steht auf den Plakaten. Der Verkehr stockt, Autos kommen kaum noch voran. "Die Regierung muss uns helfen", rufen die Arbeiter den Passanten entgegen. Eine ganze Woche ist die Hauptstadt bereits in Aufruhr, die Arbeiter des von der Schließung bedrohten Stahl-Konzerns hoffen auf Unterstützung aus anderen Branchen und warnen vor einem Generalstreik im ganzen Land.

Kremikowzi steht für enttäuschte Hoffnungen in dem kleinen Land auf dem Balkan und für wachsende wirtschaftliche Probleme, die die weltweite Krise ausgelöst hat. Vor vier Jahren wurde das bulgarische Unternehmen mit damals 8 000 Beschäftigten Teil eines indischen Mittal-Stahlimperiums. Es war aber nicht der weltweit bekannte Stahl-Magnat Lakshmi Mittal, der den Einstieg auf dem bulgarischen Markt wagte. Sein jüngerer Bruder Pramod wollte der Welt genauso zeigen, dass er ein erfolgreicher Stahlmanager sein kann. Pramod träumte zu dieser Zeit von seinem eigenen Stahl-Reich. "Globale Konsolidierung, das ist die entscheidende Veränderung", sagte Pramod Mittal damals. Außer in Bulgarien verhandelte er auch über den Kauf von Stahlwerken in Nigeria und in Simbabwe.

Doch daraus ist nichts geworden, ganz besonders bei Kremikowzi, dem vor den Toren Sofias beheimateten bulgarischen Stahlwerk. Es blieben leere Versprechungen des indischen Eigentümers, der Mitte 2005 für etwa 300 Millionen US-Dollar gut 70 Prozent des Unternehmens übernahm. Bulgariens größter Stahlhersteller kam auch mit Mittal nicht mehr auf einen grünen Zweig. Jährliche Millionenverluste im dreistelligen Bereich, fast eine Milliarde Euro Gesamtschulden - das ist die Bilanz des Inders. Im vergangenen Sommer kam die Quittung, Kremikowzi musste in die Insolvenz.

"Pramod Mittal ist offensichtlich nicht so gut wie sein älterer Bruder", zieht Bulgariens Wirtschaftsminister Petar Dimitrov eine nüchterne Bilanz. In der gesamten Zeit, in der die Inder das Unternehmen führten, sei Kremikowzi nie aus seinen Schwierigkeiten herausgekommen. Heute sind die Inder wieder weg, an der Spitze steht ein Insolvenzverwalter.

Den Schwarzen Peter hat nun die bulgarische Regierung, der von Kremikowzi auch unter Pramod Mittal stets 25 Prozent gehörten. "Wenn der Staat nicht bald etwas für uns unternimmt, wird es eine gewaltige Gegenreaktion geben", droht Gewerkschaftsführer Ljudmil Pavlov. Die Auseinandersetzung könnte hässlich werden: In Sofias Innenstadt brannten bereits Puppen mit der Gestalt von Petar Dimitrov und seiner Stellvertreterin.

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