Business Innovation
Daimlers Schlüssel für die Zukunft

Der Automobilkonzern Daimler steckt Millionen in seine "kreative Keimzelle" für neue Geschäftsideen. Die Abteilung mit der Linzenz zum Spinnen soll in diesem Jahr ihr Budget erstmals aus eigener Kraft erwirtschaften. E-Autos zum Mieten könnten den Durchbruch bedeuten.
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STUTTGART. Jerome Guillen lächelt. "Hier hab? ich noch etwas", sagt er und hält einen rosa glitzernden Autoschlüssel in die Luft. Der mit Swarovski-Steinen bestückte Schlüssel kostet 380 Euro und soll kaufkräftige Japanerinnen beglücken, für die der Schlüssel mehr sein soll als nur ein Türöffner. Der gebürtige Franzose leitet die Daimler-Einheit "Business Innovation", die "kreative Keimzelle für neue Geschäftsideen", wie der Konzern es nennt.

Man könnte aber auch sagen, die "Keimzelle" ist eine Elite-Truppe von 15 Mann mit der Lizenz zum Spinnen - aber eben auch direktem Zugang zum Vorstand. "Es geht darum, außerhalb der Kernaufgaben des Konzerns neue Produkte und Dienstleistungen aufzuspüren und schnell im Markt umzusetzen", sagt Guillen.

Antworten auf die individuelle Mobilität von Morgen stehen im Fokus, aber nicht nur. Die Anforderungen aus der Konzernzentrale sind allerdings handfest: Es werden nur Ideen mit einem weltweiten Marktpotenzial von einer Milliarde Euro und einem Umsatzpotenzial für Daimler von 100 Millionen Euro weiterverfolgt. Nur so ist das zweistellige Millionenbudget auf Dauer zu rechtfertigen. In diesem Jahr soll es erstmals aus eigener Kraft erwirtschaftet werden.

Paradebeispiel ist das Mietwagen-Projekt Car2go. Registrierte Kunden in den Pilotstädten Ulm und Austin (Texas) können Smarts für 19 Cent die Minute spontan mieten und danach einfach abstellen. In wenigen Wochen könnte es zum großen Durchbruch kommen, wenn Paris über sein Elektro-Mietwagenprojekt entscheidet. Konsortialpartner von Daimler sind der Autovermieter Avis, das Nahverkehrsunternehmen RATP, die französische Bahn SNCF und der Baukonzern Vinci. Es geht um 3.000 Fahrzeuge und ein Auftragsvolumen von "mehreren hundert Millionen Euro", wie Guillen bestätigt.

Zweites Projekt ist die webbasierte Mitfahrzentrale, ebenfalls ein Angebot an die junge Kundschaft. Aber es wurden noch weitere Ideen umgesetzt. Älteren oder behinderten Kunden werden jetzt ab Werk die benötigten Fahrhilfen eingebaut. Die Ideen stammen nicht nur von Guillens Truppe, sondern auch von Mitarbeitern. 20.000 Beschäftigte diskutierten im Intranet bisher 1.500 Geschäftschancen, von denen 58 weiterverfolgt wurden und zwölf in der Erprobung sind. Die Umgehung der gewohnten Hierarchien soll Kreativität freisetzen. Bestes Beispiel: Den Glitzerschlüssel hatten die Chefs erst abgelehnt, aber die Assistentinnen bekamen so leuchtende Augen bei den Schmuckstücken, dass die Idee doch nicht verworfen wurde.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

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