Bundeskartellamt bleibt wachsam
Schwenk will bei Readymix-Übernahme mitmischen

Der Ratinger Zementhersteller Readymix ist anscheinend für mehrere Konkurrenten ein lukratives Unternehmen. Der Ulmer Zementhersteller Schwenk meldete nach dem führenden deutsche Zementhersteller Heidelberg Cement ebenfalls Interesse an, Teile des Konkurrenten zu übernehmen. Das Bundeskartellamt will eine Übernahme der Nummer drei der Branche aber nicht einfach durchwinken.

HB BONN/STUTTGART. „Wenn Readymix an jemanden verkauft wird, der Teile davon weiterverkaufen will, dann wären wir interessiert“, sagte der Geschäftsführer der Ulmer Schwenk Zement KG, Gerhard Hirth, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Von einem einzelnen deutschen Konkurrenten könnte Readymix aus kartellrechtlichen Gründen wohl gar nicht übernommen werden, eine Zerlegung wäre daher unausweichlich. Das Bundeskartellamt will nach den Worten des stellvertretenden Behördenchefs Kurt Stockmann am Mittwoch in Vorgesprächen mit Heidelberg Cement, mit dem schweizerischen Zementhersteller Holcim und dem offenbar mit der Abwicklung beauftragten Frankfurter Bankhaus Metzler die Lage klären.

Heidelberg Cement hatte in der vergangenen Woche Gespräche mit dem britischen Readymix-Besitzer RMC über eine Übernahme eingeräumt, warnte aber erneut vor voreiligen Schlüssen. „Wir sind nach wie vor in einem frühen Stadium“, sagte ein Firmen-Sprecher. Die im MDax notierten Heidelberg Cement-Aktien verloren in einem schwachen Gesamtmarkt am Dienstag drei Prozent auf 31,55 €.

Readymix-Beschäftigte demonstrieren

„Dieser Fall erfordert erhebliche Ermittlungen, die Zeit brauchen werden“, sagte Stockmann in Bonn vor Vertretern des Readymix-Gesamtbetriebsrates. Er deutete an, dass das Amt die viermonatige Prüffrist voll ausschöpfen werde. Es würde im Fall einer Übernahme von Readymix untersucht, ob Heidelberg Cement dadurch seinen Marktanteil von derzeit etwas über 20 % auf ein Drittel ausweiten würde. Dann könnten die Kartellwächter tätig werden. Geprüft werden könne außerdem, ob bei einer Beteiligung weiterer Unternehmen ein Oligopol entstehe. Eine Zerschlagung von Readymix würde erhebliche Auswirkungen auf den Wettbewerb haben. Angemeldet sei die mögliche Übernahme aber noch nicht.

Das Kartellamt sei jedoch keine Behörde, die Arbeitsplätze schützen könne, fügte Stockmann hinzu. Der Readymix-Betriebsrat fürchtet bei einer Zerschlagung des Unternehmens den Verlust von 4000 Arbeitsplätzen. Vor dem Kartellamt demonstrierten Hunderte von Beschäftigten des Ratinger Konzerns. Auf Plakaten forderten sie „Stoppt die Zement-Mafia“. Hirth hält einen Stellenabbau bei dem Konkurrenten für unvermeidbar. „Es wird einen schmerzhaften Anpassungsprozess geben“, sagte er mit Verweis auf die Verluste von Readymix und die Überkapazitäten der Branche. Schwenk sei an den Vorgesprächen aber nicht beteiligt, betonte er. Schwenk ist mit mehr als 20 % zugleich einer der größten Aktionäre des Marktführers Heidelberg Cement.

Vertreter des Readymix-Betriebsrats sagten, Heidelberg Cement habe nicht die Kraft, Readymix allein zu übernehmen. Hinter den Plänen stünden weitere Unternehmen. „Das Kartellamt muss hier gut aufpassen“, sagte der Chef des Gesamtbetriebsrats, Hans Bergmann.

"Readymix muss zerlegt werden"

„Readymix kann man so nicht weiterbetreiben, also müsste man es stückweise verkaufen“, erklärte Schwenk-Chef Hirth. Schwenk ist mit Zementwerken vor allem in Süddeutschland und im Osten Deutschlands vertreten, Heidelberg Cement hatte zuletzt im Westen zugekauft, wo Readymix einen Großteil seiner Standorte hat, und dürfte dort bald an die kartellrechtlichen Grenzen stoßen.

Analysten sind sich einig, dass eine Übernahme von Readymix ein erster Schritt zur Bereinigung des von Überkapazitäten gekennzeichneten deutschen Zementmarktes wäre. Heidelberg Cement will nach früheren Angaben bei der Konsolidierung eine aktive Rolle spielen. Der Zementmarkt war zuletzt von einer schwachen Auftragslage und von heftigen Preiskämpfen gezeichnet.

Vertreter des Amtes bestätigten, dass Kartellermittlungen gegen große Unternehmen der Branche im Bereich Transportbeton weiter liefen. „Das ist noch nicht abgeschlossen“, sagte ein Kartellamtsvertreter. Erst im April hatte das Bundeskartellamt gegen sechs führende Konzerne wegen jahrelanger Preisabsprachen eine Rekordbuße von 660 Mill. € verhängt. Die höchste Strafe entfiel mit 252 Mill. € auf Heidelberg Cement. Readymix musste nur zwölf Mill. € zahlen, da die Firma als erster Zementhersteller mit den Kartellwächtern kooperiert hatte. Vertreter des Betriebsrates sagten, die Übernahmepläne seien auch als eine „Rache“ für die Kooperation von Readymix mit dem Amt anzusehen. Ein Vertreter des Kartellamtes sagte, es gehe nicht an, „dass jemand tödliche Klassenkeile bekommt“.

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