Bundeskartellamt
Hohe Strafe für Ziegelhersteller

Das Bundeskartellamt hat gegen sechs Hersteller von Tondachziegeln wegen verbotener Preisabsprachen Geldbußen in Höhe von insgesamt 165 Millionen Euro verhängt. Mit der an der Börse notierten Creaton und der Koramic Dachprodukte wollen zwei der größten Unternehmen Einspruch am Oberlandesgericht Düsseldorf einlegen.

DÜSSELDORF. Creaton, eine Tochter der belgischen Etex-Gruppe, soll über 66 Mio. Euro zahlen, Koramic, eine Tochter des österreichischen Weltmarktführers Wienerberger, 42 Mio. Euro. Beide Unternehmen weisen den Bußgeldbescheid als sachlich ungerechtfertigt und nicht nachvollziehbar zurück.

Kartellamtschef Bernhard Heitzer versteht die „zum Teil hohen Bußgelder“ dagegen als bewusstes Signal. Die Baustoffbranche sei in der Vergangenheit immer wieder als Kartellsünder aufgefallen und habe offenbar nichts dazugelernt.

Als „Energiekostenzuschlag“ seien die Preiserhöhungen um vier bis sechs Prozent im Juli 2006 auf einem Verbandstreffen vereinbart worden. Einige Unternehmen hätten die Vorwürfe bereits eingeräumt und kooperierten mit dem Amt. Das Kartellamt hat bereits mehrmals Bußen gegen Zementhersteller verhängt. Das Volumen des Marktes für Dachpfannen beträgt über eine Mrd. Euro.

Für Creaton kommt die Buße zur Unzeit. Durch die Auswirkungen der Finanzkrise sind Umsatz und Ergebnis bereits zurückgegangen. Nun droht durch die Buße ein Verlust, den Etex ausgleichen müsste. 2007 erzielte Creaton bei über 200 Mio. Euro Umsatz ein operatives Ergebnis von 20 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr 2008 lagen der Umsatz mit knapp 90 Mio. Euro und das operative Ergebnis mit 3,2 Mio. Euro leicht unter den Vorjahreswerten.

Neben Creaton und Koramic sind auch die Pfleiderer Dachziegel (ebenfalls Etex), Monier (ehemals Lafarge), die Erlus AG und Gebr. Laumans von dem Bußgeldverfahren betroffen.

Von Januar bis Oktober 2008 ist die Produktion von Baustoffen laut Branchenverband BBS um zwei Prozent zurückgegangen. Dies sei vor allem auf den äußerst schwachen Wohnungsbau zurückzuführen, meinte BBS-Präsident Gernot Schaefer. Im kommenden Jahr erwartet er keine Besserung, da sich der Wohnungsbau weiterhin äußerst schwach entwickele. Der Umsatzzuwachs der Baustoffbranche lag 2008 bei ein bis zwei Prozent, wobei vor allem die Entwicklung der Preise für Strom, Gas und Kraftstoffe eine preistreibende Wirkung hatte, die aber nicht vollständig an die Kunden weitergegeben worden seien. Die Baustoffbranche erwirtschaftet in 6 100 Betrieben mit 140 000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 27,5 Mrd. Euro. Die Ziegelindustrie allein zählt 144 Betriebe mit 10 000 Mitarbeitern.

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