Cateringbranche
Caterer streiten um die Stadionwurst

Rund drei Millionen Stadionwürste haben die Fans in der vergangenen Saison bei Bundesliga-Spielen verdrückt. Nun schreiben viele Vereine das umkämpfte Catering-Geschäft neu aus. Dabei bringen regionale Anbieter neue Würze ins Geschäft - oft kommen sie besser zum Zuge als die Großversorger.

KÖLN. Was wäre die Fleischindustrie nur ohne die Fußball-Bundesliga? Satte drei Millionen Stadionwürste haben die Fans bei den 306 Spielen der Saison 2008/09 vertilgt, schätzt der Eschborner Großcaterer Eurest. Rein statistisch gönnt sich also jeder vierte Besucher eine solche Fleischstange. Zwischen den Spielzeiten herrscht zwar kulinarische Zwangspause. Dennoch geht es genau jetzt um die Wurst: Einige Vereine schreiben das umkämpfte Geschäft mit Pommes & Co. neu aus. So bleibt den Fans immerhin die Hoffnung auf bessere Verpflegung. Schließlich gehört notorische Unzufriedenheit mit der Heim- oder Auswärtswurst ganz einfach zu einem gelungenen Samstag, wie auch die zahlreichen "Bratwurstmeinungen" und Rankings auf www.fussballwurst.de belegen.

Bestimmt wird der Markt von den Unternehmen Aramark und Eurest. Beide zusammen beliefern elf der achtzehn Stadien in Liga eins - und wollen mehr: "Auch die kleinen Stadien sind für Aramark sehr interessant", sagt Andreas Schlotterbeck, beim Unternehmen für das Sportcatering zuständig. Vor allem die Vereine mit mittelgroßen Stadien, die Platz für um die 30 000 Zuschauer bieten, suchen derzeit Caterer. Schließlich befinden sich 13 bedeutende Stadien in Planung, weitere 15 werden umgestaltet. Beim Werben um die offenen Verträge tun sich die Marktführer jedoch überraschend schwer. Bislang kommen sie nicht wie gewohnt zum Zuge - oft machen lokale Anbieter das Rennen.

In Aachen etwa, wo Zweitligist Alemannia künftig im neuen Tivoli aufläuft, hat man sich für die kleine Firma BM Sportevent aus Elsdorf entschieden. "Wir haben ein Modell gewählt, bei dem der Caterer mehr als andernorts Dienstleister ist. Das unternehmerische Risiko tragen wir", sagt Markus Krieger, bei Alemannia Leiter des Veranstaltungsmanagements. So wird der Verein selbst zum Würstchenbräter.

In der im Bau befindlichen Impuls-Arena des FC Augsburg indes wird eine Tochtergesellschaft des örtlichen Energieversorgers LEW, die LEW Service und Consulting, das Catering übernehmen. "Wir glauben, dass ein regionaler Partner viel mehr mit dem Verein verbandelt ist als ein großer Konzern. Durch die räumliche Nähe ist eine ganz andere Motivation und Identifikation jedes Mitarbeiters gegeben", begründet Augsburgs Geschäftsführer Andreas Rettig die Entscheidung. Auch beim FC Paderborn und bei Bayer Leverkusen in der ausgebauten Bay-Arena haben sich örtliche Anbieter das lukrative Geschäft einverleibt.

Die lokalen Essenslieferanten stehen für eine Trendwende. Denn durch die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sind viele regionale Caterer aus den Stadien verdrängt worden. "Die großen Marktteilnehmer können ihre Vorteile jetzt nicht mehr so ausspielen wie früher", sagt die Unternehmensberaterin Ulla Thombansen, die mehrere Bundesligisten in Sachen Stadiongastronomie berät. "Während des Stadionbau-Booms vor der WM 2006 haben sie die Ausstattung der Verkaufsstände in Millionenhöhe mitfinanziert und sich im Gegenzug langfristige Verträge zusichern lassen."

Seite 1:

Caterer streiten um die Stadionwurst

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%