Chefwechsel in China
Qoros geht die Puste aus

Mit großen Ambitionen wurde die chinesische Automarke Qoros vor zwei Jahren aus der Taufe gehoben. Doch bisher enttäuschen die Chinesen beim Absatz auf ganzer Linie. Ein neuer Chef soll die Wende bringen.
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PekingNiemals hätte man gedacht, dass der Drache auch Schwäche zeigen kann. Es war Anfang 2013 als die Verantwortlichen der chinesischen Automarke Qoros der überraschten europäischen Konkurrenz auf dem Autosalon in Genf erklärten, wie man eine Automarke aus dem Nichts erschaffen will.

400 Experten hatten die Chinesen dafür eingekauft, erfahrene „Car Guys“ wie den ehemaligen VW-Spitzenmann Volker Steinwascher, der die Strategie vorantreiben sollte, oder den deutsche Autodesigner Gert-Volker Hildebrand, der schon Autolegenden wie dem VW Golf und dem Mini ein neues Gesicht verpasst hatte. Sie sollten ein chinesisches Auto entwerfen, das sich vor der ausländischen Konkurrenz nicht verstecken muss.

„Wir bauen keine chinesischen Autos“, erklärte damals Qoros-Manager Steinwascher.

Die ersten Ergebnisse konnten sich durchaus sehen lassen. Nach der Europapremiere des 3 Sedan auf dem Autosalon in Genf folge ein Hatchback und ein SUV. Die Motoren kommen ebenfalls aus Europa: sie basieren auf einer Konstruktion der österreichischen AVL und wurden von den Qoros-Ingenieuren umgebaut. Auch das Design ist mittlerweile preisgekrönt, beim NCAP-Crashtest war der Qoros im Jahr 2013 sogar das sicherste aller getesteten Autos. Nur in einem Feld hängt Qoros den eigenen Erwartungen hinterher: beim Verkauf.

Seit dem Marktstart hat die Marke in China gerade einmal rund 7.000 Autos verkauft. Viel zu wenig um das Werk in Changshu, 80 Kilometer nordwestlich von Shanghai, auszulasten – dort können theoretisch bis zu 150.000 Fahrzeuge gebaut werden. Dabei wollte man eigentlich mit dem Rückenwind aus dem Heimatmarkt im Jahr 2016 nach Europa expandieren. Den Markteintritt hat man nun erstmal vertagt. Frühestens 2017/18 wäre ein Marktantritt in Europa denkbar, heißt es nun. Bis dahin leben Chinesen von der Substanz, wenn sich keine Erfolge auf dem Heimatmarkt einstellen.
Das dürfte auch die Geldgeber nervös machen. Hinter Qoros stehen der chinesische Autohersteller Chery und die Israel Corporation. 2,5 Milliarden Dollar haben die beiden Unternehmen seit dem Jahr 2007 in die Entwicklung des neuen Unternehmens investiert.

Geld, das die beiden Unternehmen gerne wieder einspielen wollen. Die Wende soll nun ein neues SUV und eine Personalrochade bringen: Der chinesische Chef von Qoros, Guo Qian, muss gehen. Auf ihn folgt Phil Murtaugh, ein erfahrener Automanager, der zuletzt für GM das Asiengeschäft verantwortet hatte. Vor allem der Aufbau des Händlernetzes dürfte zu seinen Hauptaufgaben gehören.

Derzeit verkaufen nur etwa 62 Händler die Modelle von Qoros, 12 weitere Filialen stehen vor der Eröffnung. Ende des Jahres sollen es 200 sein. Zum Vergleich: Marktführer Volkswagen kommt auf etwa 1.000 eigene Händler in China.

Für Chinesen wird es Zeit, die Schwäche auf dem Heimatmarkt zu beenden. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte berichtet, dass die israelischen Geldgeber sonst sogar über einen Ausstieg nachdenken könnten. Für den Drachen wäre das eine harte Landung.

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