Chemchina bietet 43 Milliarden Dollar
Syngenta lässt sich kaufen – um selbständig zu bleiben

Die Avancen des US-Konzerns Monsanto schlug die Führung von Syngenta vehement aus. Die Chinesen von Chemchina empfängt sie mit offenen Armen: Was sich der Schweizer Agrochemiehersteller vom Milliarden-Deal verspricht.

ZürichEs ist größte Zukauf eines chinesischen Unternehmens im Ausland: Für rund 43 Milliarden Dollar will der staatliche chinesische Konzern Chemchina den Schweizer Saatgut- und Pflanzenschutz-Konzern Syngenta übernehmen. So paradox es klingt: Die Übernahme gewährleistet Syngenta ein Maximum an Unabhängigkeit.

Denn Chemchina will das alte Syngenta-Management unter CEO John Ramsay behalten. Auch Verwaltungsratspräsident Michel Demaré bleibt an Bord und wird Vize-Präsident des Verwaltungsrates. Neuer Präsident wird Chemchina-Chairman Ren Jianxin. Auch die Schweiz soll als Firmensitz erhalten bleiben.

Und: „In den kommenden Jahren“ wolle Chemchina die Möglichkeit eines Börsengangs prüfen. Sprich: Die Chinesen kaufen Syngenta, offenbar in der Hoffnung, das Pflanzenschutz- und Saatgut-Geschäft in ein paar Jahren mit einem höheren Preis an der Börse wieder zum Teil zu verkaufen, wenn sich die Preise für diese Produkte wieder erholt haben.

Die China National Chemical Corporation, wie Chemchina mit vollen Namen heißt, hat sich in letzter Zeit mit einem aggressiven Zukaufkurs in der westlichen Welt einen Namen gemacht. Vor wenigen Wochen kündigte Staatskonzern die Übernahme des deutschen Spezialmaschinenherstellers Krauss-Maffei für 925 Millionen Euro an. Vergangenes Jahr kauften die Chinesen für elf Milliarden Franken den italienischen Reifenhersteller Pirelli. Chemchina hat 2015 mit rund 140.000 Mitarbeitern rund 40 Milliarden Dollar Umsatz gemacht und sieht sich selbst als Nummer neun der weltweiten Chemiehersteller.

2011 hat Chemchina bereits den israelischen Pflanzenschutzhersteller Adama übernommen. Mit Syngenta, die 15 Milliarden Dollar mit Pflanzenschutzmitteln machen, kaufen sich die Chinesen nun die Nummer eins im Bereich der Agrochemie. Im Unterschied zu der lange diskutierten Fusion mit US-Konkurrent Monsanto bietet die Übernahme durch Chemchina aber keine großen Synergien – zumindest werden in der Pressemitteilung keine Zahlen dazu genannt.

Syngenta ist seit Monaten Gegenstand von Übernahme-Gelüsten. Mehrfach hatten Verwaltungsrat und Management Monsantos Avancen zurück gewiesen. Der Sektor der Saatgut- und Pflanzenschutzhersteller ist zwar um die Player Monsanto, Syngenta, Dow Chemical, Dupont und die Deutschen Bayer und BASF bereits recht konzentriert. Angesichts der sinkenden Preise für Rohwaren wie Getreide und Mais fehlt aber Bauern vor allem in Schwellenländern wie Brasilien das Geld, um in teure neue Saatguten oder Pflanzenschutzmittel zu investieren.

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