Carsharing & Co.
Wie Daimler an der Mobilität der Zukunft feilt

Daimler gilt unter der Autoherstellern als Pionier der alternativen Mobilität. Mit mehreren Beteiligungen haben die Stuttgarter neue Geschäftsfelder erschlossen. Nun wollen sie expandieren.
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DüsseldorfDaimlers Zukunft beginnt mit einem alten Anliegen: „Ich möchte jetzt von hier nach Hause“. So werden die Nutzer von „Moovel“ begrüßt – einer Plattform, mit der Daimler die Mobilität auf dem Mobiltelefon vereinfachen will. Wenige Klicks reichen, damit die App errechnet, wie man besonders schnell und günstig von A nach B kommt. Neu ist, dass wirklich alle Möglichkeiten berücksichtigt werden: Neben Bus und Bahn, auch die Angebote einer Mitfahrzentrale, eines Carsharing-Anbieters und von Taxiunternehmen. Mehr noch: Über „Moovel“ können Nutzer auch ihre eigenen Fahrten eintragen und so Mitfahrer suchen.

Die App, die bisher nur in Berlin und Stuttgart verfügbar ist, ermöglicht einen Blick in die Zukunft der Mobilität, wie Daimler sie sich vorstellt. Weil immer mehr junge Deutsche auf ein eigenes Auto verzichten, erweitert der Hersteller sein Angebot, um auch die urbane Kundschaft zu erreichen. Mit ihren Beteiligungen an Taxivermittlern und Mitfahrzentralen haben die Stuttgarter ihr Mobilitätsangebot ausgebaut. Zentraler Bestandteil soll das konzerneigene Carsharing „Car2go“ werden.

Das Prinzip von „Car2go“ ist schnell erklärt: Nutzer können in einem festgelegten Geschäftsgebiet mithilfe einer Kundenkarte jederzeit ein Fahrzeug anmieten. Abgerechnet wird pro Minute. Für Städte und Autohersteller ist das Carsharing gleichermaßen ein Gewinn: Die Kommunen wollen so die angespannte Verkehrs- und Parkplatzsituation entschärfen, die Autohersteller hoffen, auch die wenig autoaffine, urbane Kundschaft für sich zu gewinnen. Daimler gilt als Pionier der Branche. Seit der Gründung im Jahr 2009 hat „Car2go“ einen rasanten Wachstumskurs hingelegt. Seit Jahresbeginn hat sich die Zahl der Kunden auf 250.000 nahezu vervierfacht.

Seit einigen Wochen ist das Carsharing der Finanzsparte unterstellt. Perspektivisch sollen alle alternativen Mobilitätskonzepte zentral abgerechnet werden. In den nächsten Jahren wollen die Stuttgarter in diesem Bereich weiter expandieren. Weltweit rechnet Daimler allein im Carsharing mit einem Marktpotential von einer Milliarde Euro, in den Umsatz soll der Geschäftsbereich mit 100 Millionen Euro einfließen. Dafür soll „Car2go“ bis 2015 in 50 Städten weltweit angeboten werden. Nach Berlin, Toronto und 13 weiteren Städten ist Carsharing seit Donnerstag auch in Daimlers Heimatstadt Stuttgart angekommen. 300 Elektro-Smarts rollen ab sofort durch die Straßen der baden-württembergischen Landeshauptstadt.

Auch im Bereich Mitfahrzentrale hat Daimler mehrere Millionen Euro investiert. Nach dem Adhoc-Mitfahrsystem „Car2gether“ in Ulm und Aachen wurde das Angebot durch eine Beteiligung an Carpooling.com ausgebaut. Der Anbieter betreibt in Deutschland die Plattform Mitfahrgelegenheit.de. Mit rund vier Millionen registrierten Nutzern gilt das Unternehmen als weltweiter Marktführer für die Vermittlung von Fahrgemeinschaften.

Mit zehn Millionen Euro hat sich Daimler auch in das Geschäft der Taxi-Plattform Mytaxi.de eingekauft. Seit einigen Wochen ist das Taxiangebot auch in die App von „Car2go“ integriert. Über ein Provisionssystem verdient der Autohersteller damit auch, wenn die Nutzer das Carsharing-Angebot nicht nutzen und sich stattdessen ein Taxi rufen.

 

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