Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
Risikokapital für junge Unternehmen fehlt

Der Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften sieht den Staat auch nach seinen bisherigen Anstrengungen in der Pflicht, Risikokapital für junge Unternehmen zu mobilisieren. Bislang zucken Wagniskapitalgeber vor der Finanzierung von jungen Unternehmen noch zurück.

BERLIN. „Wir müssen den Kapitalstrom im Frühphasenbereich verstetigen und unabhängig vom Konjunkturverlauf fördern“, fordert der stellvertretende BVK-Vorstandschef Michael Groß in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. So sollten große Programme des Bundesforschungsministeriums daraufhin durchforstet werden, ob Mittel nicht verstärkt in den Risikokapitalbereich umgelenkt werden könnten, empfahl Groß. Für die Beteiligungsbranche müssten zudem die steuerlichen Rahmenbedingungen verbessert werden.

Das Geschäft mit dem privaten Beteiligungskapital läuft prächtig. Doch nach wie vor dominieren die Übernahmen von etablierten Unternehmen. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Gesamtinvestitionen der Branche auf drei Mrd. Euro, doch nur gut 300 Mill. Euro davon entfielen auf Unternehmen in der Gründungs- oder Startphase (Seed oder Start-ups). „Im Seed-Bereich haben wir die größte Lücke. Da gibt es zu wenige Investoren und auch zu wenig Kapital“, bestätigt Bernd Seibel, Finanzchef von TVM Techno Venture Management, einer eingesessenen Risikokapitalgesellschaft in München.

Nach wie vor leidet die Risikokapitalbranche unter den Spätfolgen der im Jahr 2000 geplatzten Economy-Blase, als private Geldgeber viel Geld verloren. Die rot-grüne Bundesregierung hatte das Problem in der vergangenen Legislaturperiode erkannt und drei Fonds mit einem Volumen von einer Mrd. Euro auf den Weg gebracht. „Diese staatlichen Anschubfinanzierungen haben den Frühphasenbereich wieder aktiviert. Die Investoren kommen wieder aus der Deckung“, beobachtet Groß. Gleichzeitig verteidigt Groß das Engagement des Staates: „Für die schwache Entwicklung in den vergangenen Jahren kann man nicht einseitig private Investoren verantwortlich machen.“ Zudem müsse auch der Staat Geld in die Hand nehmen, wenn eine neue Unternehmensgeneration entwickelt werden soll, die Arbeitsplätze schafft und Steuern generiert.

TVM-Manager Seibel sieht den Staat jedoch noch an anderer Stelle gefordert. „Wir müssen im Ausland Kapital akquirieren, um erfolgreich Fonds auflegen zu können“, so Seibel. Daher sei die Sicherheit bei den Investitionsbedingungen besonders wichtig. Deutschland verfüge im Vergleich zu anderen EU-Staaten über keine konkurrenzfähigen Rahmenbedingungen. Das sei ein Manko beispielsweise für große Pensionsfonds, die in vielen Ländern das finanzielle Rückgrat von Venture-Capital bildeten.

Im Bundeswirtschaftsministerium hat man volles Verständnis für die Sorgen der Fonds. Derzeit bestehe in Deutschland die Gefahr, so Seibel, dass Fonds in den Ruch der Gewerblichkeit geraten. Damit würde der Fonds selbst steuerpflichtig. Doch Investoren wollten in dem Land besteuert werden, in dem sie das Kapital aufbringen und nicht dort, wo der Fonds aufgelegt werden. Gerade in einer frühen Phase der Unternehmensfinanzierung müssten sich die Venture-Capital–Manager aktiv mit dem Unternehmen auseinander setzen. Zwar spricht sich auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück für ein „Private-Equity-Gesetz“ aus, mit dem mehr Risikokapital bei institutionellen Investoren eingeworben werden soll. Doch erst sollen die Eckpunkte der geplanten Unternehmensteuerreform feststehen, bevor der Bund konkreter wird. „Steuertransparente Strukturen“ sind damit noch nicht in Sicht.

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