Chef des Bergbaukonzerns CVRD: Roger Agnelli, das Arbeitstier mit Charme

Chef des Bergbaukonzerns CVRD
Roger Agnelli, das Arbeitstier mit Charme

Mit 47 Jahren ist Roger Agnelli unbestritten der einflussreichste Unternehmensführer Brasiliens. Begonnen hat der Chef des Bergbaukonzerns CVRD seine Karriere bei Lateinamerikas größter Privatbank Banco Bradesco. Mit Bergbau und Rohstoffen hat er vor seiner Zeit bei CVRD nie etwas zu tun gehabt hat. Wie stark ihn Finanzwelt geprägt hat, zeigt sich in seinem Führungsstil.

abu SÃO PAULO. Er ist italienischer Abstammung, hat aber nichts mit dem italienischen Unternehmerclan zu tun, der Fiat kontrolliert: Agnellis Urgroßvater rodete als armer Immigrant im Hinterland von São Paulo Urwaldflächen. Unternehmerblut fließt aber auch durch die Adern von Rogers Familie, denn sein Vater besaß eine kleine Fabrik in São Paulo.

Agnelli selbst lernte das Handwerk des Investmentbankers in der solidesten Kaderschmiede von Brasiliens Finanzwelt: Bei Lateinamerikas größter Privatbank Banco Bradesco begann er parallel zum Volkswirtschaftsstudium eine Ausbildung als Bankanalyst. Er arbeitete sich schnell hoch und wurde mit 38 Jahren das jüngste Vorstandsmitglied in der Geschichte der als konservativ bekannten Bank.

Der ehrgeizige Aufsteiger gilt bald als rechte Hand des Bankchefs Lázaro Brandão. Der gibt ihm auch die nötige Rückendeckung, als Agnelli mit 42 Jahren Chef des Bergbaukonzerns CVRD wird – obwohl er mit Bergbau und Rohstoffen noch nie etwas zu tun gehabt hat. Wie stark ihn die Karriere bei Bradesco geprägt hat, zeigt sich in seinem Führungsstil: Wie in der Großbank sitzen auch unter Agnelli alle Vorstandschefs in einem großen Raum versammelt. Von seinem Tisch aus hat der Chef alle Mitarbeiter im Blick. Es heißt, dass die Vorstände auslosten, wer am nächsten bei ihm sitzen muss; niemand wollte direkt neben dem Chef sitzen.

Der gilt als Arbeitstier und verlangt von seinen Untergebenen den gleichen Einsatz. Er ist ein knallharter Verhandlungspartner, der durchaus brasilianisch charmant sein kann. In der Erzbranche heißt es, dass Agnellis Pokern mit den Chinesen im vergangenen Jahr entscheidend war, dass die Bergbaukonzerne neue Preiserhöhungen durchsetzen konnten. Auch entscheidend für Agnellis Erfolg: Er bringt das notwendige Gespür mit, um die Klippen der Politik zu umschiffen – bei einem Konzern, in dessen Holding der Staat indirekt über Entwicklungsbank und Pensionsfonds immer noch 60 Prozent der Anteile kontrolliert, ist das entscheidend für den Erfolg.

Investitionsentscheidungen seines Konzerns können aus armen Landstrichen in wenigen Monaten Boomregionen machen. Für Bürgermeister, Abgeordnete und Senatoren kann das politisch überlebenswichtig sein. Dennoch redet Agnelli dem politischen Establishment nicht nach dem Mund: Als Präsident Luiz Inácio Lula da Silva im Wahlkampf die Privatisierungen Brasiliens kritisierte, wies Agnelli öffentlich darauf hin, dass sein Konzern Beispiel für eine gelungene Entstaatlichung sei.

Trotz seiner Prominenz zeigt sich Agnelli fast nie mit dem brasilianischen Jetset. Kaum jemand weiß von seinem einzigen Hobby, seinem Rennboot, das er im noblen Angra dos Reis ausfährt. Seine Familie steht aus Sicherheitsgründen nicht in der Öffentlichkeit. Niemand kennt seine zwei erwachsenen Kinder.

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