„Bullshit Castle“
Daimler-Chrysler verkauft seine Zentrale

Vorstandschef Dieter Zetsche baut Daimler-Chrysler um. Tausende Mitarbeiter müssen gehen. Und nun hat es auch die Firmenzentrale selbst erwischt: Der fünftgrößte Autobauer der Welt hat seinen langjährigen Konzernsitz verkauft, von einem Ex-Chef verächtlich „Bullshit Castle“ genannt.

HB STUTTGART. Das Anwesen in Stuttgart-Möhringen gehe für 240 Mill. Euro an Ixis Capital Partners, teilte Daimler-Chrysler am Freitag in Stuttgart mit. Daimler-Chrysler nutze die Immobilien trotz der Stellenstreichungen zunächst 15 Jahre weiter und wolle sich dafür von anderen Büroflächen in der Stadt trennen. Auf dem Gelände sind durch den Umzug des Vorstands und Teilen der Verwaltung ins Motorenwerk Stuttgart-Untertürkheim Büroflächen freigeworden. Derzeit arbeiten in der Konzernzentrale rund 2 700 Menschen

Der frühere Daimler-Konzern-Chef Edzard Reuter ließ die 13 Gebäude mit einem elf-geschossigen Hochhaus vor den Toren Stuttgarts errichten. Im Jahr 1990 zogen dort rund 3 000 Mitarbeiter ein. Ganz konkret hat das Unternehmen bisher nie gesagt, was die Zentrale mit dem riesigen sich drehenden Stern auf dem Dach gekostet hat. Es dürften zwischen 280 und 300 Mill. Euro gewesen sein. Reuter liebte die Zentrale, die im Stil eines Campus angelegt ist. Sein Nachfolger Jürgen Schrempp sprach schon mal verächtlich vom „Bullshit Castle“, wenn er über Vorgänge in seiner Konzernzentrale redete. Die Stuttgart selbst sprechen eher emotionslos von „Daimler City“. Immerhin hat das Grundstück eine Gesamtfläche von 120 000 Quadratmeter.

Der jetzige Konzernchef Dieter Zetsche hatte jüngst angeordnet, dass der Vorstand wieder dort sitzen soll, wo die Autos gebaut werden – in Untertürkheim. Dort hatte die Konzernführung ohnhin bis zum Umzug in die neue Zentrale im Jahr 1990 gesessen.

Den beim Verkauf erzielten Betriebsgewinn will der Autokonzern über die 15-jährige Anmietung verteilt ausweisen. Für dieses Jahr kann Daimler-Chrysler dadurch 18 Mill. Euro verbuchen.

Bei Deutschlands größtem Industriekonzern steht der Immobilienbesitz seit längerem auf dem Prüfstand. Nicht betriebsnotwendige Gebäude und Grundstücke sollen verkauft werden, um die Rendite und die Bonitätsbewertung zu verbessern. In diesem Jahr hat Daimler-Chrysler bereits zwei Immobilienpakete für zusammen 560 Mill. Euro veräußert. Der gesamte Immobilienbesitz des unter hohen Verlusten der US-Tochter Chrysler leidenden Konzerns war zuletzt mit rund 12 Mrd. Euro bewertet worden.

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