Industrie
Celanese-Chef gibt langfristiges Umsatzziel auf

Der Kronberger Chemie-Konzern Celanese rechnet nicht vor 2005 mit einem echten Aufschwung der als besonders zyklischen geltenden Branche. Entsprechend stellt sich das Management auf eine Zeit der Stagnation ein und setzt lieber auf konsequenten Schuldenabbau als auf Umsatzwachstum.

FRANKFURT/M. Die aus den Chemie-Aktivitäten des einstigen Hoechst-Konzerns hervorgegangene Celanese AG hat sich von ihren Expansionsphantasien verabschiedet. Vorstandschef Claudio Sonder sagte am Dienstag vor dem internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten, dass er an seinem Ziel, den Umsatz im kommenden Jahr auf 10 Mrd. Euro zu verdoppeln, nicht mehr festhalte. Die dafür notwendigen Akqusisitionen würden heute nicht mehr so positiv gesehen als noch bei seinem Amtsantritt vor vier Jahren, sagte er zur Begründung.

Auf ein neues Umsatzziel wollte sich Sonder nicht festlegen. „Wir wollen weiter solide wachsen“, versprach er. Als Maßstab für die Qualität des Unternehmens sehe er jedoch vor allem die finanzielle Disziplin. Größere Akquisitionen schloss er deshalb für die nähere Zukunft aus.

Seit der in Brasilien geborene Manager den vor allem in den USA tätigen Celanese-Konzern führt, hat er konsequent die Entschuldung vorangetrieben und für 1,2 Mrd. Euro Unternehmensteile verkauft. Statt wie geplant auf 30 bis 40% reduzierte das Management um Sonder den Verschuldungsgrad auf diese Weise sogar auf 22 % der Marktkapitalisierung.

Im ersten Halbjahr 2003 hatte sich der Konzernumsatz auf knapp 2,2 Mrd. Euro leicht verringert. Das Betriebsergebnis erhöhte sich derweil von 49 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum auf 168 Mill. Euro. Umsatzstärkste Sparte ist das Essigsäure-Geschäft, das vor allem die Textilindustrie beliefert. Weitere Kernaktivitäten sind die unter dem Dach der Ticona geführte Kunststoffsparte, deren Hauptkunde die Automobilindustrie ist sowie das Geschäft mit Spezialchemikalien.

Die aufkeimende Hoffnung der Branche auf einen baldigen Aufschwung der Chemie-Konjunktur teilt der Celanese-Chef nicht. „Ich bleibe dabei, dass der Zyklus erst wieder im Jahr 2005 in Schwung kommt“, wiederholte er seinen pessimistischen Ausblick vom Jahresanfang. Wachstum sei allein in China zu erwarten. „Das rettet die Welt jedoch nicht“, sagte Sonder.

In den USA seien die Perspektiven wichtiger Abnehmerbranchen für die Chemie dagegen flach. Während die Autobranche ausschließlich von den historisch niedrigen Zinsen zehre, habe die Baukonjunktur bereist zu bröckeln begonnen. Zudem entwickele sich der Preispolitik für texanisches Öl dort zu einem Standortproblem. Auch in Japan sei kein Wachstum zu erwarten. Lateinamerika und Afrika blieben Problemregionen.

Mit einem echten Aufschwung sei jedoch vorerst auch deshalb nicht zu rechnen, weil viele Chemiekonzerne ihre Kapazitäten in jüngerer Zeit noch ausgeweitet hätten. „In unserer Branche beginnt man jedoch erst bei einer Auslastung von 85 bis 90 %, Geld zu verdienen“, gab Sonder zubedenken.

Celanese selbst hat im Frühjahr mit dem Bau einer neuen Essigsäure-Anlage im chinesischen Nanjing begonnen, die 600 000 Jahrestonnen produzieren soll. Diese Investition sei aus Gründen des Wettbewerbs notwendig gewesen. „Ich weiß aus den Boomjahren in Brasilien, dass nur die Unternehmen wirklich Fuß fassen, die vor Ort investieren“, sagt er. Zudem schwächelt die Nachfrage in China nicht. Der dortige Markt für Essigsäure, auf dem Celanese führend sei, verbuche zweistellige Wachstumsraten.

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