Charité Deutschlands größte Uniklinik versorgt noch mehr Patienten

Universitätskliniken bieten Hochleistungsmedizin. Nur die wenigsten von ihnen verdienen Geld, die meisten stecken in den roten Zahlen. Die Berliner Charité ist eine Ausnahme – und das trotz steigender Personalkosten.
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Das Bettenhaus der Charité: Deutschland größtes Universitätsklinikum wuchs im vorigen Jahr schneller als der gesamte Krankenhausmarkt. Quelle: dpa
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Das Bettenhaus der Charité: Deutschland größtes Universitätsklinikum wuchs im vorigen Jahr schneller als der gesamte Krankenhausmarkt.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Stadt Berlin wächst – davon profitiert auch das Universitätsklinikum Charité. Der Krankenhauskonzern legte im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 1,39 Milliarden Euro Umsatz zu. Damit wächst Deutschland größtes Universitätsklinikum schneller als der gesamte Krankenhausmarkt, der laut Branchenschätzungen im niedrigen einstelligen Prozentbereich gewachsen sein dürfte.

Allerdings geht auch bei der Charité wie in vielen Kliniken die Schere zwischen steigenden Kosten und weniger schnell steigenden Einnahmen weiter auseinander: Unter dem Strich stieg das Ergebnis langsamer als der Umsatz von 3,7 auf 3,8 Millionen Euro.

Vorstandvorsitzender Karl Max Einhäupl wertet das als Erfolg: Denn die Charité schreibt zum sechsten Mal in Folge schwarze Zahlen. „Mit dem Jahresabschluss 2016 haben wir die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fortgesetzt und unseren Wirtschaftsplan unter schwierigen Rahmenbedingungen und gegen den allgemeinen Trend überzeugend erfüllt“, sagte der Charité-Chef.

Das sind die gefährlichsten Bakterien der Welt
Priorität 3, Medium: Shigella
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Die Stäbchenbakterien aus der Familie der Enterobakterien sind vor allem in Entwicklungsländern ein großes Problem. Sie können sehr schwere Bakterienruhr mit Durchfällen hervorrufen und verbreiten sich hauptsächlich durch verschmutztes Wasser oder durch Nahrungsmittel. Die Behandlung von Epidemien hat zu einer stärkeren Verbreitung von gegen Antibiotika resistenten Stämmen geführt. Wissenschaftler schätzen die Gefahr von Erregern auf Basis ihrer Medikamenten-Resistenz, der Zahl der Toten, die sie verursachen und der Häufigkeit, in der Menschen außerhalb von Krankenhäusern infiziert werden ein.

Quelle: WHO

Typ 3, Medium: Haemophilus influenzae
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Haemophilus influenzae existiert ausschließlich in den Schleimhäuten des Menschen, vor allem in denen des oberen Atmungssystems (Nase, Rachen, Luftröhre). Die Bakterien verursachen dort entzündliche Erkrankungen und sind vor allem für Kleinkinder gefährlich. Weltweit sterben jährlich schätzungsweise 371.000 Kinder unter fünf Jahren an der durch vorbeugende Impfung vermeidbaren Infektion.

Priorität 3, Medium: Streptococcus pneumoniae
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Allgemein bekannt als Pneumokokken verursachen diese Bakterien schwere Infektionen, besonders gefährlich sind sie für Säuglinge, Kleinkinder und älteren Menschen mit Vorerkrankungen. Jedes Jahr sterben weltweit mehrere Millionen Menschen an einer Pneumokokken-Infektion, in Deutschland sind es im Schnitt 10.000. Trotz Antibiotika tritt die Hälfte dieser Todesfälle schon innerhalb der ersten 48 Stunden ein.

Priorität 2, Hoch: Neisseria gonorrhoeae
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Der Verursacher der häufigsten Geschlechtskrankheit der Welt, Gonorrhoe beziehungsweise Tripper, ist mittlerweile immun gegen die früher übliche Behandlung mit Penicillin. Inzwischen sind auch gegen sämtliche Breitbrand-Antibiotika resistente Stämme identifiziert worden.

