Chef überrascht Mitarbeiter

Über Nacht die Firma von Italien nach Polen verlagert

Ein italienischer Hersteller für Heizkörper verlagert das Werk fast unbemerkt nach Polen und erzürnt die Bevölkerung. Damit ist er nicht der Einzige: Immer mehr italienische Firmen wollen Stellen ins Ausland verlagern.
26 Kommentare
Italien bleibt das Sorgenkind Europas: In der weltweiten Gehalts- und Produktivitätstabelle des Weltwirtschaftsforums befindet sich Italien auf Platz 128 - einen Rang hinter Burkina Faso. Quelle: dpa

Italien bleibt das Sorgenkind Europas: In der weltweiten Gehalts- und Produktivitätstabelle des Weltwirtschaftsforums befindet sich Italien auf Platz 128 - einen Rang hinter Burkina Faso.

(Foto: dpa)

FormigineFabrizio Pedroni wünschte seinen Mitarbeitern schöne Ferien. Frühestens in drei Wochen sollten sie wiederkommen, sagte er zu ihnen. In derselben Nacht beginnt er mit der Verschiffung seiner Anlagen nach Polen. „Hätte ich sie eher in die Pläne eingeweiht, die Produktion ins Ausland zu verlagern, hätten sie meine Fabrik besetzt“, sagt Pedroni. „Ich will, dass mein Unternehmen überlebt. Italien ist nicht mehr die richtige Umgebung für einen Betrieb.“

Das Familienunternehmen Firem produziert Heizkörper und Heizsysteme für Gastronomie, Automobilindustrie und Haushaltsgeräte. Die Nachricht über die Produktionsverlagerung nach Ost-Europa erreichte die 40 Mitarbeiter zu spät. Am 13. August, elf Tage nach dem Start der Aktion, wunderten sich einige Mitarbeiter über die Geschäftigkeit auf dem Betriebsgelände. Sie machten sich auf dem Weg zum Tor, konnten aber nur noch die letzte von 20 Verladungen stoppen.

Während die Euro-Zone mittlerweile wieder positiven Wachstum aufweisen kann, steckt Italien weiter in der Rezession. Der Verlust der Fabrik unterstreicht die Schwierigkeiten, die Italien bei der Wiederbelebung des verarbeitenden Gewerbes und der Wirtschaft hat.

In der weltweiten Gehalts- und Produktivitätstabelle des Weltwirtschaftsforums befindet sich Italien lediglich auf dem 128. Platz und liegt damit einen Rang hinter Burkina Faso. Polen ist auf Platz 39. Der 49-jährige Firmenchef Pedroni lebt jetzt in Angst, nachdem er mehrere Morddrohungen erhalten hat. Dennoch halte er an seiner Entscheidung fest, wie er sagt. Und damit ist er nicht allein. Unternehmen wie Fiat oder Indesit, ein Hersteller von Öfen und Kühlschränken, verlagern Produktionskapazitäten ins Ausland um Kosten zu sparen.

Indesit hatte schon im Juni angekündigt, 1400 Stellen zu streichen. Der Schritt steht im Zusammenhang mit einem Teil-Umzug in die Türkei und nach Polen. Fiat beschäftigt bereits über 4000 Mitarbeiter in Polen.

Italiens Wirtschaft soll weiter schrumpfen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Chef überrascht Mitarbeiter - Über Nacht die Firma von Italien nach Polen verlagert

26 Kommentare zu "Chef überrascht Mitarbeiter: Über Nacht die Firma von Italien nach Polen verlagert"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Völlig richtig. Die italienischen Unternehmen handeln so aus Verzweiflung über die katastrophalen Rahmenbedingungen (z.B. die Rechtsunsicherheit). Deutsche Unternehmen dagegen, die auch Fabriken im Ausland betreiben, müssen zumindest einen Teil in den Ländern produzieren, in denen ihre Kunden sitzen. Die Marktnähe ist das viel bedeutendere Argument als das Thema Kosten!

  • @ absolvierer
    warum ist es dort so billig wo die hinwollen?
    weil dort alles anders ist als zu haus!
    dort ist
    jeder dorf bullizist ein kleiner könig
    jeder inspektör ein potenzieller verhinderer
    ein minister unüberwindbar
    also die jugend muss ihre eigenen erfahrungen machen
    und hat die möglichkeit in den schoß von mutterheimat o. vaterland zurückzukehren
    ein alternder dändi wird es nicht mehr schaffen.

    die gesamtkosten bleiben gleich hoch
    nur die teilbeträge verteilen sich anders
    die gruppierungen sind etwas aggressiver

    viel spaß

  • Man geht dort hin ... wo die Lohn-/Stückkosten niedrig sind u. dazu noch die Menschen fleissig.
    Also nicht nach Südeuropa. Club Med wäre ohne D schon lange pleite!

