Carsharing-Fusion BMW und Daimler gründen gemeinsam Milliarden-Konzern

Die Autobauer legen ihre Töchter Car2go und Drive Now zusammen. Der neue Mobilitätskonzern soll es mit Wettbewerbern wie Uber aufnehmen.
Update: 28.03.2018 - 18:17 Uhr 4 Kommentare
BMW und Daimler: Fusion von DriveNow und Car2go ist perfekt Quelle: dpa
Fahrzeug von Car2go

Daimler und BMW legen ihre Carsharing-Töchter zusammen.

(Foto: dpa)

MünchenLange hat man miteinander gerungen, doch nun melden die Partner Vollzug. BMW und Daimler gründen ein Joint Venture, das die „Zukunft der Mobilität“ entscheidend mitprägen will, wie beide Unternehmen am Mittwoch bekanntgaben.

Die Erzrivalen bündeln nun alles, was sie an Mobilitätsdienstleistungen in den vergangenen Jahren gesammelt haben: Carsharing, Mitfahrdienste, Taxivermittlung und auch die digitale Suche von Parkplätzen und Ladesäulen für Stromtankstellen.

Geplant ist der Aufbau eines Mobilitätsdienstleisters mit vier Millionen Kunden, 20.000 Autos und einem Unternehmenswert von mehr als einer Milliarde Euro.

Kurzum: ein „ganzheitliches Ökosystem für Mobilitätsdienstleistungen, intelligent, nahtlos vernetzt und auf einen Fingertipp zur Verfügung“, wie man verspricht.

Offen ist nur noch der Name, unter dem die bereits eingeführten Marken „Drive now“, „Car2go“ oder „My Taxi“ künftig auftreten wollen. Den will man verkünden, wenn das Kartellamt seinen Segen gibt.

Gut 18 Monate haben Daimler und BMW auf allen Ebenen über das Projekt verhandelt – im digitalen Zeitalter eine gefühlte Ewigkeit. An der Notwendigkeit hat sich seitdem nichts geändert – im Gegenteil.

Obwohl beide Häuser recht wacker die jungen Geschäftsfelder der Share Economy beackern, verdienen sie kein Geld, denn sie sind allein zu klein. Dabei stehen die neuen Dienste erst am Anfang: Die wachsenden Verkehrsprobleme in den Städten, die aufkommende Elektromobilität und später die Einführung des autonomen Fahrens werden das Geschäft massiv verändern, lautet die Erkenntnis bei BMW und Daimler.

Wer dann nur noch Autos verkauft, hat ein Problem. Vor allem dann, wenn der US-Mitfahrdienst Uber oder der chinesische Dienst Didi ihre Macht ausspielen und die Autohersteller zu Statisten auf ihren Plattformen machen.

„Mit der geplanten Zusammenlegung unserer Mobilitätsdienste setzen wir ein Zeichen in Richtung neue Wettbewerber und bündeln unsere Kräfte“, begründet BMW-Chef Harald Krüger den Zusammenschluss. „Als Pioniere des Automobilbaus werden wir nicht anderen das Feld überlassen, wenn es um die urbane Mobilität der Zukunft geht“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Beide Vorstandschefs haben sich immer wieder persönlich in die schwierigen Gespräche eingeschaltet. Neben den notorischen Eitelkeiten beider Unternehmen vergiftete der im Sommer 2017 publik gewordene Kartellvorwurf die Verhandlungen.

Daimler habe über eine Kronzeugenregelung BMW wegen möglicher illegaler Absprachen angeschwärzt, lautet der Vorwurf aus München. Inzwischen sei das Verhältnis aber wieder „enteist“, erklärten die BMW-Vorstände vergangene Woche auf der Bilanzpressekonferenz.

Das nun geplante Joint Venture ist auch nicht die erste Zusammenarbeit in Sachen Zukunft. Gemeinsam mit Audi kauften Daimler und BMW bereits den digitalen Kartenanbieter „Here“ für knapp drei Milliarden Euro.

Der Berliner Dienstleister ist weltweit führend bei der Erstellung „dynamischer Karten“, maschinenlesbarer Datenräume, die das autonome Fahren erst möglich machen. Auch hier fürchteten die Autokonzerne, in die Abhängigkeit von Datenriesen wie Google zu geraten. Nun sind es die Deutschen, die eine internationale Datenplattform aufziehen, an der sich auch der Chipkonzern Intel beteiligt hat.

Auch beim Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektroautos arbeitet man in München und Stuttgart zusammen. Gemeinsam mit Porsche ist in München der Ladesäulenanbieter „Ionity“ in Gründung, der ein Schnellladenetz entlang der europäischen Autobahnen errichten will.

Auto und Infrastruktur hängen künftig ganz eng zusammen, das gilt für die Elektromobilität, die Digitalisierung, das autonome Fahren. BMW und Mercedes arbeiten an dem massiven Ausbau ihrer Elektroflotten, beide Anbieter haben Pläne, um das Jahr 2025 jeweils eine halbe Million Stromautos pro Jahr zu produzieren.