Priorität 2, Hoch: Salmonellen
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Das meldepflichtige Bakterium gehört zu den Zoonosen. Das bedeutet, dass sich Mensch und Tier in Wechselwirkung gegenseitig anstecken können. Häufig ist die Infektion über Lebensmittel – insbesondere Eier und Geflügelfleisch. Pro Jahr kommt es in Deutschland zu rund 120.000 Infektionen, von denen bis zu 120 tödlich enden. Einige Salmonellenarten haben inzwischen eine Resistenz gegen die herkömmlichen Antibiotika entwickelt.

Priorität 2, Hoch: Campylobacter
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Der in Deutschland häufigste bakterielle Erreger von Durchfall-Erkrankungen heißt Campylobacter. Er wird genau wie Salmonellen häufig durch Nahrungsmittel übertragen, insbesondere Geflügelfleisch. Besonders gefährlich sind Campylobacter-Bakterien für Kinder unter sechs Jahren und ältere Menschen, sowie generell für Menschen, deren Immunabwehr geschwächt ist.

Priorität 2, Hoch: Helicobacter pylori
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Das Bakterium ist ein ansteckender Magenkeim, der zu Entzündungen der Magenschleimhaut, Magengeschwüren und Magenkrebs führen kann. Der Übertragungsweg ist bis heute ungeklärt. Die Therapie gegen das Bakterium ist eine Kombination eines Protonenpumpenhemmers mit zwei Antibiotika – antibiotische Monotherapien zeigen keinen ausreichenden Erfolg. Mediziner haben zuletzt eine zunehmende Resistenz gegen Breitbandantibiotika beobachtet.

Dass Universitätskliniken Geld verdienen, ist keine Selbstverständlichkeit. Nach den letzten Umfragen des Verbandes der Universitätskliniken arbeitet die Mehrheit der 32 Häuser in Deutschland in den roten Zahlen. Unikliniken bieten Hochleistungsmedizin. In diesen Kliniken werden tendenziell mehr Patienten mit ungewöhnlichen oder besonders schweren Krankheitsverläufen behandelt. Dafür müssen die Unikliniken Fachpersonal und spezielle Ausstattung vorhalten. Deswegen sind die Personal- und Sachkosten in Unikliniken – aber auch in anderen großen Krankenhäusern, die eine sogenannte Maximalversorgung der Patienten gewährleisten können – höher als in kleinen Krankenhäuser der Grundversorgung. Weil die Abrechnung der Leistungen aber über festgelegte Fallpauschalen erfolgt, die die höheren Kosten der Unikliniken nicht abdecken, hat sich die wirtschaftliche Lage vieler Unikliniken in den vergangenen Jahren verschlechtert.

Laut einem Bericht des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) aus dem vergangenen Jahr haben Universitätskliniken und Maximalversorger weiterhin beträchtliche Finanzierungslücken von durchschnittlich 3,5 Millionen Euro pro Klinikum durch die sogenannten Extremkostenfälle – Patienten, deren Behandlung sehr viel kostet. Das Defizit beträgt hochgerechnet auf alle Unikliniken knapp 100 Millionen Euro.

Wachsende Patientenzahlen der Charité zeigen nach Ansicht von Klinikchefin Astrid Lurati allerdings, dass es einen steigenden Bedarf an Hochleistungsmedizin gibt: Die Charité etwa konnte im vergangenen Jahr die Zahl ihrer stationären Patienten um 4.000 auf 140.000 Fälle steigern. Hinzu kamen knapp 700.000 ambulante Fälle. 

So lässt sich das Krebsrisiko senken
Todesursache Krebs
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Rocklegende David Bowie (r.) und Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister sind zwei Fälle in einer langen Liste von Prominenten, die an Krebs gestorben sind. Bösartige Tumore sind nach Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Häufig ist es Schicksal, doch der Lebensstil kann das Krebsrisiko erheblich beeinflussen, wie Experten betonen.

Melanom-Zellen (schwarzer Hautkrebs)
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Nach Ansicht vieler Forscher wären insgesamt bis zur Hälfte der bösartigen Tumore vermeidbar, wenn Menschen ihren Lebensstil entsprechend änderten. „Das Schicksal spielt natürlich eine Rolle, aber man kann es stark beeinflussen“, sagt der Leiter der Abteilung Epidemiologie von Krebserkrankungen am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, Rudolf Kaaks.

Krebsrisiko Rauchen
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Rauchen sei bundesweit für etwa jeden fünften Krebsfall verantwortlich, warnt Kaaks. Bei Lungen-, Rachen-, Speiseröhren- und Blasenkrebs sei der Anteil sogar noch viel höher. Zudem schädigen Raucher nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Allein in Deutschland sterben jährlich 3000 Menschen durch Passivrauchen an Krebs, so der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, Johannes Bruns.