  • Die Italiener bereiten ihr eigenes Siechtum vor. Solange die EU nicht auch noch in der Wiege der Kunst und der Finanzkuenstler kontrolliert hatte, konnten italienische UNternehmer, die hohe Profite gewohnt sind,durch Manipulationen der horrenden staatlichen Steuer entkommen. Jetzt mit den EU Kontrolleuren an der Spitze ist das nicht mehr so einfach, einige traditionelle Machenschaften werden aufgedeckt. Der private Wohlstand Italiens, der der hoechste in der EU ist, beginnt zu schrumpfen.

    Im fortgeschrittenen Stadium des italienischen Siechtums wird Deutschland ueber die trickreiche Europaeische Union wieder zur Kasse gebeten. Den Typ des nach aussen hartkoepfigen Miesepeters , in Wirklichkeit ein Weichei, der sich ausnehmen laesst wie z. B. Schauble gibt es in Italien kaum.

  • In Italien is ALLES zu teuer! Das ist genug um eine Entscheidung zu machen - zu gehen.

    Wenn interessiert auf welchem Platz steht Italien????
    Sei es auf dem ersten Platz wird sich an der Tatsache nichts ändern.

    Der Geschäftsmann möchte Gewinne machen. Die Arbeite wollen sich von dem Lohn ernähren können. Das ist doch mehr als primitiv. In dem Fall ist es sch*** egal was die Politik mach, wenn die Preise zu hoch sind.

    Einzige Weg - weg von Euro zurück zu Lira.
    Und abwerten abwerten abwerten...

  • So macht man das! Chapeau.
    Was soll der Boss sich mit faulen Ittaken rum ärgern

  • Völlig unverständlich, dass ein italienischer Unternehmer nach Polen geht. Italien braucht nämlich gar keine Industrie mehr.

    Nach vollendeter Installation der Tranferunion wird die Siesta in den Südländern von 7.00 Uhr bis 21.00 Uhr dauern.

    Zahlen dürfen das alles Dank unserer Regierung dann wir malochenden Deppen-Deutschen.

  • Vor hundert Jahren vielleicht...
    Die Deutsche können NUR noch Autos bauen. Mehr können die nicht! Elektronik aus Deuscthland ist schrott. Auch Electronik in Deutschen Autos ist SCHROTT. Haben sie mal in Korea mit Koreanischen Autos gefahren?

    Zu Bemerkung. Koreanische Autos in Korea und in Deutschland sind 2 verschiedene Welten.

    Was kann Deutschland noch? -nichts.

  • Steueraufkommen 2012
    Lohnsteuer 149.065
    Veranlagte Einkommensteuer 37.262
    Körperschaftsteuer 16.935
    Vermögensteuer -1
    Erbschaftsteuer 4.305
    aus http://de.wikipedia.org/wiki/Steueraufkommen_%28Deutschland%29

  • Liebes Handelsblatt,
    wo haben sie den Platz 128 her ???
    Falls sie das GCI Global Competitiveness Index des WEF meinen: Dort steht Italien auf Platz 42,und - jetzt kommt's - einen Platz vor Polen (41).
    Schon richtig: Italien hat im Moment die unfähigste politische (und wahrscheinlich auch Ökonomische)Führung in ganz Europa; und die Unternehmer tuen gut daran deb produktionsstandort zu verlagern. ABER die Gründe liegen weniger an der mangelnden Produktivität, als vielmehr am grossen Ideenreichtum italienischer Politiker dem produzierenden (und verdienendem) Gewerbe das Geld aus der Tasche zu ziehen - OHNE eine ordentliche gegenleistung dafür zu erbringen. Darüber und über die gereontokratische Führung Italiens, die verkrusteteten Machtstrukturen (die kaum aufzubrechen sind), den Klientelismus, die Reformfeindlichkeit der "Casta" sollte das Handelsblatt einen schönen Artikel machen ohne Sterotypen und Verallgemeinerungen - die Italiener wären dankbar. Schönen Gruss aus Italien

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%