Ein Elektroauto funktioniert aber nur voll vernetzt, da es ständig auf der Suche nach neuen Stromquellen ist. Das gilt erst recht für das autonom fahrende Auto, das in einem permanenten Datenaustausch mit seiner Umgebung stehen wird. BMW will 2021 eine „hochautomatisierte“ Oberklasselimousine auf den Markt bringen.

Dabei darf der Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen, das System übernimmt auf bestimmten Routen wie beispielsweise Autobahnen die Verantwortung. Die deutschen Autohersteller sehen sich hier in einem technologischen Wettbewerb mit Anbietern wie Uber. Der Mitfahrdienst testete seine „Roboterautos“ bis vor wenigen Tagen auf den Straßen Arizonas, stoppte das Projekt aber vorerst, nachdem eine Fußgängerin von einem Testfahrzeug tödlich verletzt worden war.

Uber will mit der Einführung autonom fahrender Taxis sein Geschäftsmodell erheblich attraktiver und profitabler machen. Gelingt es nämlich, den Fahrer durch den Computer zu ersetzen, fallen bis zu siebzig Prozent der Kosten für den Personentransport weg.

Szenarien, die man in München und Stuttgart im Auge hat. Das neue Joint Venture will sich deshalb auch als Dienstleister für Städte positionieren. London und Paris wollen den Autoverkehr reduzieren und auf alternative Antriebe umstellen, Singapur plant bereits jetzt den Aufbau autonom fahrender Taxiflotten.

Noch schneller dürfte die Entwicklung in China gehen, wo die Regierung Elektroquoten vorgeschrieben hat und die Digitalisierung rasanter als im Rest der Welt voranschreitet.

Dort geht es für Daimler und BMW nicht ohne lokale Partner. Einen möglichen Kandidaten kennt man schon ganz gut: Li Shufu. Dem neuen Daimler-Großaktionär gehört neben dem Autohersteller Geely auch „Cao Cao“, ein Mitfahrdienst für Elektroautos. Mit zehn Millionen Kunden ist der bereits doppelt so groß wie das neue Joint Venture von Daimler und BMW.

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4 Kommentare zu "Carsharing-Fusion: BMW und Daimler gründen gemeinsam Milliarden-Konzern"

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  • Der Trend geht auf jeden Fall ganz unübersehbar weg vom Besitzen und hin zum Teilen. Beispiele dafür gibt’s mittlerweile genug, so auch gestern u.a. hier: www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/videos/sendung-vom-28-03-2018-mieten-statt-video-100.html; und die übrigen Beiträge der gestrigen „Plusminus“-Sendung zeigen dem Zuschauer den ganzen Zynismus eines rein profitorientierten und aufgrund verkrusteter und dadurch nicht nur ineffizienter, sondern, was weitaus schlimmer ist, gesellschaftszersetzender staatlicher Machtstrukturen überbürokratisierten Systems nachdrücklich auf.

    Das ist auch sowohl in ökonomischer als auch in ökologischer Hinsicht mehr als sinnvoll, schon angesichts von Ressourcenverschwendung, Umweltproblemen und wachsenden Müllbergen, von der Erde über die Meere bis ins All.

    Ob dieser Trend in Zukunft dazu führt, dass das „Wachstum“ (was immer das sein soll…) eingedämmt wird - und welche Summen dabei in Heller und Pfennig zu „machen“ sind - sollte dabei nebensächlich sein.

    Hauptsache, es „lohnt“ sich für alle.

  • @ Carlos Santos
    "Bei manche Großkonzerne / Supermärkte stehen bereits am Parkplatz eine Stromtankstelle."

    Bei meinem Haus-Supermarkt gibt es mittlerweile Behindertenparkplätze, Frauenparkplätze, Eltern-mit-Kind-Parkplätze und vielleicht dann auch bald E-Auto-Parkplätze - in vorderster Reihe natürlich.
    Als Normalo-Mann mit Normalo-Auto sitze / parke ich also nicht in der ersten Reihe, sondern werde übelst DISKRIMINIERT!!
    Mein Haus-Supermarkt wird also nicht mehr lange mein Haus-Supermarkt sein - sondern ich werde meine Einkäufe noch mehr als jetzt schon von zu Hause (= Internet) erledigen.

  • CAR2GO UND DRIVE NOW
    Carsharing-Fusion von Daimler und BMW ist perfekt

    .......................

    Bei manche Großkonzerne / Supermärkte stehen bereits am Parkplatz eine Stromtankstelle.

  • CAR2GO UND DRIVE NOW
    Carsharing-Fusion von Daimler und BMW ist perfekt
    Die Autobauer wollen die Einigung in den nächsten Stunden bekanntgeben. Der Mobilitätskonzern soll es mit Wettbewerbern wie Uber aufnehmen.

    ..........................

    UND JETZT SOFORT AUF ALLE DISCOUNTER ZU GEHEN, und an dortige Parkplätzen sofort erweitern als auch gleich eine Stromtankstelle aufstellen.

    TIME IS MONEY und Europa hat zuviel Zeit verloren.

    Der Briefzusteller muss auch am ende seines Arbeitstages schneller laufen wenn er vorher zu langsam war !

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