
MAILAND. Dem Vorstandsvorsitzenden des italienischen Spirituosenherstellers Campari, Bob Kunze-Concewitz, zieht ein Lächeln übers Gesicht, wenn er an Deutschland denkt. Denn dort wächst sein Unternehmen am meisten.
„Ich glaube an das alte Europa“, sagt der Campari-Chef. Immer mehr Deutsche stoßen mit Cocktails aus dem Hause der Italiener an. Insbesondere der Spritz – ein Mixgetränk aus Aperol, Prosecco, und Soda – ist hierzulande auf dem Vormarsch.
Campari ist ein internationaler Spieler auf dem Spirituosenmarkt, der allerdings mit einer Milliarde Umsatz im Jahr 2009 im Vergleich zu Riesen wie Diageo eher zu den kleineren gehört. Das börsennotierte Familienunternehmen mit Sitz in Sesto San Giovanni, nördlich von Mailand, ist in den vergangenen Jahren vor allem durch Zukäufe einzelner Marken gewachsen. Camparis Getränkepalette reicht heute von Skyy Vodka über Glen Grant Whiskey bis zu Ouzo 12.
Aperol war ein Glücksgriff für das Mailänder Unternehmen. 2004 hat Enzo Visone, der Vorgänger des heutigen Chefs, das leicht süßliche Getränk übernommen. Seitdem hat sich der Umsatz von Aperol verfünffacht. Im letzten Jahr machte die orangefarbene Marke bereits ein Zehntel des Gesamtumsatzes der Gruppe aus. „Mein Vorgänger hat das Potenzial der Marke erkannt und die nötigen Mittel hineingesteckt. Ich habe die Internationalisierung vorangetrieben“, sagt Kunze-Concewitz. Heute gibt es Aperol außer in Italien auch in Österreich, der Schweiz und in Deutschland.
Italienische Kneipenkultur
Vor allem in Deutschland legt der Verkauf von Aperol mit dreistelligen Zuwachsraten rasant zu. Um das noch auszubauen, versucht Campari, den Deutschen die italienische Aperitivo-Kultur beibringen. Und das ist nicht immer einfach, wie der Campari-Chef zu berichten weiß: „Es ist schwierig, einen deutschen Kneipier zu überzeugen, dass er Essen gratis anbieten und damit Geld verdienen kann“, sagt Kunze-Concewitz.
Genau dieses Modell mit reichhaltigem Buffet zum Selbstbedienen auf der Theke funktioniert in Italien bestens: Die Kunden zahlen zwischen fünf und zwölf Euro pro Getränk, und das Essen gibt es umsonst dazu. „Wo wir die Deutschen nicht vom italienischen Aperitivo überzeugen können, versuchen wir eben, anderen Getränken die Marktanteile zu nehmen“, erklärt er den Ausweg: „In Deutschland ist es ja durchaus üblich, nach Feierabend ein Bier zu trinken. Statt Bier sollen die Menschen also lieber zu einem erfrischenden Spritz greifen.“ Ob mit oder ohne Buffet.