CEO Mike Mack verlässt Syngenta
Baseler Bauernopfer

Kurz nach der versuchten Übernahme durch Monsanto verlässt Syngenta-Chef Mike Mack jetzt den Konzern. Handelsblatt-Redakteur Siegfried Hofmann sieht in dem Manager vor allem ein Opfer der Agrochemie-Krise. Ein Kommentar.

Frankfurt am Main
Den Übernahmeversuch des US-Konkurrenten Monsanto hat er erfolgreich abgewehrt. Aber für Mike Mack, den bisherigen Chef des Schweizer Agrochemie-Konzerns Syngenta, war das letztlich nur ein Pyrrhussieg, wie sich inzwischen zeigt. Zum Ende Oktober nimmt er nun seinen Hut – und dies wohl kaum ganz freiwillig.

Unter den Aktionären des Baseler Konzerns herrscht einiger Unmut, der sich in den vergangenen Wochen offenbar noch verstärkte. Der Druck in Richtung Neuanfang im Management ist damit letztlich zu groß geworden. Vorläufig übernimmt Finanzchef John Ramsay die Geschäfte.

Der Ärger der Investoren speist sich zum einen schlicht aus der Tatsache, dass ihnen eine deutlich höhere Bewertung für den Baseler Agroriesen entgangen ist. Immerhin hatte Monsanto eine Prämie von mehr als 40 Prozent gegenüber dem jüngsten Kurs geboten, auch wenn man davon nur einen Teil in bar bezahlen wollte.

Nach dem Rückzug der Amerikaner und angesichts der aktuellen Entwicklung auf den Agrarmärkten ist eine Bewertung von fast 450 Franken je Aktie, wie sie die Amerikaner boten, erst einmal  in weite Ferne gerückt – auch wenn die Syngenta-Aktie in Reaktion auf den Mack-Rücktritt jetzt um fünf Prozent auf 325 Franken zulegte.

Zum anderen dürfte aber auch eine Rolle spielen, dass sich die Situation auf den Agromärkten derzeit offenbar rapide verschlechtert und die Argumentation des US-Konkurrenten letztlich auf einer durchaus realen Basis ruhte

Syngenta hat in den vergangenen Jahren, als der Markt noch boomte, im Wettbewerb mit den Konkurrenten im Agrochemie- und Saatgutgeschäft klar an Boden verloren, sowohl in Sachen Wachstumsraten als auch mit Blick auf die operativen Margen. Bei der Ebitda-Rendite etwa liegt der Baseler Konzern zum Beispiel vier bis fünf Punkte gegenüber Bayer und BASF sowie rund zehn Punkte gegenüber Monsanto zurück. Seine Ausgangsbasis für die anstehende Konjunkturflaute in der Agrochemie wirkt damit schwächer als die der Konkurrenz.

Insofern ist es nur allzu logisch, dass der Syngenta-Chef jetzt unter wachsenden Druck geraten ist. Nach der Dupont-Chefin Ellen Kullmann, die vor zwei Wochen ihren Rücktritt verkündete, ist Mike Mack so gesehen bereits der zweite Chemie-CEO, der quasi zum Opfer der Agrochemie-Krise wird.

Allerdings kann man ihn auch kaum allein für die Probleme und Schwächen bei dem Pflanzenschutz- und Saatgutkonzern verantwortlich machen. Sowohl für seine Markt-Strategie als auch im Abwehrkampf gegen das Übernahmeangebot von Monsanto hatte er vollen Rückhalt des Verwaltungsrats unter dem Vorsitz von Michel Demaré. Vor diesem Hintergrund ist Macks Abschied letztlich nicht viel mehr als ein Bauernopfer, um die enttäuschten Investoren zu besänftigen. Angesichts der schwierigen Bedingungen auf den Agromärkten, dürfte es nicht das einzige bleiben.

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