Cemex-Chef
Lorenzo Zambrano beißt sich durch

Als Lorenzo Zambrano vor 22 Jahren die Führung des familieneigenen Konzerns Cemex übernimmt, steckt Mexiko in einer der tiefsten Krisen der Geschichte. Für Zambrano ist klar: „Wir können uns nicht auf Mexiko beschränken.“ Er startet eine Expansion, die in Lateinamerika ihresgleichen sucht.

abu SÃO PAOLO. Jahrelang war Zambrano – Enkel des Firmengründers – auf diesen Job vorbereitet worden, in Mexiko und im Ausland. Aufgewachsen ist er in der nordmexikanischen Industriestadt Monterrey, wo Mexikos Wirtschaft am dynamischsten ist. Hier haben zahlreiche Gold- und Silberunternehmen, der Großbäcker Bimbo und der Getränkekonzern Femsa ihren Sitz. Ein Fünftel der mexikanischen Exporte kommt aus dieser Stadt. Es ist die Metropole mit den meisten Schulen, Universitäten und technischen Instituten je Bewohner im ganzen Land. Auch im Vergleich mit dem restlichen Lateinamerika steht Monterrey einsam an der Spitze, etwa mit dem höchsten Bildungsniveau und Pro-Kopf-Einkommen.

Schon mit 13 Jahren verlässt Zambrano die Heimat. Sein Vater schickt ihn auf eine nordamerikanische Kadettenschule. Eine harte Zeit, die ihn prägt: „Ich konnte kein Wort Englisch, kannte niemanden, war völlig auf mich gestellt – ich bin schnell gereift.“ Ingenieurwissenschaften studiert er in Monterrey, schließt sein Studium aber mit einem MBA mit Schwerpunkt Finanzen in Stanford ab. „In Stanford herrschte damals eine gewaltige Kreativität, aber auch eine starke Konkurrenz.“

Zurück in Monterrey, lässt der Familienrat den ehrgeizigen Sprössling 18 Jahre lang alle Bereiche des Konzerns kennen lernen. Erst 1985 erreicht Zambrano sein Ziel: Er wird Konzernchef. Für ihn ist klar, dass Cemex’ Zukunft im Ausland liegt. Konsequent führte er Englisch als Konzernsprache ein. Was folgt, ist der kometenhafte Aufstieg des Familienkonzerns, dessen Aktie seit 1999 auch in New York notiert ist.

Als Zambrano, der als Hobbys seine Ferrari-Sammlung und Science-Fiction-Romane nennt, gefragt wurde, wer ihm bei Cemex nachfolgen soll, reagierte er unwirsch. „Ich will noch lange arbeiten“, polterte der 62-Jährige. „Zehn Jahre lang hat mich niemand nach meinem Rücktritt gefragt, und plötzlich wollen alle wissen, wann ich gehe.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%