Chef des Flugzeugbauers Embraer
Mauricio Botelho ist ein Tausendsassa

Als Mauricio Botelho vor zwölf Jahren die gerade privatisierte Embraer übernimmt, ist der Flugzeughersteller in einem desolaten Zustand. Kaum jemand traut dem Unternehmen noch etwas zu. Dennoch hat der heute 63-Jährige Erfolg – und das obwohl der Ingenieur nie zuvor etwas mit dem Flugzeugbau zu tun hatte.

SÃO PAULO. Für den Erfolg Embraers ist vor allem er verantwortlich: Mauricio Botelho. Als er vor zwölf Jahren die gerade privatisierte Embraer übernimmt, sieht er den neuen Job als die Chance, die einem Manager nur selten geboten wird: „Das renommierte Unternehmen war in einer desolaten Situation – das reizte mich.“ Denn er sieht das Potenzial, das im Konzern steckt. Kaum jemand aus der Branche erwartet, dass er den heruntergewirtschafteten Konzern in einen der weltweit führenden Flugzeugbauer verwandeln kann – auch weil der Ingenieur nie zuvor etwas mit dem Flugzeugbau zu tun hatte.

Trotzdem hat Botelho viel Erfahrung – in verschiedenen Branchen: Er hat Chemieanlagen, Kraftwerke und Stahlschmelzen gebaut, dann im riesigen Brasilien Schienen und Stromkabel verlegt, später Ölplattformen in Europa errichtet. Schon früh lernt Botelho die gewaltigen geographischen und sozialen Gegensätze Brasiliens kennen: Er wächst als Sohn eines wohlhabenden Rinderzüchters in Rios noblem Strandviertel Ipanema auf. Auf den Weiden seines Vaters im fernen Pantanal, einer der größten Feuchtsavannen der Welt, lernt er das raue Leben zwischen Cowboys und wilden Tieren kennen.

Nach dem Ingenieurstudium in Rio de Janeiro bekommt Botelho, der indigene Vorfahren hat, seinen ersten Job am Amazonas, wo er Industrieanlagen errichtet. Neben dem Komplex entsteht eine Schule, und der Ingenieur wundert sich: „Es gab keine Häuser, keine Siedlungen, aber jeden Morgen kamen mehr Kinder zur Schule gepaddelt.“ Diese Erfahrung prägt den jungen Mann tief: „Biete den Menschen eine Chance, und sie ergreifen sie.“

Das Handwerk, wie man marode Konzerne schnell wieder zum Laufen bringt, lernt er bei Bozano, Simonsen, einer der erfolgreichsten Investmentbanken Brasiliens, in den Neunzigern. Für sie trimmt er übernommene Unternehmen auf Rendite.

Das hilft dem eloquenten und charismatischen Botelho bei Embraer. Verschlafene Staatsangestellte verwandelt er in motivierte Mitarbeiter. Trotz seiner verbindlichen Art macht er schnell klar: Wer nicht mitmacht, muss gehen. Dennoch gilt Botelho nicht als brutaler Sanierer. Seit er Embraer führt, gab es nicht einen Streik.

Legendär ist die Überzeugungskraft des heute 63-Jährigen bei den Kunden: Für den neu lancierten 70-Sitzer gewann er die damalige Regionalfluggesellschaft Crossair aus der Schweiz als Erstkunden – obwohl sich deren Board schon für Fairchild entschieden hatte.

Ende April wird Botelho in den Aufsichtsrat wechseln und dem bisherigen Vize-Präsidenten Frederico Curado Platz machen. Doch im Aufsichtsrat wird Botelho dem neuen Management genau auf die Finger schauen. Denn der Konzern hat 2006 seine Aktionärsstruktur neu geordnet: Kein Gesellschafter verfügt heute über mehr als fünf Prozent des Stimmrechts, keiner beherrscht also den Konzern. Botelho hat vorgesorgt, dass er auch weiterhin bei Embraer viel zu sagen hat.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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