Chef gefeuert
Bei Boeing folgt Problem auf Problem

Konkurrent Airbus übernahm die Führung bei den Verkehrsflugzeugen und prescht mit seinem riesigen A380 vor, nach dem Skandal um Pentagon-Aufträge sitzt der Ex-Finanzchef Mike Sears im Gefängnis. Und nun sorgt ausgerechnet der als Retter aus dem Ruhestand geholte Konzernchef Harry Stonecipher für Negativschlagzeilen.

HB DÜSSELDORF. Ein Verhaltenskodex ermuntert die Mitarbeiter bei Boeing ausdrücklich, jegliches „illegales oder unethisches“ Verhalten zu melden. Und so wurde die Beziehung des Chefs vor zehn Tagen anonym dem Verwaltungsratschef Lew Platt und den für Ethik und Recht zuständigen Managern zugetragen.

Der Verwaltungsratschef statuierte ein Exempel: „Jeder sollte wissen, dass wir bei jeglichem unangemessenen Verhalten entschiedene Maßnahmen ergreifen werden.“

Der 68-jährige Stonecipher führte den Flugzeugbauer und Rüstungskonzern erst seit Dezember 2003. Der damalige Konzernchef Phil Condit war nach einem Beschaffungsskandal mit der amerikanischen Luftwaffe zurückgetreten.

Die Beschaffungsbeamtin Darleen Druyun hatte mit Boeing über eine Stelle verhandelt, während sie das Unternehmen bei der Vergabe von Milliarden-Großaufträgen begünstigte. Sie wurde zu neuen Monaten Gefängnis verurteilt.

Das damalige Finanzchef Sears bekam vier Monate. Ein 23 Milliarden-Dollar-Programm für 100 Tankerflugzeuge der US-Luftwaffe wurde neu ausgeschrieben. Boeing fiel auch wegen der unzulässigen Verwendung von Lockheed-Dokumenten auf.

Stoneciphers Auftrag: Ruhe ins Unternehmen bringen

Stonecipher, der als einer der fähigsten Spitzenmanager der Luft- und Raumfahrtbranche gilt, war gerade mit dem Auftrag geholt worden, die Negativserie zu beenden und Ruhe in das Unternehmen zu bringen - was ihm bisher auch zu gelingen schien.

Unter anderem schuf er durch die stärkere Betonung des Rüstungsgeschäfts eine Alternative zu der Auftragsmisere bei Verkehrsflugzeugen. Boeing steigerte den Jahresumsatz 2004 auf 52,5 Mrd. Dollar und den Gewinn auf 1,9 Mrd. Dollar.

Stonecipher ist ein alter Hase im Geschäft: Von 1997 bis Mai 2001 war er bereits Boeing-Präsident und Mann Nummer zwei bei dem Luftfahrtriesen. Zuvor hatte er den Luft- und Raumfahrtkonzern McDonnell Douglas geleitet, den Boeing 1997 übernahm.

Die Fakten hätten ein schlechtes Licht auf das Urteilsvermögen Stoneciphers geworfen, urteilte der Verwaltungsrat zu der „persönlichen Beziehung“ des verheirateten Konzernchefs mit einer nicht näher genannten „weiblichen Führungskraft“.

Zugleich hätten Untersuchungen ergeben, dass weder die Führung der Geschäfte noch Karriere oder Bezahlung der Stonecipher nicht direkt unterstellten Managerin durch die Beziehung beeinflusst worden seien.

Dennoch: Das Verhalten des Konzernlenkers sei nicht mit dem Boeing-Verhaltenskodex vereinbar, entschied das Aufsichtsgremium. Seine Fähigkeit zur Führung der Gesellschaft werde beeinträchtigt, erklärte der Verwaltungsratsvorsitzende Lew Platt.

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