Caterpillar
Manager-Kidnapping zahlt sich aus

Demonstrationen, Gewalt, Kidnapping. In Frankreich kannten Beschäftigte kaum Grenzen, um ihre Arbeitsplätze zu sichern. Das Beispiel Caterpillar zeigt, dass dieses Verhalten durchaus Erfolg haben kann: Der US-Konzern streicht bei seiner französischen Tochter nun weniger Stellen als geplant.

HB PARIS. Nach teils gewaltsamen Protesten streicht Caterpillar in Frankreich weniger Jobs als geplant. In der Nacht zum Montag einigten sich Unternehmensführung und Gewerkschaftsvertreter auf einen Kompromiss, demzufolge statt 733 noch 600 Stellen bei dem US-Baumaschinenhersteller wegfallen sollen. Die Belegschaft hatte mit der Geiselnahme von Managern, Werksblockaden und Streiks massiven Druck ausgeübt.

„Der Kompromiss sieht den Erhalt des Werkes Echirolles bei Grenoble und neue Investitionen vor“, erklärte Pierre Piccarreta von der Gewerkschaft CGT. Auch die Anzeigen gegen acht Caterpillar-Mitarbeiter, die sich an Streikaktionen beteiligt hatten, würden zurückgezogen. Bis zum Mittwoch werde die Belegschaft über das Abkommen abstimmen. Nach Bekanntgabe des geplanten Stellenabbaus hatten Caterpillar-Mitarbeiter Ende März den Frankreich-Chef sowie zwei weitere Manager für eine Nacht in ihr Büro gesperrt.

Die Fälle von „Bossnapping“ haben sich in Frankreich im Zuge der Wirtschaftskrise gehäuft. Seit März brachten wütende Arbeiter ihre Chefs mindestens fünf Mal in ihre Gewalt, um gegen Entlassungen und Werksschließungen zu kämpfen. Der Fall Caterpillar ist der erste, wo die Aktionen zur Rücknahme von Stellenstreichungen führen könnten.

Mehr als die Hälfte der Franzosen halten derart drastische Maßnahmen für akzeptabel. Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte angedroht, bei weiteren Geiselnahmen für die Einhaltung der Gesetze zu sorgen. Allerdings hat sich die Polizei auch nach seiner Ankündigung aus Sorge vor Eskalationen zurückgehalten.

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