Krebsrisiko Übergewicht
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Den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs kennen viele Menschen nicht, dabei ist er seit Jahren belegt. Nach vorsichtigen Schätzungen könnten darauf mindestens fünf bis sechs Prozent aller Krebsfälle zurückgeführt werden, schätzt DKFZ-Experte Kaaks: „Die Liste der Krebsarten, bei deren Entstehung vermutlich Übergewicht eine Rolle spielt, wird immer länger.“

Krebsrisiko Ernährung
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Falsche Ernährung spielt bei bis zu zehn Prozent aller Krebsfälle eine Rolle. Am besten belegt und am stärksten ausgeprägt seien die schädliche Wirkung von rotem Fleisch und die schützende Wirkung von Ballaststoffen, sagt Kaaks. Dass Gemüse und Obst das Krebsrisiko stark senken, habe sich jedoch nicht bestätigt.

Für Aufsehen sorgte zuletzt eine Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Wer viel verarbeitetes Fleisch esse, erhöhe sein Darmkrebsrisiko. Andererseits liefert Fleisch aber auch Eisen und wichtige Vitamine. „Man kann jedes Fleisch bedenkenlos essen. Es kommt aber auf die Menge an“, sagt Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke.

Krebsrisiko Bewegungsmangel
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Körperliche Aktivität senkt das Risiko für Darm- und Brustkrebs. „Und es mag sehr wohl sein, dass das auch für viele andere Krebsarten gilt“, sagt Kaaks.

„Fitness wirkt ein Stück weit schützend“, meint auch Johannes Bruns von der Deutschen Krebsgesellschaft. „Aber kein Mensch sollte glauben, vor Krebs gefeit zu sein, nur weil er jedes Jahr den Berlin-Marathon läuft.“

Krebsrisiko Alkohol
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Vier bis fünf Prozent aller Krebsfälle sind auf Alkohol zurückzuführen. Vor allem die Kombination von Alkohol und Rauchen sei gefährlich, warnt Kaaks. Ein Glas Wein oder Bier reiche schon aus, um das Risiko für bestimmte Krebsarten leicht, aber nachweisbar zu steigern.

Johannes Bruns ist überzeugt, dass bei Alkohol die Dosis das Gift macht. „Irgendwann ist die Schwelle erreicht, wo der Körper nicht mehr damit umgehen kann und Krebs entsteht“, sagt er. Diese Schwelle sei aber von Mensch zu Mensch sehr verschieden.

Alles in allem hat die Charité rund 941 Millionen Euro aus der Versorgung von Patienten erlöst, hinzu kamen mehr als 203 Millionen Euro Landeszuschuss für die Forschung und Lehre. Die Wissenschaftler der Charité konnten zudem mehr als 153 Millionen Euro Drittmitteln einwerben. Mit steigenden Patientenzahlen wuchs auch die Belegschaft: 2016 beschäftigte der gesamte Charité-Konzern 17.100 Mitarbeiter, 250 mehr als im Jahr davor. Das wiederum trieb die Kosten in die Höhe, ein zentraler Grund, warum der operative Gewinn der Charité um rund zwei Drittel auf zehn Millionen Euro schrumpfte.

Das Management der Charité versucht weiterhin, den Betrieb des Uniklinikums effizienter zu gestalten. Im vergangenen Jahr etwa hat man sich den Bereich Kardiologie vorgenommen und mit einer Bündelung der Produkte und Lieferanten sowie Verbrauchsanalysen die  Kosten in diesem Bereich um mehr als sieben Prozent gesenkt. In den Jahren zuvor wurden vergleichbare Einsparmaßnahmen in anderen Krankenhausbereichen durchgeführt.

Für das laufende Jahr erwartet das Management keine grundsätzliche Verbesserung der Kosten-Erlös-Situation. Laut Klinikchefin Lurati, die auch für die Finanzen zuständig ist, rechnet der Konzern mit einer Steigerung des Umsatzes zwischen zwei und drei Prozent. In der Krankenhausversorgung wird mit einem Ergebnis nur knapp über der Nulllinie gerechnet: Laut Plan sind es 100.000 Euro.

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