Bundesnetzagentur wehrt sich gegen Pipeline-Betreiber
Chefregulierer übt massive Kritik an Wintershall

Die Bundesnetzagentur wehrt sich gegen den Vorwurf, sie behindere durch eine zu strenge Regulierung Investitionen in den Ausbau des Gasnetzes. Die Agentur reagiert damit auf die Ankündigung der BASF-Tochter Wintershall, Planung und Bau der Süddeutschen Erdgasleitung (SEL) einzustellen.

BERLIN. "Die Kritik, wir würden keine ausreichenden Eigenkapitalverzinsungen zulassen, liegt völlig neben der Sache", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, dem Handelsblatt. "Wem eine Rendite von über neun Prozent nicht reicht, dem kann ich nicht helfen."

Die Wintershall-Tochter Wingas hatte gestern angekündigt, man lasse das SEL-Projekt fallen und dies mit der Entscheidung der Regulierungsbehörde begründet, künftig die Nutzungspreise für Ferngasleitungen festzulegen. Damit würde sich der Bau neuer Leitungen in Deutschland immer weniger rentieren, argumentiert das Kasseler Unternehmen. Wingas hatte die Investitionen für die Pipeline auf mehr als 600 Mio Euro beziffert. Die Leitung sollte von Burghausen an der deutsch-österreichischen Grenze bis nach Lampertheim in Hessen verlaufen.

Die Bundesnetzagentur hatte im Oktober angekündigt, die Kostenkalkulation der Ferngasnetzbetreiber unter die Lupe zu nehmen. Danach will die Behörde in Zukunft auch die Entgelte für Fernleitungen festlegen, die anders als die regionalen Gasnetze bislang von der Regulierung ausgenommen waren.

Die Ankündigung von Wingas kam völlig überraschend. Die Absage überschattet die Diskussion um ein anderes Projekt: Heute will die Bundesnetzagentur eine Anhörung zur "Opal"-Pipeline durchführen. Über diese Pipeline, wie die SEL-Leitung ein Gemeinschaftsprojekt von Eon Ruhrgas und Wingas, soll das das russische Gas der geplanten Ostsee-Pipeline vom Anlandepunkt bis zur tschechischen Grenze und zu Großkunden und Speichern transportiert werden. "Wenn Wingas seine Entscheidung zu SEL mit dem Opal-Projekt verknüpft, ist das weder sachgerecht noch hilfreich. Es handelt sich dabei um völlig unterschiedliche Sachverhalte", kritisierte Kurth. Tatsächlich ist die "Opal"-Pipeline eine Transitleitung, die - anders als die SEL-Leitung - von der Regulierung freigestellt werden kann.

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