Chef des Autozulieferers begründet harte Sanierungsmaßnahmen mit Marktschwäche und hohen Rohstoffpreisen
Edscha dementiert Überschuldungsgefahr

Der zur Sanierung gezwungene Autozulieferer Edscha läuft nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Manfred Puhlmann nicht auf eine Schuldenfalle zu. „Es gibt keine Anzeichen, dass Kreditlinien gekündigt werden könnten. Die Situation ist schwierig, aber handhabbar“, sagte er dem Handelsblatt.

hof HB FRANKFURT. Das Unternehmen hatte angekündigt, die Kosten deutlich zu senken und dafür drastisch Personal abzubauen.

Puhlmanns Vorstandskollege Peter Mazzucco, der für Finanzen zuständig war, und der Bereichsvorstand Hagen Wiesner haben das Unternehmen in den vergangenen Wochen verlassen, teilte Edscha erst gestern mit. Dass sie wegen eines Streits über die strategische Ausrichtung von Edscha ausgeschieden sind – so hieß es aus Unternehmenskreisen –, wollte Puhlmann nicht bestätigen. Die Fachzeitschrift Automobilwoche hatte einen Insider damit zitiert, dass der Finanzinvestor Carlyle, dem Edscha mehrheitlich gehört, ins operative Geschäft hineinregiere, „um die Banken zu beruhigen und einen Verkauf vorzubereiten“. Carlyle-Deutschlandchef Heiner Rutt sagte dagegen, es gebe keinen Druck, auszusteigen.

Carlyle hatte im Frühjahr im Rahmen einer Rekapitalisierung die Verschuldung des Unternehmens erhöht, um sich einen Kredit in Höhe von 60 Mill. Euro auszahlen zu lassen. Rutt bestritt einen Zusammenhang zwischen der Restrukturierung und der gestiegenen Verschuldung. Edscha liege mit knapp über 400 Mill. Euro Verschuldung durchaus im Rahmen der Branche. Das Unternehmen setzte im Geschäftsjahr 2004/05, das am 30. Juni endete, 934 Mill. Euro um und erzielte ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 99 Mill. Euro.

Im Juni war der Autozulieferer durch die schwache Geschäftsentwicklung – das Ergebnis war bereits von ursprünglich 130 Mill. Euro auf 118 Mill. Euro reduziert worden – von den Banken stärker ins Visier genommen worden. „Wir sind seither in ständigem Kontakt“, sagt Puhlmann.

Anlass für die angekündigte Umstrukturierung, der nach einem Abbau von 500 Stellen in den vergangenen Monaten weitere 500 Arbeitsplätze zum Opfer fallen sollen, seien in erster Linie die schwache Marktlage und die hohen Rohstoffpreise. In den USA hat das Unternehmen nach Angaben Puhlmanns im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben. Dort gehören vor allem die schwächelnden Autohersteller General Motors und Ford zu den Edscha-Kunden, die beide ihre Kapazitäten zuletzt zurückgefahren haben. Zudem baut die Firma das Cabrio-Dach für den Chrysler PT Cruiser, dessen Absatz die Erwartungen nicht erfüllt.

Der hohe Stahlpreis belastet Edscha als Anbieter von Auto-Scharniersystemen ganz besonders: „Ein explodierender Stahlpreis kann an einem solchen Unternehmen nicht spurlos vorüber gehen“, kommentiert Rolf Woller, Branchenexperte der Hypovereinsbank. Allein die hohen Materialkosten haben das Ergebnis von Edscha 2004/05 mit rund 20 Mill. Euro belastet, räumte Puhlmann ein.

Von den 500 Arbeitsplätzen, die nun noch abgebaut werden sollen, werden laut Puhlmann die wenigsten in Deutschland sein. 200 Stellen werden in Nordamerika gestrichen, außerdem sollen Werke in England, Frankreich und Portugal geschlossen werden. Von den Beschäftigten in Deutschland verlangt Puhlmann allerdings Zugeständnisse bei Lohn, Zuschlägen und Arbeitszeiten. Die Verwaltung soll zudem von Remscheid ins bayerische Werk Hengersberg verlagert werden.

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