Chancen und Risiken
Was deutsche Firmen sich in China erhoffen

Maschinenbauer, der Handel und nicht zuletzt die deutsche Automobilindustrie sehen die enormen Chancen des chinesischen Marktes. Doch China birgt für deutsche Unternehmen auch Risiken.
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DüsseldorfDie gigantische Größe und Dynamik des chinesischen Markts bieten enorme Chancen, bergen aber zugleich Risiken für deutsche Firmen. Sie kämpfen mit mangelnder Rechtsstaatlichkeit und zunehmenden Patentverletzungen.

Automobilindustrie

China ist zum größten Fahrzeugmarkt der Welt herangewachsen, wovon die großen deutschen Automarken profitieren. Gerade teure Oberklasse-Fahrzeuge sind im statusverliebten Reich der Mitte gefragt. Der Volkswagen-Konzern und seine Tochter Audi, die sich früher als andere Hersteller in China engagierten, verkaufen mittlerweile in keinem anderen Land mehr Autos. Auch für BMW ist China mittlerweile der größte Einzelmarkt, der 20 Prozent des Konzernumsatzes ausmacht. Daimler-Chef Dieter Zetsche erwartet, dass die Stuttgarter spätestens 2015 gleichgezogen haben.

Für Audi, BMW und Mercedes, die zusammen fast drei Viertel des chinesischen Oberklasse-Marktes beherrschen, lässt dies gute Geschäfte erwarten. "China ist wegen seiner schieren Größe einer der wichtigsten Märkte", sagt Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Knapp eine Million Oberklasse-Limousinen wurden dort im vergangenen Jahr an wohlhabende Kunden ausgeliefert; der gesamte Markt belief sich auf 14,5 Millionen Fahrzeuge - und er wächst weiter, wenn auch langsamer als in den Vorjahren. "In den Jahren 2022 bis 2025 wird der chinesische Automarkt so groß wie der in Europa und Amerika zusammen sein", glaubt Rolf Breidenbach, Geschäftsführer des Zulieferers Hella.

Für die Wachstumspläne der deutschen Nobelhersteller spielt das Reich der Mitte damit eine Schlüsselrolle. Zwar ist der Markt für Premiumautos in den USA noch größer, aber die Vorliebe vieler Chinesen für teure technische Extras lässt die Kassen dort klingeln.

Die Renditen der Konzerne seien in China um "Faktor zwei und mehr" höher als anderswo, sagt Autoexperte Ralf Kalmbach von der Unternehmensberatung Roland Berger.

Experten schätzen, dass BMW ein Drittel des Konzerngewinns dem China-Geschäft zu verdanken hat, bei Audi ist der Anteil noch höher. Der Boom führt zu aggressiven Investitionen; alle deutschen Hersteller bauen ihre Kapazitäten dort deutlich aus. Insgesamt will allein VW die Fertigungskapazität in China bis 2018 auf vier Millionen Autos erhöhen. Das Land gewinnt damit eine Machtposition, die heimische Hersteller nutzen, um sich bei der westlichen Konkurrenz zu bedienen. FAW etwa, der chinesische Partner von Volkswagen, kupferte einen erfolgreichen VW-Motor ab - für die Wolfsburger dürfte das während des Besuchs der Bundeskanzlerin ein brisantes Thema sein.

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