Chapter 11
GM beantragt Insolvenz zur Sanierung

Stunde Null für den einst größten Autobauer der Welt: Nach jahrelangen Milliardenverlusten hat die bisherige Opel-Mutter General Motors 101 Jahre nach der Firmengründung als letzte Überlebensmöglichkeit Insolvenz angemeldet. Zur Sanierung soll der bisherige Opel-Mutterkonzern mehrheitlich verstaatlicht werden.

HB WASHINGTON/NEW YORK. Der größte US-Autobauer reichte den Antrag nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts am Montag bei einem Insolvenzgericht in New York ein. Es ist der größte Bankrott in der Geschichte der US-Industrie. Der General-Motors-Konzern hatte am Montag zuvor bereits damit begonnen, die Insolvenzverfahren für seine angeschlossenen Unternehmen einzuleiten. Den Anfang machte die Chevrolet-Saturn of Harlem Inc. Die Insolvenz ist das größte Gläubigerschutz-Verfahren seiner Art in der US-Geschichte.

Nach dem Insolvenzantrag des Rivalen Chrysler vor rund einem Monat arbeiten damit zwei der großen drei US-Autobauer unter Gläubigerschutz. Die Opel-Mutter GM verfügte den Unterlagen zufolge Ende März konsolidierte Vermögenswerte von 82,3 Mrd. Dollar und Verbindlichkeiten von 172,8 Mrd. Dollar. Das GM-Direktorium hatte der Insolvenz und dem von der von der Regierung geplanten Aufspaltung am Sonntag zugestimmt.

Zur Sanierung soll der bisherige Opel-Mutterkonzern mehrheitlich verstaatlicht und auf zukunftsträchtige Teile reduziert werden. Die Zahl der US-Marken wird auf vier halbiert - es bleiben GMC, Chevrolet, Cadillac, Buick. Dem Vernehmen nach sollen der Umstrukturierung rund 21 000 Arbeitsplätze bei GM zum Opfer fallen, das ist rund ein Drittel der Belegschaft. Neben Opel will GM auch die defizitäre schwedische Tochter Saab abstoßen. Für die schwedische GM-Tochter gab es zuletzt noch zwei bis drei mögliche Käufer. Auch der Geländewagenbauer Hummer und die US-Marke Saturn sollen verkauft werden, Pontiac muss sterben. „Während des Insolvenzverfahrens wird GM wie gewöhnlich arbeiten“, hieß es aus dem Weißen Haus. Die Bundesregierung, der österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und die US-Seite hatten sich am Samstag grundsätzlich auf eine Herauslösung von Opel aus GM verständigt, damit der Rüsselsheimer Autobauer nicht in den Sog einer GM-Insolvenz gerät. Die Federführung für die Umstrukturierung von GM soll Al Koch übernehmen, wie es weiter hieß. Koch, ein leitender Direktor der Beraterfirma AlixPartners LLP, gilt als erfahrener Krisenmanager, der bereits die amerikanische Handelskette Kmart nach ihrer Insolvenz erfolgreich reorganisierte.

Nach der de facto Verstaatlichung soll sich GM - geschützt vor dem Zugriff der Gläubiger - in der Insolvenz gesundschrumpfen - der Konzern wird in einen „guten“ und einen „schlechten Teil“ aufgespalten. GM soll künftig schon in die Gewinnzone fahren, wenn in den USA lediglich zehn Millionen Autos aller Hersteller pro Jahr verkauft werden. Bislang liegt die Schwelle bei 16 Millionen.

Die US-Regierung übernimmt rund 60 Prozent an dem Konzern, Kanada 12,5 Prozent. 17,5 Prozent sollen im Gegenzug für Milliarden-Zugeständnisse der Autogewerkschaft UAW an einen Gewerkschafts-Trust für Gesundheitskosten gehen, die bisherigen Gläubiger sollen zunächst zehn Prozent erhalten mit der Option, ihren Anteil auf bis zu 25 Prozent zu erhöhen. Die Regierung rechnet den Kreisen zufolge mit einer Dauer von 60 bis 90 Tagen, bis der juristische Prozess für die Restrukturierung von GM abgeschlossen ist.

US-Präsident Barack Obama plant im Laufe des Montags, in einer Rede an die Nation noch einmal 30 Milliarden Dollar (21 Milliarden Euro) für die Restrukturierung des Autobauers anzukündigen, wie weiter aus dem Weißen Haus verlautete. Kanada will weitere zehn Milliarden beisteuern. Außerdem wolle Obama betonen, dass sich die Regierung aus den geschäftlichen Entscheidungen bei GM heraushalten werde. GM hat bislang bereits fast 20 Milliarden Dollar Staatshilfe von Washington erhalten.

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